Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 205

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 205

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Sakrament recht und rein haben und glauben,
recht beten, Gottes Gebote halten ꝛc. ꝛc., wie
Gottlob wir bei uns haben, daß man kann ge—
wißlich ſchließen: Wohnnicht die rechte
Kirche hier wäre, ſo wäre der kei⸗
nes nicht hier; dar um mü ſſen auch

unter uns wahrhaftige Glieder

der Kirche und Heilige ſein.

Wie ſollte das Predigt- und Schlüſſelamt nicht
der Kirche zunächſt und unmittelbar gehören,
da ſie es iſt, welche die Prediger aus ihrem
Schoße erzeugt, da ſie die Hausfrau iſt, in de—
ren Gemeinſchaft und durch welche der Ehege—
mahl die künftigen Arbeiter heranzieht und be—
ſtellt, wie es denn im Werk vor Augen iſt, daß
die Kirche Macht hat, Kirchendiener zu ordini—
ren (d. h. nach der Sprache der ſym boliſchen
Bücher, einzuſetzen,“ wozu allerdings göttlicher
Befehl vorhanden iſt!) Artico. Smalc. p. 345.—
Der bekannte und gepredigte Chriſtus iſt der
Fels, darauf ſie gebaut iſt; Er, das weſentliche
Wort, hat Sich ſelbſt zuerſt den Voreltern im
Paradieſe und Seinen Jüngern mit menſchli—
them Munde gepredigt; Sein alſo verkündigtes
mündliches Wort konnte nicht anders behalten
werden auf Erden, als allein durch den Glau—
ben; 2 oder 3 ſolcher Gläubiger in Gemein—
ſchaft ſind bereits die Kirche; wenn ſie nun es
iſt, welche auf den Felſen Chriſti, auf Seine
Predigt von Sich und Sein Predigtamt gebaut
wird, auf das Amt, das von Chriſto des Be—
kenntniß führet, Artico. Sm. I. c., und ſie doch
die Macht hat dieſes Amt als öffentlichen Dienſt
am Wort weiter unter ſich aufzurichten, (vgl.
1. Moſ. 4, 26 fin.:) ſo iſt ja mit dem Glau⸗
ben, den Gläubigen, der Kirche — es bleibt
nichts Anders übrig — das Amt des Bekennt—
niſſes, der Schlüſſelgewalt geſetzt — wie ſollte
und könnte die Kirche Etwas fortführen, das ſie
ſelbſt nicht hätte! — welches daher auch im
Nothfall, ſo lange es nicht nach ſeiner ihm zu⸗
kommenden Verwirklichung durch eine taugliche
Perſon verwaltet wird, durch jedweden Laien
ausgerichtet werden kann, was ja unmöglich
Statt finden dürfte, wenn nicht das Amt prin-
cipaliter der Kirche gehörte, Artice. Sm. I. c.,
Der Gegner mag ſich drehen und winden, wie
er will; hier iſt er gefangen. Wenn das Amt
ſeiner Einſetzung nach auf immer in dem Evan—
gelio des Mundes Chriſti vorhanden iſt bei
jeder Gemeinde, die im Namen Jeſu
wahrhaftig verſammelt iſt, wie Grabau ganz
richtig ſagt Inform. Jahrg. 1. S. 75: ſo iſt
es doch nicht vorhanden toödt und unfruchtbar,
ſondern es wird zwar von Chriſto und nach Sei—
nem Befehl durch ordentlichen Beruf der Ge—
meinde in den Mund eines Lehrers gelegt,
aber überall, wohin ſolches Amt
nicht ereicht, können und ſollen Glie⸗
der der Kirche, ſoweit ſie hierzu fä⸗
hbig ſind und es nicht wider die
von Gott gewollte Einigkeit und
Ordnung läuft, um der Liebe Chri⸗
ſti willen vices eines Predigers
übernehmen. Grabau ſelbſt macht einen
Unterſchied am angeführten Orte zwiſchen Amt

