Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 50, Nummer 4 › Seite 162
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1904, Seite 162
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Bibel. —Altes Teſtament 4 · Glaube · Glaube 20 · Gnade 3 · Synoden
162 Die neuere Pentateuchkritik.
vierten Könige Hadad geſagt, daß er „die Midianiter ſchlug auf der Moabiter
Felde“. Das ſcheint nicht etwa ein nachmoſaiſches, ſondern viel eher ein
vormoſaiſches Ereigniß geweſen zu ſein. Denn zu Moſis Zeit war zwar
Midian noch im Bunde mit Moab und wohnte in ſeiner Nähe, Num. 22, 4. 7.;
bald aber lagerte Iſrael „auf der Moabiter Gefilde“, Num. 31, 12., wohnte
nach der Eroberung Canaans immer in der Nähe, und ſpäter, in der Königs⸗
zeit, wurde dieſes Gefilde ſogar iſraelitiſches Gebiet, ſo daß es damals kaum
ein Kampfplatz zwiſchen Midianitern und Edomitern ſein konnte, wie denn
auch die Midianiter nach Gideons Zeit aus der Geſchichte verſchwinden.
Deshalb wird auch der 1 Kön. 11, 14. als Zeitgenoſſe Salomos erwähnte
Edomiter Hadad nicht der hier, Gen. 36, 35., genannte Hadad ſein, wie die
Kritiker annehmen; denn Hadad hier war auch Wahlkönig, während Salo⸗
mos Zeitgenoſſe Königsſohn war („von königlichem Samen“, 1 Kön. 11, 14.,
vgl. auch V. 17.), und es iſt gar nicht geſagt, daß er wirklich König wurde,
ſondern er war wahrſcheinlich nur Kronprätendent. Auch war dieſer letztere
Hadad ſicher nicht einer, derj König war, „ehe denn die Kinder Iſrael Könige
hatten“, Gen. 36, 31., ſondern lebte viel ſpäter, war ja Salomos Zeit⸗
genoſſe. Daß Herrſcher, zumal ſolche, die zeitlich weit aus einander lebten,
doch dieſelben Namen tragen, iſt ja bekannt genug.
Das bisher Dargelegte macht es mindeſtens wahrſcheinlich, daß einige
der genannten acht Könige Edoms vor Moſes lebten. Wir gehen nun einen
Schritt weiter und ſagen: Alle acht können, ja, werden vormoſaiſch ſein.
Iſt es nicht auffallend, daß an unſerer Stelle von dem achten und letzten
König nicht bloß ſeine Stadt und etwa ſein Vater, wie bei ſeinen Vorgängern,
genannt wird, ſondern auch ſeine Frau, ſeine Schwiegermutter und deren
Vater und Mutter namhaft gemacht werden, Gen. 36, 39.? Und iſt es
nicht ferner auffallend, daß, während von allen ſeinen Vorgängern geſagt
wird, daß ſie ſtarben, bei ihm dieſe Angabe fehlt und es erſt in der ſpät
geſchriebenen Chronika, 1 Chron. 1, 51., heißt: „Da aber Hadad (offenbar
ein Fehler der Abſchreiber ſtatt Hadar) ſtarb“? Dieſe auffallende That⸗
ſache erklärt ſich genügend nur daraus, daß Hadar zur Zeit, als unſer Ver⸗
zeichniß geſchrieben wurde, noch am Leben und auf dem Throne war. Er
war alſo wahrſcheinlich gerade der König Edoms, mit dem Moſes über den
Durchzug der Iſraeliten durch ſein Land unterhandelte, Num. 20, 14. ff.
Und daß dieſe acht Könige in die vormoſaiſche Zeit fallen, iſt auch chrono—
logiſch ſehr wohl möglich, und der Einwand der Kritiker, daß der Zeit—
raum zwiſchen Eſau und Moſes nicht ausreiche für das Anwachſen der Familie
zu einem Volke und für das Regieren von acht Königen, iſt nicht ſtichhaltig.
Denn vom Tode Jakobs — Eſaus Todesjahr iſt unbekannt — bis zum Aus⸗
zug aus Egypten ſind weit über 400 Jahre, Gen. 15, 13. Ex. 12, 40.,
und bis auf die Zeit, da Moſes die Geſandtſchaft an den Edomiterkönig
ſandte, über 450 Jahre. Setzen wir nun für die acht Könige auch nur
200 Jahre an, was gewiß, zumal bei einem Wahlkönigthum, reichlich ge⸗
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