Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 9 › Seite 269

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — September 1856, Seite 269

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gnadenwahlslehrſtreit. —— 33 · Unzucht

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Ob jemand die Schwester seiner verstorbenen Frau heirathen dürfe? 269

Weibes Schwester nicht nehmen.“ Was von dem Zusatz: „weil sie noch lebet,“
zu halten sei, wird hernach gezeigt werden. In jenem ganzen Capitel ist keine
Verwilligung enthalten, sondern eitel Verbote, zu welchen auch eben das gehört,
daß man die Schwester seines Weibes nicht heirathen soll;

2. aus dem aufgestellten Satz, daß 3 Mos. 18. zufolge der Allgemeinheit
des Verbotes V. 6., der Gleichheit des Verhältnisses, der Ungereimtheit, die
aus dem Gegentheil folgen würde, und des Ansehens der Alten, die sich für
unsere Meinung aussprechen, nicht bloß die namentlich aufgeführten Personen,
sondern auch die entsprechenden Grade verboten sind. Nun ist es nicht erlaubt,
das Weib des verstorbenen Bruders zu heirathen, 3 Mos. 18, 16.; also
auch nicht die Schwester des verstorbenen Weibes, da sie in demselben Grad,
nämlich in der geraden Linie in der angeheiratheten Verwandtschaft stehen.

Man wendet ein, es sei hier ein ungleiches Verhältniß. a. Dem Weibe
wird nicht erlaubt, zwei Brüder nach einander zu heirathen, wegen der Vermengung
verwandter Samen in ein und demselben Subject und somit wegen
Blutschande, dem Manne aber ist es erlaubt, zwei Schwestern nach einander
zu nehmen, da in verschiedenen Personen die Samen nicht vermengt werden.
— Antwort. Das Verbot der Grade hängt nicht ab von der Vermengung
der Samen, sonst könnte jemand die Mutter und Tochter nach einander heirathen,
was ausdrücklich verboten wird, sondern von der nahen Verwandtschaft
des Fleisches, welche bei dem Weibe des Bruders und bei der Schwester
des Weibes ganz dasselbe ist. Steht es demnach dem Weibe nicht frei, den
Bruder ihres verstorbenen Mannes zu heirathen, wegen der zu nahen Verwandtschaft,
so wird es auch dem Manne nicht erlaubt sein, die Schwester
seiner verstorbenen Frau zu nehmen, wegen derselben Nähe der Verwandtschaft.
Wenn jemand seines Bruders Weib nimmt, das ist eine schändliche
That, 3 Mos. 20, 21. Also: wenn eine ihrer Schwester Mann nimmt, das
ist auch eine schändliche That. —

b. Dem Verbot, des Bruders Weib zu nehmen, wird ein von der nahen
Verwandtschaft des Fleisches hergenommener Grund beigefügt: „denn sie ist
deines Bruders Scham;“ dem Verbote aber, des Weibes Schwester zu nehmen,
ein Grund von dem daraus fließenden Uebelstand: „ihr zuwider.“ — Antwort.
Der erstere Grund findet auch statt in dem letzteren Fall, deshalb
wird er bei dem Verbot, des Weibes Schwester zu nehmen, nicht wiederholt,
sondern ein anderer hinzugefügt, der in der Ehe mit der Schwester des noch
lebenden Weibes stattfindet, welcher aber den ersteren nicht ausschließt noch
aufhebt; —

3. aus der Regel, daß, wie die Bluts⸗, so auch die einmal geschlossene
angeheirathete Verwandtschaft unverrückt feststeht, und nicht durch den Tod
dessen, durch den sie geschlossen worden ist, aufgehoben oder vernichtet wird, da
sie zu der Classe derjenigen Wirkungen gehört, die, auch wenn die Ursachen
hinweg sind, doch noch fortdauern, wie ein Gebäude, wenn gleich der Baumeister
gestorben ist. Wie nun das Gesetz, des Bruders Weib nicht zu nehmen, die

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Whether Someone May Marry the Sister of His Deceased Wife? 269

take thy wife's sister." What is to be made of the addition, "so long as she liveth," will be shown afterward. In that whole chapter there is no permission contained, but pure prohibitions only, to which belongs also this, that one may not marry the sister of one's wife;

2. from the position laid down, that, according to Lev. 18, by reason of the generality of the prohibition in v. 6, the equality of the relationship, the absurdity that would follow from the contrary, and the authority of the ancients, who declare themselves for our opinion, not only the persons expressly named, but also the corresponding degrees are forbidden. Now it is not permitted to marry the wife of one's deceased brother, Lev. 18:16; therefore also not the sister of one's deceased wife, since they stand in the same degree, namely in the direct line of relationship by marriage.

It is objected that here the relationship is unequal. a) The wife is not permitted to marry two brothers in succession, on account of the mingling of related seed in one and the same subject and thus on account of incest; but the husband is permitted to take two sisters in succession, since in different persons the seed is not mingled. — Answer. The prohibition of degrees does not depend on the mingling of seed, otherwise one could marry mother and daughter in succession, which is expressly forbidden, but on the close kinship of the flesh, which is exactly the same in the case of the brother's wife and the wife's sister. If, then, it is not free to the wife to marry the brother of her deceased husband, on account of too close a kinship, so it will likewise not be permitted to the husband to take the sister of his deceased wife, on account of the same closeness of kinship. If someone takes his brother's wife, that is a shameful deed, Lev. 20:21. So too: if a woman takes her sister's husband, that is likewise a shameful deed. —

b) To the prohibition of taking the brother's wife is added a reason drawn from the close kinship of the flesh: "for she is thy brother's nakedness"; but to the prohibition of taking the wife's sister, a reason drawn from the resulting evil: "to vex her." — Answer. The former reason applies also in the latter case, and is therefore not repeated in the prohibition against taking the wife's sister, but another is added, one that applies to marriage with the sister while the wife is still living, which, however, does not exclude or abolish the former; —

3. from the rule that, as blood kinship, so also kinship once contracted by marriage stands fixed and unremoved, and is not abolished or annulled by the death of the person through whom it was contracted, since it belongs to that class of effects which continue even when their causes are gone, like a building, even though its builder has died. As, then, the law forbidding one to take the brother's wife, the