— 20—

in abstracto und dem in concreto, welchen
er früher gegen den ſeligen Pſt. Löber in an⸗
derer Beziehung verhöhnte, ſ. 2. Synodalbrief
des erſtern S. 103., und der doch, bereits von
unſern alten Theologen adoptirt, ſ. Chr. Loe-
beri theologia positiva a. 1711. pag. 973,
den ganzen Streit zwiſchen ihm und uns, we⸗
nigſtens zum Theil auch nur, vermitteln könnte,
wenn ſein rechthaberiſches und verbittertes Ge—
müth es zulaſſen wollte. Das Amt in abstrac-

to, d. h. inſofern von ſeiner Verwaltung durch

eine hierzu tüchtige Perſon abſtrahirt wird, iſt
der Kirche gegeben; ſie hat aber Gottes Gebot,
es in concreto aufzurichten, und dieſes wird
nun nicht blos nomine Dei, was allerdings
das Formale hierbei iſt, ſondern auch zugleich
nomine ecclesiae verwaltet. Vergl. Chemnitii
barmon. p. 1748. Daher die Auguſtana ar-
tic. 5. und der pommerſche Katechismus ſammt
dem ſächſiſchen in ſchönſter Uebereinſtimmung
mit Gottes Wort und Luther's Lehre ſtehen. —
Die Apoſtel, Erſtlinge der Kirche Neuen Teſta—
mentes vom Alten Taſtament herüber, waren
auch zugleich, von Chriſto unmittelbar erwäh—
let, Erſtlinge des neuteſtamentlichen Amtes; im
mittelbaren Berufe tritt dieſes ähnlicher Weiſe
durch Wirkſamkeit des Geiſtes Chriſti heraus
als der innerſte Kreis aus dem Schoß der gan—
zen Gemeinde, die ja die Fortſetzung der Thä—
tigkeit ihres unſichtbar bei ihr ſeienden Meiſters
auf Erden iſt, gleichwie derſelbe leiblich in ihr
geboren ward und aufwuchs, und ohne ſie auch
die Apoſtel es nicht gegeben hat. Vgl. die bei—
den Schlußverſe des unvergleichlichen Luther—
ſchen Liedes: Nun freut euch, liebe Chriſten—
gemein ꝛc. ꝛc.

Mit dem göttlichen Gegebenſein der Gna—
denmittel war auch das Amt ihrer Verwaltung
und ihres Gebrauchs göttlich eingeſetzt worden,
und daſſelbe iſt überall da vorhanden und in
Wirkſamkeit, wo eine Verwaltung und ein Ge—
brauch von jenen ſtattſindet. Der Gott, der da
will, daß eine hrilige Ordnung Seine Gemein—
den ziere, will darum auch, daß dieſes Amt, da—
durch Chriſtus geiſtlich empfangen wird, über—
all, wo eine ſolche Gemeinde iſt, ſich in einem
der Ehre würdigen Presbyterate, nicht den Jah-
ren, ſondern der Lehrhaftigkeit nach, konzentrire,
zu keinem andern Zwecke, als damit die Heili—
gen ein vollkommener Mann werden, der da ſei
in der Maße des vollkommenen Alters Chriſti;
welche Biſchöfe vom Heiligen Geiſt durch die
Kirche ausgeſondert, deſignirt und geſetzt ſind,
mit der Regierung durch das Wort und dem
Haushalt der himmliſchen Familie betraut, Ar—
ticc. Sm. p. 346. init., alſo daß ſie um des
Berufs willen der Kirche nicht für
ihre eigne Perſon da ſind, ſondern als Chriſtus
und an Chriſti Statt, Apol. p. 150. Daſ⸗
ſelbe Subjekt, die Kirche, die ſie berufen, iſt nun
auch das Objekt ihrer Thätigkeit, inſonderheit
die Heerde, welche ihnen befohlen iſt, und nur,
wann Gottes Wort es ordnet und befiehlt, dür⸗
fen ſie vom Amte verſetzt oder entfernt werden.

