Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 9 › Seite 284

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — September 1856, Seite 284

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gnadenwahlslehrſtreit. —— 33

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284 Vermischte kirchliche Nachrichten.

besitzen durften, sind nun schon an manchen Orten Kirchen mit Thurm und Glocken entstanden.

Die Lutheraner innerhalb der Union. Die Evangelische Kirchen-Zeitung schreibt: „In Preußen ist bei vorkommenden Gelegenheiten der Grundsatz ausgesprochen worden, Männer von streng confessioneller Richtung dürfen nicht zu gewissen Stellungen zugelassen werden, weil sie die Gemüther der Jugend der Union entfremden könnten.“

Baptisten-Martyrium. Ein Baptistenprediger ist von dem Gerichtshofe in Aurich zu drei Monaten Arbeitshausstrafe verurtheilt worden, weil er in einer Predigt gesagt hatte: „Die Taufe und die Confirmation seien Werke des Teufels und Elemente des Satans.“ — Was wird's nun wieder für ein Lamentiren unter den Herrn Baptisten wegen der schweren Leiden geben, die sie um Christi willen erdulden müßten! — So eben lesen wir die Bemerkung Dr. Hengstenberg's im diesjährigen Vorwort zur Evangelischen Kirchen-Zeitung: „— — Es bleiben nur einige vereinzelte Fälle von angeblicher Verfolgung der Baptisten übrig, bei denen sich bei näherer Untersuchung meist herausstellen wird, daß der eigentliche Quell der Intoleranz bei dieser Secte selbst zu suchen ist, daß das Einschreiten durch ihre anmaßenden Eingriffe hervorgerufen wurde. Ist ja doch auch im Auslande die Intoleranz nicht selten auf einer ganz anderen Seite, als welche derselben bezüchtigt wird. Wenn ein Colporteur auf der Treppe einer der Kathedralen Belgiens die aus der Kirche Kommenden haranguirt und unter sie Traktate vertheilt, so hat er die Schläge, die er dafür erhält, provocirt und der Quell der Intoleranz ist bei ihm zu suchen. Wir erfahren, daß leider auch in Frankreich solche Provocationen auf evangelischer Seite nicht ungewöhnlich sind.“

Bunsen's „Zeichen der Zeit.“ Bei Gelegenheit eines neuesten Machwerk eines vormals, auch in Amerika (von Dr. Schaff im „Kirchenfreund“), als Bahnbrechers einer neuen Kirchenära gerühmten Mannes schreibt die „Evangelische Kirchen-Zeitung“ u. A. Folgendes: „Wer die älteren Schriften vom Geh. Rath Bunsen, namentlich seine „„Zukunft der Kirche““ näher kennt, dem könnte es keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß die soliden Fundamente bei ihm fehlten, daß er also zu der großen Anzahl der „„Zeitlinge““ gehörte, deren Weiterentwick'lung von Zufälligkeiten abhängig ist.“ Die „Zeichen der Zeit“ sind „zwei Bände, angefüllt mit dem Ostwinde bloßer Phrasen, mit Worten da nichts hinter ist, mit Odem und Eitlem, zwei Bände, in denen nichts bewiesen ist und aus denen nichts gelernt werden kann, ein Werk, welches vom Standpuncte der Wissenschaft aus betrachtet ebenso nichtig sich darstellt, wie von dem des Glaubens.“ Hierauf weist Recensent nach, daß das Buch, wie der „Hippolytus,“ nichts anderes, als nackten Pantheismus gepredigt; von den darin vorkommenden Angriffen auf die lutherische Kirche sagt er, daß dieselben „dieser nur in hohem Grade ehrenvoll sein können.“ Bunsen sagt u. A.: „Das lutheranische (!) Kirchenthum ist das kleinlichste und unfruchtbarste Kirchenthum in der Geschichte.“

„Die Darmstädter Allgemeine Kirchenzeitung — so schreibt Hengstenberg — hat jetzt ein christliches Programm aufgestellt. Von dem rechtschaffenen Wesen in Christo aber ist wenig darin zu spüren. Man sieht überall im Hintergrunde den alten Rationalisten stehen, der sich zu biegen und zu schmiegen weiß, aber nimmer sich zum völligen Sterben hingeben will. Manchmal wünscht man einen Röhr und Genossen zurück. Da wußte man doch, mit wem man zu thun hatte und durfte hoffen, daß aus einem Saulus ein Paulus werden würde, während die lauen Mietlinge, die uns jetzt so vielfach begegnen, menschlich betrachtet, wenig Hoffnung darbieten, obgleich dem Herrn ja kein Ding unmöglich ist.“

Dr. Ebrard in Rheinbaiern erklärte (nach dem Berichte Hengstenbergs) kürzlich, daß er sich im Amte und Predigerberuf mit freiem gutem Gewissen den Schranken füge, welche die gesetzlichen Bestimmungen der Pfälzer Union dem Hervortreten confessioneller Differenzpunkte ziehen. „Nur darum,“ schreibt er, „vermag ich das Brod dieser Kirche zu essen. Es versteht sich aber, daß ich hiemit meine subjectiv-theologische“ (in der Abendmahlslehre streng reformirte) „Privatüberzeugung nicht verkauft habe und daß mir das Recht unbenommen ist, in wissenschaftlichen theologischen Schriften dieselbe geltend zu machen.“ Hengstenberg bemerkt hierzu: „Das will uns nicht in den Sinn, daß an die Stelle des: „„ich glaube, darum rede ich,““ des Psalmisten und des Apostels, nunmehr, wenn auch auf einem beschränkten Gebiete, das: ich esse Brod, darum rede ich, oder schweige ich, treten soll. Die durch den Rationalismus hervorgerufene, weitverbreitete und tiefgewurzelte Meinung der Welt, daß der Prediger auf der Kanzel anders rede als er im Herzen denke, möchte leicht dadurch neuen Vorschub erhalten. Je mehr in früherer Zeit in der That geheuchelt worden ist, so daß die Kirche (?) diese Meinung gar sehr verschuldet hat, desto gefährlicher ist es jetzt, noch solchen Grundsatz aufzustellen. Den Unterschied esoterischer und exoterischer Lehre, hat die Kirche stets verworfen, eingedenk des Wortes des Herrn: „„Was ich euch sage in das Ohr, das prediget auf den Dächern.“““

