Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 50, Nummer 4 › Seite 146

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1904, Seite 146

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Abendmahl—Gegenwart 15 · Gnade 3 · Synoden

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146 Schriftbeweis für die lutheriſche Lehre vom heiligen Abendmahl.

ſtellen. Wie wir uns fürchten, vom Worte Gottes etwas abzuthun, eine in
Gottes Wort klar ausgeſagte Lehre zu leugnen, ſo fürchten wir uns auch, zu
Gottes Wort, zu den Ausſagen der Schrift, durch unſere Vernunftſpecula⸗
tionen und Vernunftſchlüſſe etwas hinzuzuthun und es als göttliche Lehre
auszugeben. Das glauben, lehren und bekennen wir, was die heilige Schrift
klar ausſagt, nicht weniger und auch nicht mehr.

Dieſen Ruhm will man uns jetzt vielfach rauben. Man beſchuldigt die
treulutheriſche Kirche beſonders unſers Landes vielfach, daß ſie über Gottes
klares Wort hinausgehe. So behauptet man z. B. vielfach, es ſei zwar in
Gottes Wort geſchrieben, daß die Bibel von Gott eingegeben, inſpirirt ſei,
aber von der Art und Weiſe der Inſpiration, ob die Schrift wörtlich einge⸗
geben ſei oder nicht, ſage die Schrift ſelbſt nichts aus, darüber machten ſich die
Theologen ihre eigenen Theorien zurecht, und es ſei daher eine Anmaßung,
wenn man die menſchliche Inſpirationstheorie der lutheriſchen Theologen des
17. Jahrhunderts jedermann aufdrängen wolle, wenn man jeden, der dieſe
Theorie nicht annehme, als einen Leugner der Göttlichkeit der Schrift verdäch⸗
tige. Ganz ähnlich ergeht es uns mit der Lehre vom heiligen Abendmahl.
Gerade in Bezug auf dieſe Lehre behauptet man immer wieder auf Seiten un⸗
ſerer Gegner, der Reformirten ſowohl als auch der Unirten und aller modernen
Theologen, daß die lutheriſche Kirche über die klaren Ausſagen der Schrift weit
hinausgehe, daß ſie die menſchlichen Speculationen und Meinungen ihrer
Theologen über dieſes Geheimniß für Gottes Wort ausgebe und in Recht⸗
haberei und Liebloſigkeit denen die Bruderhand verweigere, die zwar auch
Gottes Wort annehmen, aber dieſen menſchlichen Meinungen und Aus⸗
legungen nicht beipflichten wollten. So ſtand z. B. ſeiner Zeit im „Frie⸗
densboten“ zu leſen: „Wir wiſſen und ſind uns bewußt, daß die Unterſchei⸗
dungslehren der lutheriſchen wie reformirten Kirche zu einem guten Theile

Menſchenwerke ſind, gleichſam Bollwerke, die ſeiner Zeit zu Zwecken der

Vertheidigung errichtet worden ſind, ſchließlich aber vor dem unzerſtörbaren
Gotteswort wieder zuſammenfallen müſſen.... Die von beiden Theilen an⸗
erkannte Schrift lehrt, daß wir im heiligen Abendmahl Gemeinſchaft (lateiniſch
communio) haben mit dem Leib und Blut Chriſti, daß dieſe Gemeinſchaft ſo
eng iſt, daß wir nach Eph. 5, 30. Glieder ſeines Leibes ſind, von ſeinem Fleiſch
und von ſeinem Gebeine. An dieſer von der Schrift bezeugten großen Gnade,
die jedem Bedürfniß einer heilsbegierigen Seele entſpricht, laſſen wir uns ge⸗
nügen. Die von den Kirchenlehrern aufgeſtellten Behauptungen dagegen,
welche über dieſe einfache Schriftlehre hinausgehen, halten wir für unſchädlich,
ſolange man die Gewiſſen nicht damit belaſtet; geſchieht aber dies, ſo haben
wir es mit Menſchenſatzungen zu thun, ſo daß das Wort gilt: „Was darüber
iſt, das iſt vom Uebel! und das andere (Offenb. 22, 18.): „So jemand dazu⸗
ſetzt, ſo wird Gott zuſetzen auf ihn die Plagen, die in dieſem Buch geſchrieben
ſtehen. .. . Cvangeliſcher Chriſt, bewahre und vertheidige, was dir ver⸗

traut iſt! Beſtehe in der Freiheit, damit uns Chriſtus befreit hat, und laß

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