Iſt doch Nichts entfernter von der wahren
Kirche, als eine ſchrankenloſe Willkühr und Un⸗

abhängigkeit der einzelnen Gemeinden im Kit⸗
chenregiment, Ordination, Liturgie, Zucht und
dergleichen Formen für die Freiheit, die das
Evangelium lehrt, auszugeben, wenn nur nicht
Gnade und Seligkeit damit zugleich erworben
werden ſoll. Nein, ſie erkennt das Gebot der
Liebe und der Einigkeit im Geiſt des Glaubend
durch das Band der Ordnang und des Frit⸗
dens als das königliche Geſetz, dem gemäß auch
ihr äußerlicher Eintritt in die Welt geſchehin
ſoll; es iſt die Idee, welche der Erſcheinunhs⸗
form der erſten Jahrhunderte, wie ja Hierony⸗
mus u. A. laut bezeugen, zum Grunde laß,!
dadurch das unſichtbare Weſen der Kirche zeit—
lich ſich offenbarte, die innerlich im Geiſt ihr!
gegebene Einheit auch äußerlich darzuſtellen und
dem Verbild der Lehre gemäß in einer chriſtlich⸗.
evaͤngeliſchen Verfaſſung zu bethätigen geſuct
ward. Aber die Kirche ihrem Weſen und Ulxt
ſprunge nach als ein ſichtbares Inſtitut und
das Aut daher als einen unmittelbar von Chrih
der Kirche nur zu ihrem Nutzen beigegebenei
und über derſelben ſiehenden Stand geradezu ö
im Gegenſatz mit Gottes Wort und Luthersn
Lehre zu behaupten, muß nothwendig zur Ver⸗
achtung des rechten geiſtlichen Reiches Chriſi
führen und ein anderes blos äußerlich-geſetzli⸗
ches anſtatt deſſelben unter dem Scheine geiſt⸗
licher Gewalt aufrichten, Artioe. Sm. p. 346.
Der Grundbegrifi des Evangeliums wird folge⸗
richtig damit untergraben, daß nicht zunächſ!!
die Kirche, das Amt, ſondern der Glaube, wel⸗
cher Chriſtum ergreift, ſelig mache; denn wenn!
der Glaube allein aus dem Predigtamt in con
ereto kommt, wie Grabau ſich nicht entblödel
ſcheinbar auseinander zu ſetzen, Inform. Iitg.
1. S. 73. ff. 76. (ogl. dagegen die Foru.
Conc. p. 805. §. 29:) ſo iſt die Selighz
nicht zunächſt an den Glauben des Worts, ſon⸗
dern an das Amt ſeiner thätigen Verwirklichung
nach gebunden, das von den Apoſteln her nicht
anders kann als per successionem orliniit
tium d. i. episcopalem ſich fortpflanzen, und
zu ſeiner nächſten Wirkung erſt die ſichtbare Kir—
che, dann die unſichtbare hat — (was freilic
ein Unding iſt, denn nur die unſichtbare kann
ſichtbar werden —), denn jene bildet dieſe, wil,
vor aller Welt von den Papiſten und Grabaui—
anern gelehrt wird, ganz gegen Apol. p. 143
s. Artice. Sm. p. 352 sq, welche den Glau⸗
ben und das Bekenntniß der Heiligen über ſol—
ches Amt ſetzen, wie ſelbſt ſchon ein Chrpſoſto⸗
mus bezeugte hom. 6. in Matth.: Wo der
wahre Glaube iſt, da iſt auch die Kirche; vo
aber jener nicht iſt, da iſt auch dieſe nicht. Ni
der Kirche iſt das Bekenntniß, das Amt des
Geiſtes geſetzt, (Form. Conc. I. e.,) mit
dem Bekenntniß des Geſetzes und Evangeli
die Schlüſſelgewalt, mit dieſer und zum Behuf
derſelben die Macht zu ordnen und den öffent
lichen Dienſt am Worte zu beſtellen, welchen
der H. Geiſt durch die Kirche, der er gegeben

iſt, thut.
(Fortſetzung folgt.)

English translation

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