Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 50, Nummer 4 › Seite 191
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1904, Seite 191
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
Scan: Internet Archive (lehre-und-wehre_1904-04_50_4)
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Antichriſt 3 · Glaube · Glaube 20 · Gnade 3 · Maria 3
Kirchlich-Zeitgeſchichtliches. 191
für das Gebiet der Exegeſe durch die Fürſorge des heiligen Vaters eben geſchaffen
wurde: die Einſetzung einer gelehrten Commiſſion von Fachmännern, möge auf alle
anderen Gebiete des Forſchens ausgedehnt werden. Im Verhältniß zwiſchen Staat
und Kirche, zwiſchen Katholicismus und fremden Confeſſionen möge die Irenik über
ſtreitſüchtige Polemik triumphiren; Differenzpunkte mögen mit Ruhe und Milde be⸗
ſprochen, in allem ſoll dem modernen Empfinden gebührende Rechnung getragen
werden. Einſeitige, ſchroffe Stellung ſchlägt erfahrungsgemäß immer zu Ungunſten
der Katholiken aus, da ihnen die Macht fehlt, ihre Prätenſionen zur praktiſchen Gel⸗
tung zu bringen. Statt der ohnmächtigen Waffe des mündlichen Proteſtes möge
Verſöhnlichkeit ohne Preisgabe der Principien überall obwalten und eine Beſſerung
der gedrückten Lage des Katholicismus, ſowie eine größere Freudigkeit im Glauben
unter den Katholiken ſelber hervorrufen!“ („Reformation“ 1903, No. 52.) — Hier⸗
nach will der Reformkatholicismus nicht etwa die papiſtiſchen Irrlehren bekämpfen,
ſondern denſelben nur einen wiſſenſchaftlichen Anſtrich geben und ihn womöglich um
etliche Sätze des modernen Unglaubens bereichern. F. B.
Wie Pius X. die unbefleckte Empfängniß der Maria aus der Schrift beweiſt.
Die „E. K. Z.“ ſchreibt: „Zum 50. Jahrestage der Erklärung des Dogmas von der
unbefleckten Empfängniß der Maria hat Pabſt Pius X. ein Rundſchreiben ergehen
laſſen. Intereſſant iſt, wie das päbſtliche Rundſchreiben bibliſche Belegſtellen zur
Verherrlichung Marias heranzieht. „Schon Adam erblickte ſie in der Ferne als die
Zertreterin des Kopfes der Schlange und trocknete bei ihrem Anblick die Thränen
über den Fluch, der ihn getroffen. An ſie dachte Noe in der rettenden Arche und
Abraham, als ihm Einhalt gethan wurde, den Sohn zu opfern. Als die Leiter, auf
welcher die Engel auf- und abſtiegen, erſchaute ſie Jakob; Moſes erkannte ſie in dem
brennenden und nicht verbrennenden Dornbuſch; David begrüßte ſie, als er beim
Einzug der Lade ſang und tanzte; Elias endlich gewahrte ſie in der Wolke, die aus
dem Meere ſtieg.“ Am kühnſten aber dürfte die Auslegung von der Stelle Offenb.
12, 1. ff. ſein: „Es erſchien am Himmel: ein Weib, bekleidet mit der Sonne, den
Mond zu ihren Füßen, und auf ihrem Haupte eine Krone von zwölf Sternen. Jeder
nun weiß, daß dieſes Weib niemand anders bedeutet als Maria, die als unverſehrte
Jungfrau Chriſtus, unſer Haupt, geboren. Und das Weib, ſo fährt der Apoſtel fort,
war geſegneten Leibes, ſchrie in Wehen und war in Pein, zu gebären. Der Apoſtel
ſah alſo die heilige Gottesmutter, obwohl ſie bereits beſeligt im Himmel war, doch an
geheimnißvollen Geburtswehen leiden. Was war das doch für eine Geburt? Unſere
Geburt iſt es, die wir, in der irdiſchen Verbannung zurückgehalten, zur vollkomme⸗
nen Liebe Gottes und zur ewigen Glückſeligkeit noch geboren werden müſſen. Ihre
Geburtswehen aber bedeuten die Liebe und den Eifer, mit denen die Jungfrau auf
dem Himmelsthron wacht und durch ihre fortwährende Fürbitte zu bewirken ſucht,
daß die Zahl der Erwählten voll werde.““ — Das erinnert an die Schriftauslegung
im Mittelalter: Der Mond erhält ſein Licht von der Sonne; ergo gehört die welt⸗
liche Macht der Fürſten und Könige urſprünglich dem Pabſte. F. B.
Ein neues Beiſpiel römiſcher Prieſtervergötterung wird in Graf Hoensbroechs
Zeitſchrift „Deutſchland“ (2. Jahrg., 2. Heft., S. 260) mitgetheilt: In der weit⸗
verbreiteten Schrift des biſchöflichen Generalvicars Cauſette, „Manreſa“, heißt es:
„Zwiſchen Gott im Himmel und dem Menſchen auf Erden ſteht als Mittelglied der
Prieſter, der, ſelber zugleich Gott und Menſch, beide einander näher bringt. Daß ich
euch Prieſter Götter () nenne, iſt keine ſchmeichleriſche Hyperbel, keine Unwahrheit.
Ihr ſeid ſchöpferiſch, wie es Maria war in ihrer Betheiligung an der Menſchwerdung
Chriſti. In Zeit und Ewigkeit ſeid ihr Schöpfer, wie Gott ſelber. Gott kann zwar
neue Welten in das Daſein rufen, nimmer aber kann er etwas Größeres thun, als
English translation
Not yet translated.