Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 50, Nummer 4 › Seite 187

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1904, Seite 187

145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192

Scan: Internet Archive (lehre-und-wehre_1904-04_50_4)

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Glaube · Glaube 20 · Gnade 3

⤓ Download .txt · copy text

Kirchlich-Zeitgeſchichtliches. 187

eigneten Schritte in dieſer Richtung zu thun!“ Hierzu bemerkt der „Freimund“:
„Es haben ſeiner Zeit viele, die ſich für den Zuſammenſchluß ausſprachen, auch eine
Reihe bayeriſcher Diöceſanſynoden, Vorbehalte aufgeſtellt, unter denen ſie dem ge⸗
planten Kirchenausſchuß zuſtimmten. Nachdem derſelbe nunmehr in die Wege ge⸗
leitet iſt, darf man wohl fragen, was aus dieſen Vorbehalten geworden iſt? Ein
von vielen Seiten, auch von Pfarrvereinen geäußerter Vorbehalt richtete ſich gegen
die oberkirchenräthliche Spitze des Kirchenausſchuſſes. Nun iſt aber der neue Ober⸗
kirchenrathspräſident gewählt worden, der in Hannover ein ſtrammes kirchliches Re⸗
giment führte. Weiterhin erklärte man ſich gegen Berlin als den Sitz des Kirchen—
ausſchuſſes. Nachdem der gewählte Vorſitzende ſeinen amtlichen Sitz in Berlin hat,
ſo iſt mit aller Wahrſcheinlichkeit zu erwarten, daß die ferneren Tagungen nicht in
Dresden, ſondern in Berlin abgehalten werden. Ferner wurden Garantien ver⸗
langt für die ungeſchmälerte Aufrechterhaltung des lutheriſchen Bekenntnißſtandes.
Inſonderheit ſollte das kirchliche Recht der von der Landeskirche getrennten Luthera—
ner in Preußen anerkannt werden. Die aus lutheriſchen Landeskirchen in Preußen
ſich Anſiedelnden ſollten nicht von der Union in Beſchlag genommen werden dürfen.
Ueber alle dieſe Vorbehalte iſt ſtillſchweigend hinweggegangen worden, und die ſie
aufgeſtellt, fügen ſich ebenſo ſtillſchweigend dieſer Thatſache.“ Den zweiten Para⸗
graphen des Jeſuitengeſetzes hat inzwiſchen der Bundesrath, ohne auch nur den
Kirchenausſchuß zu hören, aufgehoben. F. B.
Abendmahlswein. Auf eine Bitte des Guttemplerordens um Verwendung von
ſogenanntem „alkoholfreiem Wein“ als Surrogat für wirklichen Wein bei der Aus⸗
theilung des heiligen Abendmahls an die Ordensmitglieder hat der Oberkirchenrath
in Mecklenburg⸗Schwerin in einem Erlaſſe an die Paſtoren verfügt, daß ſolchem An⸗
trage nicht zu entſprechen ſei. Die Gewährung desſelben würde einerſeits den Mit⸗
gliedern dieſes Ordens eine unberechtigte Sonderſtellung in der chriſtlichen Gemeinde
einräumen und eine Anerkennung ſeiner nicht einwandfreien, extremen Stellung zu
der „Alkoholfrage“ von Seiten der Kirche in ſich ſchließen, andererſeits eine un⸗
erlaubte Abweichung von der für die Kirche unbedingt verbindlichen Stiftung und
Einſetzung des HErrn bedeuten. Die heilige Schrift verſtehe unter „Wein“ durch⸗
weg gegorenen, alſo auch alkoholhaltigen Traubenſaft, der ſogenannte „alkoholfreie
Wein“ der Guttempler aber verdiene dieſen Namen im Sinne der Bibel nicht mehr,
mag er auch eine aus Weinbeeren gewonnene Flüſſigkeit ſein. Uebrigens ſei auch
gegen die Gleichſtellung des Weingenuſſes im heiligen Abendmahle mit ſonſtigem
Alkoholgenuſſe nachdrücklich zu proteſtiren. (A. E. L. K.)
Den „Evangeliſchen Bund“, der ſeit der Aufhebung des Jeſuitengeſetzes eine
reiche Ernte (in einer einzigen Stadt bis zu hundert Mitgliedern an einem Tage) ein⸗
heimſt, bezeichnete vor Kurzem P. Droß im Namen des Berliner Pfarrervereins als
„des deutſchen Proteſtantismus wachendes Auge, pochendes Herz und bewehrte Hand“,
den Gott „in der Noth der Zeit“ als „den Wächter auf die Zinne“ gerufen habe. Was
für Geſellen aber in dieſem Bunde das große Wort führen, geht aus der „E. K. Z.“
hervor, welche alſo ſchreibt: „Wer ſind nun die Wortführer im Evangeliſchen Bunde?
Da iſt das öfficiöſe Organ, die „Deutſch-evangeliſche Correſpondenz“, die wir ſchon
wiederholt gekennzeichnet haben. Ein Hauptredner iſt der Zwickauer Superinten⸗
dent Dr. Meyer, der ſich ſogar berufen fühlte, bei der letzten Generalverſammlung
des Evangeliſchen Bundes eine Allocution an das ganze deutſche Volk zu richten; er
iſt ein Vertreter der modernen Theologie. Eine maßgebende Stellung im Bunde
nimmt auch der Graf Paul Hoensbroech ein, jetzt Herausgeber der liberalen Monats⸗
ſchrift Deutſchland“, ein Mann, der ſich auch ſchon der Socialdemokratie als Helfer
im Kampf gegen das „Muckerthum“ angeboten hat. Dieſes hervorragende Mitglied

English translation

Not yet translated.