Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 9 › Seite 270

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — September 1856, Seite 270

257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription AI-corrected against the scan

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gnadenwahlslehrſtreit. —— 33 · Unzucht

⤓ Download .txt · copy text

270 Ob jemand die Schwester seiner verstorbenen Frau heirathen dürfe?

Ehe mit derselben ausschließt, mag nun derselbe noch leben, oder gestorben
sein und sie als Wittwe hinterlassen haben: so schließt auch das Gesetz, des
Weibes Schwester nicht zu nehmen, die Ehe mit derselben gänzlich aus, mag
nun das Weib noch leben oder gestorben sein. Denn was für einen Grund
könnte man doch dafür angeben, daß die übrigen Verbote allgemeine seien,
d. i. daß sie nicht bloß auf die Fälle gehen, da die Personen noch am Leben
sind, durch welche man in die Bluts⸗ oder angeheirathete Verwandtschaft gekommen
ist, sondern auch auf die, da die dazwischen stehenden Personen nicht
mehr unter den Lebenden sind; daß dagegen aber das Verbot, des Weibes
Schwester zu nehmen, ein specielles sei und nur den Fall befasse, da das Weib
noch am Leben ist?

4. aus der allgemeinen Regel 3 Mos. 18, 6.: „niemand soll sich zu seiner
nächsten Blutsfreundin (wörtlich: zu seines Fleisches Fleisch) thun. Nun
werden ja Mann und Weib durch die Ehe Ein Fleisch, Genes. 2, 24., Matth.
19, 5. Also wird meines Weibes Schwester meines Fleisches Fleisch und demzufolge
soll ich mich der Ehe mit ihr enthalten. Bruder und Schwester und
demzufolge auch zwei Schwestern sind Ein Fleisch, Genes. 37, 27. Der Mann
also, der mit der einen Schwester Ein Fleisch geworden ist durch die eheliche
Verbindung, kann sich nicht mit der andern Schwester vermählen, die mit jener
Ein Fleisch war durch die nächste Blutsfreundschaft und Verwandtschaft des
Fleisches; —

5. aus dem Schluß auf das Höhere. Wenn der entferntere Grad verboten
ist, so muß viel mehr der nähere für verboten gehalten werden. Aber
nach göttlichem Recht ist es verboten, die Tochter von der verstorbenen Frauen
Schwester zu heirathen, wie anderswo gezeigt werden wird. Demnach ist es
viel mehr verboten, die Schwester der verstorbenen Frau zu nehmen. Die
Tochter von der verstorbenen Frauen Schwester ist mit mir verwandt im zweiten
Grad der ungeraden Linie, die Schwester meiner verstorbenen Frau aber
im ersten Grad der geraden Linie. Ist mir nun verboten, jene im entfernteren
Grad mir Verwandte zu heirathen, so viel mehr die, die mir näher verwandt
ist. Desgleichen darf man nicht nehmen das Weib des Onkels väterlicher
Seite, noch die Tochter des Stiefsohns oder der Stieftochter. Demnach
wird es viel weniger erlaubt sein, der Frauen Schwester zu nehmen, da die
Frau des Onkels väterlicher Seite im zweiten Grad der ungeraden Seitenlinie,
die Tochter des Stiefsohns im zweiten Grad der geraden Linie, die
Schwester des Weibes aber im ersten Grad der geraden Seitenlinie verwandt
ist; —

6. aus der Ungereimtheit der Folge. Ambrosius erinnert, daß man diejenigen
Ehen meiden solle, aus denen eine Verwirrung der Verwandtschaftsbenennungen
entsteht. Nun kann man aber nicht leugnen, daß aus der Ehe
mit zwei Schwestern hinter einander eine Verwirrung der Grade und Verwandtschaftsbenennungen
entstehe, denn ein und derselbe wird sein der Söhne
Vater und der Tante Mann und somit an des Onkels Statt; ein und dieselbe

English translation AI translation

⤓ Download .txt · copy text

270 Whether Someone May Marry the Sister of His Deceased Wife?

marriage with that same person, whether he be still living or be dead and have left her a widow: so also does the law forbidding one to take the wife's sister wholly exclude marriage with her, whether the wife be still living or dead. For what reason, indeed, could one give for the other prohibitions being general — that is, that they apply not merely to cases where the persons still living, through whom one came into the blood-kinship or kinship by marriage, are alive, but also to those where the intervening persons are no longer among the living — while, on the other hand, the prohibition against taking the wife's sister is a special one and covers only the case where the wife is still living?

4. from the general rule, Lev. 18:6: "none shall come near to his nearest of kin" (literally: to the flesh of his flesh) [to uncover their nakedness]. Now man and wife indeed become One Flesh through marriage, Gen. 2:24, Matt. 19:5. Therefore my wife's sister becomes the flesh of my flesh, and accordingly I must abstain from marriage with her. Brother and sister, and accordingly also two sisters, are One Flesh, Gen. 37:27. The man, then, who through the marriage union has become One Flesh with the one sister, cannot marry the other sister, who was One Flesh with her through nearest blood-kinship and kinship of the flesh; —

5. from the inference from the greater to the lesser. If the more distant degree is forbidden, then much more must the closer be held forbidden. But by divine law it is forbidden to marry the daughter of one's deceased wife's sister, as will be shown elsewhere. Accordingly it is much more forbidden to take the sister of one's deceased wife. The daughter of one's deceased wife's sister is related to me in the second degree of the collateral line, but the sister of my deceased wife in the first degree of the direct line. If, then, I am forbidden to marry one who is related to me in the more distant degree, much more one who is more closely related to me. Likewise one may not take the wife of one's paternal uncle, nor the daughter of one's stepson or stepdaughter. Accordingly it will be far less permitted to take the wife's sister, since the wife of the paternal uncle is related in the second degree of the collateral line, the daughter of the stepson in the second degree of the direct line, but the sister of the wife in the first degree of the collateral line; —

6. from the absurdity of the consequence. Ambrose reminds us that one should avoid those marriages from which a confusion of kinship-designations arises. Now one cannot deny that from marriage with two sisters in succession a confusion of degrees and kinship-designations arises, for one and the same man would be both the father of the children and the husband of their aunt, and thus stand in the uncle's place; one and the same