# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1904_S163 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Die neuere Pentateuchkritik. 163 rechnet iſt, da ja nach unſerer Annahme der achte, Hadar, zur Zeit Moſis noch lebte, ſo bleiben über 250 Jahre übrig für das Anwachſen der ſchon vor Iſaaks Tod in Seir wohnenden Familie Eſaus zu einem Volk und für die andern in unſerm Texteapitel aufgeführten edomitiſchen Geſchlechter, auf die wir hier nicht weiter eingehen können.“) Aber noch Eine Schwierigkeit iſt zu löſen. Ganz deutlich ſteht doch da: „Ehe denn die Kinder Iſrael Könige hatten.“ Was ſoll dieſe Bemerkung hier? Laſſen ſich dieſe Worte wirklich anders verſtehen, als ſo, daß das Königthum in Iſrael bereits aufgekommen war? Allerdings, wenn wir den Zuſammenhang genauer betrachten. Sie ſind geredet vom Stand— punkte der Königs verheißung aus. Wird doch gerade im vorhergehen— den Capitel berichtet, daß Gott zu Jakob ſprach: „Ich bin der allmächtige Gott, ſei fruchtbar und mehre dich; Völker und Völkerhaufen ſollen von dir kommen, und Könige ſollen aus deinen Lenden kommen“, Gen. 35, 11., woran ſich dann gleich die Genealogien Jakobs und Eſaus ſchließen. Ja, ſchon dem Abraham war verheißen: es „ſollen auch Könige von dir kommen“, und aus Sarah ſollen „Völker werden und Köni ge über viel Völker“, Gen. 17, 6. 16., und Deut. 17, 14. ff. weiſſagt Moſes, daß Iſrael, wenn es nach Canaan gekommen ſein und im Lande wohnen werde, ſagen würde: „Ich will einen König über mich ſetzen, wie alle Völker um mich her haben“, weshalb er dann gleich das ſogenannte Königs— geſetz gibt. Im Hinblick auf dieſe Königs weiſſagung drücken die Worte unſerer Stelle nur den Gedanken aus, daß Edom früher ein Königreich ge— worden iſt als Iſratl. Der Königsgedanke lag der moſaiſchen Zeit nach den vorangegangenen Weiſſagungen ganz gewiß nicht fern, wie darum auch Franz Delitzſch in früheren Jahren treffend zu unſerer Stelle bemerkte: „Daß Iſrael ein Reich von Königen ſeines Geſchlechts zu werden beſtimmt ſei, war eine auf das Zeitalter Moſes vererbte Hoffnung, welche zu nähren der egyptiſche Aufenthalt ſehr geeignet war.“ 2) Ja, ſelbſt ein ſo entſchiedener Gegner der moſaiſchen Abfaſſung des Pentateuchs wie König, der auch unſere Stelle beſtimmt als ein Postmosaicum bezeichnet, macht doch das Zugeſtändniß: „Wenn das ſicher wäre, . . . daß dem Abraham und Jakob Könige als Nachkommen verheißen worden ſeien, Gen. 17, 6. 16. 35, 11., dann könnte auch Gen. 36, 31. von Königen Iſraels vor deren Exiſtenz geredet worden ſein.“?) Warum iſt das aber nicht ſicher, da es doch die eben angeführten Stellen klar und beſtimmt ausſagen? Die Worte Königs ſind bezeichnend: Der Inhalt dieſer klaren, beſtimmten Ausſagen „muß nach Richt. 8, 23. 1 Sam. 8, 6—8. 10, 19. — Streben nach einem Könige iſt Abfall von Jahwe, gleich der Anbetung des goldenen Kalbes — als eine 1) Vgl. zu dieſem Punkte beſonders Hengſtenbergs gründliche Unterſuchungen in ſeiner „Authentie des Pentateuchs“, II, 202 ff. 273 ff. 2 „Die Geneſis“, S. 348. 3) Einleitung, S. 160 f.