Hengstenberg schreibt selbst von sich in dem Vorworte zu Jahrgang 1856: „Man hat dem Herausgeber der Evangelischen Kirchen Zeitung vielfach vorgeworfen, daß er sich in

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284 Miscellaneous Church News.

...were permitted to possess, churches with towers and bells have already arisen in a number of places.

The Lutherans within the Union. The Evangelische Kirchen-Zeitung writes: "In Prussia, on occasions that have arisen, the principle has been stated that men of a strictly confessional bent may not be admitted to certain positions, because they might estrange the minds of the young from the union."

Baptist Martyrdom. A Baptist preacher has been sentenced by the court at Aurich to three months in the workhouse, because he had said in a sermon: "Baptism and confirmation are works of the devil and elements of Satan." — What lamenting will there now again be among the Baptist gentlemen over the grievous sufferings they must supposedly endure for Christ's sake! — We have just now read the remark of Dr. Hengstenberg in this year's preface to the Evangelische Kirchen-Zeitung: "— — There remain only a few isolated cases of alleged persecution of the Baptists, in which closer investigation will mostly show that the actual source of the intolerance is to be sought in this sect itself, and that the intervention was called forth by their own presumptuous encroachments. Indeed, even abroad, intolerance is not seldom found on quite a different side from that which is accused of it. When a colporteur harangues those coming out of the church on the steps of one of the cathedrals of Belgium and distributes tracts among them, then he has provoked the blows he receives for it, and the source of the intolerance is to be sought in him. We learn that, unfortunately, such provocations on the evangelical side are not uncommon in France either."

Bunsen's "Signs of the Times." On the occasion of the latest piece of hackwork by a man formerly celebrated — even in America (by Dr. Schaff in the "Kirchenfreund") — as a pathbreaker of a new church era, the "Evangelische Kirchen-Zeitung" writes, among other things, the following: "Whoever knows more closely the earlier writings of Privy Councillor Bunsen, especially his "Future of the Church," could not for a moment doubt that solid foundations were lacking in him, and that he thus belonged to the great number of "creatures of the moment," whose further development depends on mere accident." The "Signs of the Times" are "two volumes filled with the east wind of mere phrases, with words behind which there is nothing, with empty breath and vanity — two volumes in which nothing is proven and from which nothing can be learned, a work which, viewed from the standpoint of scholarship, proves just as worthless as it does from that of faith." The reviewer goes on to show that the book, like the "Hippolytus," preached nothing other than naked pantheism; of the attacks on the Lutheran Church occurring in it, he says that they "can only be, for it, in the highest degree honorable." Bunsen says, among other things: "Lutheran (!) churchdom is the pettiest and most barren churchdom in history."

"The Darmstadt Allgemeine Kirchenzeitung," so writes Hengstenberg, "has now set up a Christian program. But little of the upright nature that is in Christ is to be sensed in it. One sees everywhere in the background the old rationalist standing, who knows how to bend and to accommodate himself, but who will never give himself over to a complete dying. Sometimes one wishes a Röhr and his fellows back again. Then, at least, one knew with whom one had to deal, and might hope that a Saul would become a Paul, whereas the lukewarm hirelings who now so often confront us offer, humanly considered, little hope — although, indeed, nothing is impossible with the Lord."

Dr. Ebrard in the Rhenish Palatinate (Bavaria) recently declared (according to Hengstenberg's report) that in his office and preaching calling he submits, with a free and good conscience, to the limits which the legal provisions of the Palatine union draw around the coming forward of confessional points of difference. "Only for this reason," he writes, "am I able to eat this Church's bread. It is understood, however, that I have not thereby sold my subjective-theological" (strictly Reformed on the doctrine of the Supper) "private conviction, and that the right remains unimpaired to me to assert the same in scholarly theological writings." Hengstenberg remarks on this: "It does not sit well with us that, in place of the: 'I believe, therefore I speak,' of the psalmist and of the apostle, there should now step, even if only within a limited sphere, the: I eat bread, therefore I speak, or I keep silent. The opinion, widespread and deeply rooted, called forth by rationalism, that the preacher in the pulpit speaks otherwise than he thinks in his heart, might easily gain new encouragement through this. The more hypocrisy has, in fact, been practiced in earlier times, so that the Church (?) bears no small share of guilt for this opinion, the more dangerous it is now to set up such a principle anew. The distinction between esoteric and exoteric doctrine the Church has always rejected, mindful of the word of the Lord: 'What I tell you in the ear, that preach upon the housetops.'"

Hengstenberg himself writes of himself in the preface to the 1856 volume: "It has often been reproached against the editor of the Evangelische Kirchen-Zeitung, that he has