Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 50, Nummer 4 › Seite 163
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1904, Seite 163
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Bibel. —Altes Teſtament 4 · Glaube · Glaube 20 · Gnade 3 · Synoden
Die neuere Pentateuchkritik. 163
rechnet iſt, da ja nach unſerer Annahme der achte, Hadar, zur Zeit Moſis
noch lebte, ſo bleiben über 250 Jahre übrig für das Anwachſen der ſchon vor
Iſaaks Tod in Seir wohnenden Familie Eſaus zu einem Volk und für die
andern in unſerm Texteapitel aufgeführten edomitiſchen Geſchlechter, auf die
wir hier nicht weiter eingehen können.“)
Aber noch Eine Schwierigkeit iſt zu löſen. Ganz deutlich ſteht doch da:
„Ehe denn die Kinder Iſrael Könige hatten.“ Was ſoll dieſe
Bemerkung hier? Laſſen ſich dieſe Worte wirklich anders verſtehen, als ſo,
daß das Königthum in Iſrael bereits aufgekommen war? Allerdings, wenn
wir den Zuſammenhang genauer betrachten. Sie ſind geredet vom Stand—
punkte der Königs verheißung aus. Wird doch gerade im vorhergehen—
den Capitel berichtet, daß Gott zu Jakob ſprach: „Ich bin der allmächtige
Gott, ſei fruchtbar und mehre dich; Völker und Völkerhaufen ſollen von dir
kommen, und Könige ſollen aus deinen Lenden kommen“, Gen.
35, 11., woran ſich dann gleich die Genealogien Jakobs und Eſaus ſchließen.
Ja, ſchon dem Abraham war verheißen: es „ſollen auch Könige von dir
kommen“, und aus Sarah ſollen „Völker werden und Köni ge über viel
Völker“, Gen. 17, 6. 16., und Deut. 17, 14. ff. weiſſagt Moſes, daß Iſrael,
wenn es nach Canaan gekommen ſein und im Lande wohnen werde, ſagen
würde: „Ich will einen König über mich ſetzen, wie alle Völker
um mich her haben“, weshalb er dann gleich das ſogenannte Königs—
geſetz gibt. Im Hinblick auf dieſe Königs weiſſagung drücken die Worte
unſerer Stelle nur den Gedanken aus, daß Edom früher ein Königreich ge—
worden iſt als Iſratl. Der Königsgedanke lag der moſaiſchen Zeit nach
den vorangegangenen Weiſſagungen ganz gewiß nicht fern, wie darum auch
Franz Delitzſch in früheren Jahren treffend zu unſerer Stelle bemerkte:
„Daß Iſrael ein Reich von Königen ſeines Geſchlechts zu werden beſtimmt
ſei, war eine auf das Zeitalter Moſes vererbte Hoffnung, welche zu nähren
der egyptiſche Aufenthalt ſehr geeignet war.“ 2) Ja, ſelbſt ein ſo entſchiedener
Gegner der moſaiſchen Abfaſſung des Pentateuchs wie König, der auch
unſere Stelle beſtimmt als ein Postmosaicum bezeichnet, macht doch das
Zugeſtändniß: „Wenn das ſicher wäre, . . . daß dem Abraham und Jakob
Könige als Nachkommen verheißen worden ſeien, Gen. 17, 6. 16. 35, 11.,
dann könnte auch Gen. 36, 31. von Königen Iſraels vor deren Exiſtenz
geredet worden ſein.“?) Warum iſt das aber nicht ſicher, da es doch die
eben angeführten Stellen klar und beſtimmt ausſagen? Die Worte Königs
ſind bezeichnend: Der Inhalt dieſer klaren, beſtimmten Ausſagen „muß nach
Richt. 8, 23. 1 Sam. 8, 6—8. 10, 19. — Streben nach einem Könige iſt
Abfall von Jahwe, gleich der Anbetung des goldenen Kalbes — als eine
1) Vgl. zu dieſem Punkte beſonders Hengſtenbergs gründliche Unterſuchungen
in ſeiner „Authentie des Pentateuchs“, II, 202 ff. 273 ff.
2 „Die Geneſis“, S. 348. 3) Einleitung, S. 160 f.
English translation
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