Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 7 › Seite 222

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juli 1855, Seite 222

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222 Todesanzeigen.

b. Wenn über Einen ein böses Gerücht geht.

So schreibt J. Ludw. Hartmann:

„Wir sagen, daß kein Verdacht hinreichend ist, einen Menschen gänzlich vom heil. Abendmahl abzuweisen; wir reden aber von einem verdächtigen Menschen, den man auch fleißig geprüft hat, aber die That beharrlich leugnet. Denn nicht immer ist Einer des Verbrechens schuldig, dessen er durch ein Gerücht beschuldigt wird. Sodann ist es eine irrige Voraussetzung, daß ein klares und ausdrückliches Bekenntniß aller einzelnen Sünden, insonderheit derjenigen, welcher Jemand durch ein Gerücht oder einen starken Verdacht angeklagt wird, nöthig sei, wovon sich in der heil. Schrift kein Gebot findet. Auch ist nicht weniger jene Voraussetzung falsch, daß derjenige über seine begangenen Sünden nicht wahrhaft Leid trage, der dieselben nicht ausdrücklich vor dem Beichtvater bekennt. Es stehen überdies andere Mittel zu Gebote, einen eines Verbrechens verdächtigen Menschen zur Erkenntniß desselben zu führen. Man muß nehmlich eine Untersuchung anstellen, ob er sich z. E. des Ehebruchs ꝛc. schuldig erkennt, und ihn ermahnen, daß er sich wohl hüten möge, Sünde mit Sünde zu häufen. Daher schreibt der sel. Dr. Höpfner in seiner Isag. coen. part. 1. p. 358: „„Wo nur Verdachtsgründe da sind und die eines fundamentalen Irrthums oder einer bösen That Verdächtigen dieses nicht insonderheit bekennen wollen, sondern im Allgemeinen anerkennen, daß sie elende Sünder sind, so sind dieselben nicht von dem Gebrauch des Abendmahls zu suspendiren. Denn wenn sie entweder nicht von freien Stücken oder auch nicht auf vorgängige Ermahnung des Beichtvaters eine solche Sünde insonderheit bekennen wollen und doch bei der Bitte um die Absolution beharren, so sind sie nach ihren Worten zu urtheilen und ihrem Gewissen zu überlassen.““ Daher hier das Urtheil Luthers gilt: Wenn jemand kommt, um zu beichten, und eines Verbrechens verdächtig ist, so muß ich (wenn ich als Beichtvater handle) den Umständen gemäß darnach forschen. Wenn er aber leugnet, soll ich sein Nein höher achten, als meinen Verdacht und wenn er darauf besteht, zum Abendmahl zugelassen zu werden, bin ich schuldig, ihm dasselbe zu reichen.“

(Pastorale evangelicum p. 791.)

Todesanzeigen.

Am 1. Februar d. J. ging Claus Harms zu seiner Ruhe ein. „Am Abend des letzten Januars war er vollkommen gesund und heiter; er unterhielt sich wie gewöhnlich und scherzte, wie er zu thun pflegte. Als er sich zur Ruhe begeben wollte, ließ er sich das Gellert’sche Glaubenslied:

So hoff ich denn mit festem Muth
Auf Gottes Gnad und Christi Blut,
Ich hoff ein ewig Leben.

vorlesen, und bemerkte dabei, dies wäre der letzte Gesang, den die Pastorin

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222 Obituaries.

b. When an evil rumor is circulating about someone.

J. Ludw. Hartmann writes:

“We say that no suspicion is sufficient to exclude a person entirely from Holy Communion; but we are speaking of a suspected person who has also been diligently examined, yet persistently denies the deed. For a person is not always guilty of the crime of which rumor accuses him. Furthermore, it is an erroneous assumption that a clear and explicit confession of every individual sin is necessary, especially of the sin of which someone is accused by rumor or strong suspicion; no command to this effect is found in Holy Scripture. No less false is the assumption that a person does not truly repent of the sins he has committed unless he explicitly confesses them before his confessor. Moreover, other means are available for bringing a person suspected of a crime to acknowledge it. An inquiry must be made as to whether, for example, he recognizes himself as guilty of adultery, etc., and he must be admonished to take great care not to heap sin upon sin. Thus the late Dr. Höpfner writes in his Isag. coen. part 1, p. 358: ‘Where there are only grounds for suspicion, and those suspected of a fundamental error or an evil deed are unwilling to confess it specifically, but acknowledge in general that they are wretched sinners, they are not to be suspended from participation in Communion. For if they are unwilling to confess such a sin specifically, either voluntarily or after prior admonition by the confessor, and yet persist in requesting absolution, they are to be judged according to their words and left to their conscience.’ Thus Luther’s judgment applies here: If someone comes to confess and is suspected of a crime, then I must, when acting as confessor, inquire into it as circumstances require. But if he denies it, I must esteem his ‘No’ more highly than my suspicion; and if he insists on being admitted to Communion, I am obligated to give it to him.”

(Pastorale evangelicum, p. 791.)

Obituaries.

On February 1 of this year, Claus Harms entered into his rest. “On the evening of the last day of January he was in perfect health and cheerful; he conversed as usual and joked, as was his custom. When he was about to retire, he had Gellert’s hymn of faith read aloud to him:

Thus, then, with steadfast courage I hope
In God’s grace and Christ’s blood;
I hope for eternal life.

and remarked that this would be the last hymn that the pastor’s wife