Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 50, Nummer 4 › Seite 147

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1904, Seite 147

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Gnade 3 · Synoden

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Schriftbeweis für die lutheriſche Lehre vom heiligen Abendmahl. 147

dich nicht wiederum in das knechtiſche Joch der Menſchenſatzungen gefangen
nehmen! Nicht bloß mit einem gewiſſen Patriotismus ſollſt du deine Kirche
anerkennen und lieben, wie jeder die Kirche, welcher er ſeine Heilserkenntniß
verdankt, ſondern mit dem Bewußtſein, daß in ihr dein Gewiſſen nicht durch
Menſchenſatzungen, ſondern lediglich durch das Evangelium gebunden iſt.“
(Jahrg. 52, S. 77.)

Es iſt daher wichtig, gerade auch in unſerer Zeit, da man immer wieder
einem ſogenannten undogmatiſchen, praktiſchen Chriſtenthum das Wort redet
und alle chriſtlichen Heilslehren verflüchtigt, daß wir uns immer wieder dar—
auf beſinnen, daß unſere Lehre wirklich nichts anderes iſt als einfache Ausſage
der Schrift, nicht menſchliche Speculationen über dieſe Schriftausſagen, ſon⸗
dern eben dieſe Schriftausſagen ſelbſt. Das ſoll jetzt bei der Lehre vom
heiligen Abendmahl gethan werden. Wir wollen den Schriftbeweis für unſere
lutheriſche Lehre vom Abendmahl führen. Wir wollen nachweiſen, daß dieſe
Lehre unſerer Kirche wirklich klare Ausſage der Schrift iſt, daß auch bei
dieſer Lehre unſere Kirche nichts vom Worte Gottes abthut, aber auch ihm
nichts hinzufügt. Es wird dies wohl am beſten alſo geſchehen, daß wir zu—
nächſt achten auf die Lehre unſerer Kirche vom Weſen des Abendmahls und
ſodann auf die Lehre unſerer Kirche vom Nutzen desſelben.

Was lehrt unſere Kirche vom heiligen Abendmahl, ſpeciell von ſeinem
Weſen? Es iſt uns das ja allen wohl bekannt, und es genügt daher, mit
wenigen Worten darauf hinzuweiſen. Unſer Bekenntniß ſagt: „Wir gläu⸗
ben, lehren und bekennen, daß im heiligen Abendmahl der Leib und Blut
Chriſti wahrhaftig und weſentlich gegenwärtig ſei, mit Brod und Wein
wahrhaftig ausgetheilt und empfangen werde.“ „Wir gläuben, lehren und
bekennen, daß die Wort des Teſtaments Chriſti nicht anders zu verſtehen
ſeien, denn wie ſie nach dem Buchſtaben lauten, alſo daß nicht das Brod den
abweſenden Leib Chriſti und der Wein das abweſende Blut Chriſti bedeute,
ſondern daß es wahrhaftig, um ſacramentlicher Einigkeit willen, der Leib
und Blut Chriſti ſei.“ Ferner: „Wir gläuben, lehren und bekennen, daß
der Leib und Blut Chriſti nicht allein geiſtlich durch den Glauben, ſondern
auch mündlich, doch nicht auf capernaitiſche, ſondern übernatürliche, himm—
liſche Weiſe, um der ſacramentlichen Vereinigung willen, mit dem Brod und
Wein empfangen werde.“ (Concordienformel, Epitome, Art. VIII. Müller,
S. 539 f.)

Unſere Kirche lehrt alſo im Weſentlichen dieſes, daß im Abendmahl
Chriſti Leib und Blut, und zwar ſein wahrer natürlicher Leib und ſein wah⸗
res natürliches Blut, wirklich und wahrhaftig gegenwärtig ſei. Sie lehrt,
daß dieſer Leib und dieſes Blut zugleich mit dem Brod und Wein ausge⸗
theilt und empfangen, gegeſſen und getrunken wird, und zwar von allen, die
zum Sacrament gehen, auch von den Unwürdigen. Sie lehrt, daß wir den

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