Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 50, Nummer 4 › Seite 181
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1904, Seite 181
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Glaube · Glaube 20 · Gnade 3
Kirchlich-Zeitgeſchichtliches. 181
the power to accept this Gospel by exercise of the ability that is in them to
will to turn away from sin, to accept Christ as their Savior, and to keep the
commandments of God.““ Dieſem groben Arminianismus gegenüber vertritt der
Presbyterian und die Princeton Reviem den ſtrengen Calvinismus mit ſeiner Leug⸗
nung der allgemeinen Liebe, der allgemeinen Erlöſung und der allgemeinen wirk⸗
ſamen Gnade und mit ſeiner Behauptung der abſoluten, von Chriſto und ſeiner
Erlöſung losgelöſten Wahl, der electio gemina zur Verdammniß ſowohl wie zur
Seligkeit, und der unwiderſtehlichen Gnadenwirkung Gottes. Der Presbyterian
vom 6. April ſchreibt (um nur dieſe Eine Stelle auszuheben): „As the Confession
says, It is (for their sin' that all who are not saved are „ordained to dishonor
and wrath.“ This does not, however, go to the bottom of the matter. The
groundeof condemnation is not the reason for preteérition. That men are and
can be punished only for their sins and on account of them, does not answer
the question at all, the question why this particular sinner is passed over in
the bestowal of the grace and pardon which could and would have delivered
him from both the guilt and the power of sin. The answer of the Confes-
sion, as it is also of God, is that it is not of him that willeth, nor of him that
runneth, but of God that hath mercy.“ That is, the ultimate reason why one
iImpenitent person is saved while another is lost is in God's purpose. Though
HIs wish is that all should be saved, no one can be saved except by His grace,
and for secret but absolutely righteous reasons, He has not determined to give
His grace eρeiαιον⁸νν to ald.“ Nach der Schrift müſſen die Verdammten bekennen:
Gott hat uns ſelig machen wollen, aber wir haben nicht gewollt. Nach der Lehre
der calviniſtiſchen Presbyterianer aber können die Verdammten ſagen: Wir ſind in
der Hölle, weil Gott uns ſeine Gnade verſagt hat und uns nicht hat wollen ſelig
machen. Arminianer und Calviniſten ſtehen allerdings einander gegenüber wie Ja
und Nein. Und doch ſind beide im Princip der Theologie völlig einig. Beide ſind
Rationaliſten. Sie entnehmen ihre Lehren nicht der Schrift, ſondern Vernunftſchlüſſen.
Die Arminianer folgern aus der Thatſache, daß Gottes Gnade allgemein iſt, die
Mitwirkung des Menſchen zu ſeiner Bekehrung und Seligkeit. Und die Calviniſten
ſchließen aus der Thatſache, daß Gott allein den Menſchen bekehrt und ſelig macht,
die Particularität der Gnade. Beide erſchleichen ihre falſchen Lehren durch rationali⸗
ſtiſches Schließen. Iſt aber die Methode und das Prineip, welches die arminianiſchen
und calviniſtiſchen Presbyterianer gleicherweiſe in Anwendung bringen, richtig, ſo
haben im Grunde beide Parteien recht, die Calviniſten mit ihrem Ja und die Armi⸗
nianer mit ihrem Nein. Und die calviniſtiſchen Presbyterianer haben keinen Grund,
warum ſie nicht die arminianiſchen Presbyterianer anerkennen ſollten. Was ſie ſelber
thun, dürfen ſie an andern nicht verdammen. Wären wir Miſſourier, wie die Ohioer
behaupten, rationaliſtiſche Calviniſten, ſo würden wir keinen Augenblick zögern,
mit unſern ſynergiſtiſchen oder arminianiſchen Gegnern Glaubensgemeinſchaft zu
ſchließen. Im Princip wären wir dann ja mit ihnen einig und nur in etlichen
menſchlichen Schlußfolgerungen würden wir von ihnen abweichen. Nur dann hat
eine Kirche Recht und Pflicht, darauf zu beſtehen, daß ihre Lehre voll und ganz an⸗
erkannt und daß ihr durch Unionismus kein Jota vergeben werde, wenn ſie alle ihre
Lehren gründet nicht auf Schlußfolgerungen, ſondern einzig und allein auf das
klare Wort Gottes. Nur dann, wenn er für jede Lehre ein klares Gotteswort hat,
kann der Chriſt gewiß ſein, daß ſeine Lehre göttliche Wahrheit iſt, die er um keinen
Preis unioniſtiſch verleugnen darf. Eine Lehre aber, die durch bloße Schlußfolge⸗
rung gewonnen iſt, ermangelt des göttlichen Charakters und ſie verpflichtet auch
nicht das Gewiſſen. Im Gewiſſen haftet und vermag ſich nur zu behaupten eine
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