Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 7 › Seite 215

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juli 1855, Seite 215

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Auch ein Fuchs. 215

wir früher selbst, zu einseitig auf den Buchstaben sehend, der Calvinistischen Lehre eine zu große Bedeutung beigelegt haben. Es handelt sich zwischen Reformirter und Lutherischer Kirche nicht um eine bloße Lehre, es handelt sich um ein Stück Leben, und auch aus Liebe zur Reformirten Kirche muß die Lutherische Kirche hier treulich das Pfand bewahren, was ihr vom Herrn anvertraut worden. Die Andacht zum heiligen Sacramente, welche die Reformirte Kirche bewahrt, verdankt sie zum großen Theile nur ihrer Anlehnung an die Lutherische.

Wir scheuen uns nicht vor dem Ausspruche: „So wie jemand wagt diesem Gegensatze zwischen Betonung des Sonderbekenntnisses und Union eine absolute Bedeutung beizulegen, so verleugnet er damit den gemeinsamen Glauben an Christum, den einigen Seligmacher thatsächlich in seiner absoluten Bedeutung.“ So gering man auch die Differenzen anschlagen mag, es ist jedenfalls etwas Großes auch um die Treue im Kleinen. Wer im Kleinen nicht treu ist, ist auch im Großen nicht treu, und „wer eins von diesen kleinsten Geboten auflöset und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich.“ Auch die Abweichungen des Reiches der Zehnstämme betrafen nicht das eigentliche Fundament und doch führten sie seinen Untergang herbei, weil sie wider besseres Wissen eingeführt und gehegt wurden und dem Gewissen ein Brandmal beibrachten.

Es wäre ein Unglück für die Kirche, wenn in ihr die Richtung zur Herrschaft gelangte, welche darauf ausgeht confessionell entschiedenen Charakteren den Zugang zu einflußreichen Stellungen in ihr zu versperren. Die Folge würde sein, daß farblose Eklektiker, matte und halbe Leute das Ruder in ihr führten. „Den Geist dämpfet nicht.“ Das kann keinem Zweifel unterworfen sein, daß namentlich in der jüngeren Generation grade die kernhaftesten Persönlichkeiten von der confessionellen Ueberzeugung beseelt sind. Es geht hier wie in 1 Mos. 30, 42: „die Schwächlichen wurden Laban zu Theil und die Kräftigen (unter Gottes Segen) Jakob.“ Wo die Auswahl oft so klein ist, da ist es Verderbenbringend, wenn der Blick nicht ausschließlich auf die zum Amte eigentlich wesentlichen Eigenschaften gerichtet, wenn ängstlich nachgeforscht wird, ob die confessionelle Bestimmtheit nicht etwa einen Zoll breit über das von einer zufälligen Majorität beliebte Maaß hinausgeht.

(Für Lehre und Wehre.)

Auch ein Fuchs.

In No. 4 des laufenden Jahrgangs des „Lutherischen Heroldes“ findet sich ein „Eingesandt“, „Walther von der Fuchsweide“ überschrieben und „auch ein Lutheraner“ unterzeichnet. Der Herr Verfasser giebt sich als einen von den Füchsen, die in „Lehre und Wehre,“ Märzheft, Seite 91, beschrieben

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Another Fox. 215

we ourselves formerly attached too much importance to the Calvinistic doctrine by looking too one-sidedly at the letter. The issue between the Reformed and Lutheran Churches is not merely a doctrine; it concerns a part of life, and, out of love for the Reformed Church as well, the Lutheran Church must faithfully preserve here the pledge entrusted to it by the Lord. The devotion to the Holy Sacrament that the Reformed Church has retained is due in large part only to its reliance on the Lutheran Church.

We do not shrink from the assertion: “As soon as anyone ventures to attach absolute significance to this opposition between emphasis on the particular confession and union, he thereby in fact denies, in its absolute significance, the common faith in Christ, the sole Savior.” However little one may estimate the differences, faithfulness in small things is in any case also a great matter. Whoever is not faithful in small things is also not faithful in great things, and “whoever breaks one of these least commandments and teaches people so shall be called the least in the kingdom of heaven.” The deviations of the kingdom of the ten tribes likewise did not affect the actual foundation, and yet they brought about its downfall, because they were introduced and fostered against better knowledge and branded the conscience.

It would be a misfortune for the Church if the tendency that seeks to bar confessionally resolute individuals from access to influential positions within it were to gain control. The result would be that colorless eclectics, listless and half-hearted people, would take the helm in it. “Do not quench the Spirit.” There can be no doubt that, especially among the younger generation, precisely the most vigorous personalities are animated by confessional conviction. It is here as in Genesis 30:42: “the weak became Laban’s share and the strong (under God’s blessing) Jacob’s.” Where the selection is often so small, it is ruinous if attention is not directed exclusively to the qualities truly essential for the ministry, and if anxious inquiries are made as to whether confessional definiteness may perhaps exceed by an inch the measure preferred by a chance majority.

(For Lehre und Wehre.)

Another Fox.

In No. 4 of the current volume of the “Lutherischer Herold” there is a “submitted contribution” headed “Walther von der Fuchsweide” and signed “also a Lutheran.” The author presents himself as one of the foxes described in the March issue of “Lehre und Wehre,” page 91,