Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 50, Nummer 4 › Seite 161
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1904, Seite 161
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Analogie 14 · Bibel. —Altes Teſtament 4 · Glaube · Glaube 7 · Glaube 20 · Gnade 3 · Synoden
Die neuere Pentateuchkritik. 161
5 Moſ. 34, 10.: ‚Und es ſtund hinfort kein Prophet in Iſrael auf, wie
Moſe, den der HErr erkannt hätte von Angeſicht.. Item, andere Dinge
mehr, ſo daſelbſt vom Grabe Moſes erzählt werden. Es wäre denn, daß
du ſagen wollteſt, daß er ſolches durch einen prophetiſchen Geiſt zuvor ge—
ſehen und geweiſſagt hätte.“)
Gehen wir darum auf dieſe Stelle etwas genauer ein. Wir ſtellen nicht
in Abrede, daß die Worte auf den erſten Blick etwas befremdlich klingen und
den Eindruck erwecken könnten, daß ſie erſt geſchrieben ſeien, als das König—
thum in Iſrael ſchon eingeführt war. Aber bei genauerer Unterſuchung ver⸗
wickelt ſich gerade auch dieſe Auffaſſung in Schwierigkeiten. Thatſache iſt,
daß es ſchon zu Moſis Zeiten Könige in Edom gab, denn Num. 20, 14. leſen
wir, daß „Moſe Botſchaft ſandte aus Kades zu dem Könige der Edomiter“,
vgl. auch Richt. 11, 17. Die Edomiter hatten damals nicht bloß Fürſten,
Ex. 15, 15., ſondern auch Könige, gerade wie andere Völker, z. B. die Midia⸗
niter, Num. 31, 8. Nun werden aber in unſerer Stelle, Gen. 36, 31Xff.,
nur acht Könige Edoms genannt, die regiert haben ſollen, ehe Iſrael unter
Saul zum Königthum gelangte; und ſelbſt wenn wir annehmen, daß der
König Edoms, der Moſis Zeitgenoſſe war, und an den Moſes die eben er—
wähnte Botſchaft ſandte, der allererſte dieſer acht Edomiterkönige war,
ſo hätten dieſe Könige doch ganz unverhältnißmäßig lange regiert. Denn
vom Tode Moſis bis zur Königswahl Sauls verſtrichen nahezu 400 Jahre
(1 Kön. 6, 1.), und die 7 Nachfolger des erſten Edomiterkönigs müßten durch—
ſchnittlich mehr als 50 Jahre regiert haben. Das iſt um ſo unwahrſchein—
licher, als ſie nicht Erbkönige, ſondern Wahlkönige waren, wie Gen. 36,
31. ff. deutlich zeigt, und als ſolche wohl erſt in reiferem Alter auf den
Thron kamen und kürzere Zeit regierten. Schon dieſe Berechnung macht es
mindeſtens zweifelhaft, daß die hier genannten Edomiterkönige nach Moſes
regiert haben.
Aber es iſt nun nicht einmal zuzugeben, daß der Num. 20, 14. als Zeit⸗
genoſſe Moſis erwähnte Edomiterkönig der erſte König ſeines Volkes war.
Das macht ſchon die Art und Weiſe, wie die Stelle eingeführt wird, etwas
unwahrſcheinlich; dazu aber kommt, daß im Zuſammenhang eine „Königs—
ſtraße“ erwähnt wird. Moſes läßt laut V. 17. dieſem Edomiterkönig ſagen:
„Laß uns durch dein Land ziehen. Wir wollen nicht durch Aecker noch Wein⸗
berge gehen, auch nicht Waſſer aus den Brunnen trinken; die Landſtraße“
(wörtlich Königsſtraße, 9⁰ ) „wollen wir ziehen, weder zur Rechten
noch zur Linken weichen, bis wir durch deine Grenze kommen.“ Das edomi⸗
tiſche Königthum ſcheint alſo ſchon länger beſtanden zu haben, worauf auch
die V. 20. f. betonte Macht und kriegeriſche Geſinnung des Volkes hin⸗
weiſen dürfte. Und dieſe Vermuthung wird geſtützt gerade durch die in
Rede ſtehende Königsliſte, Gen. 36, 31. ff. Denn da wird V. 35. von dem
1) S. L. Ausg. II, 1010.
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