Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 193

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 193

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Hagt); allein Alles umſonſt. Er opferte die Ei—
nigkeit der Gemeine, und ließ nicht nach, bis ſie
in zwei Haufen zu ſtehen kam. Und P. Gr.
lann bis Dato noch gutes Muths darüber ſein?
Uebrigens ſcheint ihm ſein Gewiſſen ein Ande—
res zu ſagen. Wozu wäre ihm ſonſt nöthig er⸗

ſchienen, daß er ſo vieler Entſtellungen ſich be⸗
diente, deren ſein „Bericht über die neue Rotte
zu Eden“ voll iſt? Wir ſtaunen über die unzäh⸗
ligen Entſtellungen u. falſchen Wendungen, die
darin vorkommen, um ſeine herriſche Treiberei
zu übertünchen. Er muß ſogar ſich falſcher
Accente bedienen, wie wir Seite 59. bei
Siegmaier's Geſchichte an dem Wörtlein er,
„weil er arm ſei,“ bemerken. So auch S.
62. ſchiebt er uns eine Meinung unter, die wir

nie gehabt haben, wenn er die Worte der Ab⸗

nge mittheilt und das Wort „andere“ ac⸗
centuirtz als hätten wir gemeint, wir wollten
damit von den „andern Angehörigen“ reden,
die nämlich ihm noch treu (2) geblieben wa—

ten. — Uebrigens muß der Leſer wiſſen, daß
wir, die vermeintlichen „Rottengeiſter,“ es
nicht allein ſind, die ſolches Zeugniß über Paſt.
Grabau's ſogenannten Bericht ablegen, ſendern
viele in ſeiner eigenen Gemeine zu Buffalo ge⸗

den dem „Synodalbrief,“ den trefflichen Na⸗
men: „Lügen buch;“ denn nicht wenige wiſ—

fen nur zu wohl, wie es mit unſerer und An⸗
derer Angelegenheit ſteht. Möchten nur ſolche

Glieder zu Buffalo, denen bereits die Augen

aufgehen, auch thun, was ſie zu thun ſchuldig

ſind! Einzelne zwar haben es gethan, und ſind
darob von ihrem „treugeſinnten Paſtor“ (2) in
den Bann gethan worden; unter ihnen ein alter
Rauer und anerkannt gottſeliger Mann,
welcher auf die hetzlichſte, aber auch dringendfte
Weiſe ſeinen Hirten gebeten hatte, daß er von
frinen ſchrecklichen Wüthereien und Unredlich—
kiten abſtehen möchte. Wem ſollte da nicht
das Wort des Herrn einfallen: „Sehet euch
für, für den falſchen Propheten, die
in Schaafskleidern zu euch kommen,
inwendig aber ſind ſie reißende

Wölfe. An ihren Früchten ſollt ihr

ſie erkeunen. (Matth. 7, 15. 16.) Fer⸗

nerer Ausſchließungsgrund,

VII. Weil ſie ſich im Auguſt (1848)
auch willkührlich von ihrem ord⸗
entlich berufenen Schullehrer los-—
ſagten und ihn abſetzten.“
Antwort: Folgerichtig mußten wir auch dem

„Schullehrer aufkündigen. Dieſer Menſch hat

als Pſt. Grabau's Zuträger ohnehin viel Un⸗

heil in unſerer Gemeine angerichtet. Außerdem
hat er ſonſt die Abſetzung verdient. Denn er
hat gegen Einen unter uns eine falſche

Klage gerichtlich anhängig gemacht, wozu

falſche Zengen gerufen und nicht blos ein fal⸗

ſcher Eid geſchworen wurde. Der Schulmeiſter
mußte aber mit Schanden vor Gericht abziehen.

——8.—

Wer ſolches leugnen oder bewieſen haben wollte,

dem ſtehen wir zu Dienſten. — Endlich der

VIII. Grund: „Weil ſie den Rotten⸗
prediger Bürger ſchon zu ſich ge⸗
holt und dadurch öffentlich ihr

Bebarren in Sünden erklärt

hatten.“

Unſere Antwort: Wir hatten den ordentlich
berufenen Paſtor Bürger aus Buffalo zu uns
geholt und damit öffentlich erklärt, daß wir des
lautern, reinen Gottesworts und der hh. Sa—
cramente nicht entbehren wollten. Wir wollen
auch bei der rechten wahren Kirche verharren
bis an's Ende. Dazu uns Gott helfe! Amen.
iSo hätten wir denn der Kirche, der Wahr—
heit gemäß, über unſere Ausſchließung Rechen⸗
ſchaft gegeben. Ihr geben wir es anheim, zu
urtheilen, ob wir'noch ein Theil von ihr oder,
wie Hr. Pſt. Grabau ſagt, eine, Rotte“ ſind.
Das wir geredet haben, haben wir auch nur
um der Kirche willen geredet, nicht um Herrn
Pſt. Grabau's willen. Denn mit ihm wollen
wir, ſo lange er in ſeinem Weſen verharrt,
nichts zu ſchaffen haben. Auch was Hrn. Pa⸗
ſtor Grabau's Urtheil über dieſe unſere Ver—

theidigung ſein mag, da liegt uns ferner wenig

an. Wir und viele Andere mit uns kennen
ihn als einen Mann, der ſehr oft zu Entſtel⸗
lungen ſeine Zuflucht nimmtz deshalb mag es
ihm auch gefallen, nochmals wider uns zu
ſchreiben, wir werden ohne Noth keine Antwort
darauf geben.

Zuletzt müſſen wir noch einige harte Beſchul⸗
digungen zur Beantwortung vornehmen, welche
Pſt. Grabau in ſeinem Berichte gegen uns auf⸗
führt. Ferne ſei es von uns, behaupten zu
wollen, als hätten wir in den obſchwebenden
Streitigkeiten nach allen Stücken ohne Fehl ge⸗
handelt. Wir wiſſen es wohl, daß unſer alter
Menſch ſich oft dabei gezeigt hat. Aber eben
ſo wohl müſſen wir auch Pſt. Grabau beſchul⸗
digen, daß er vielfach die Veranlaſſung dazu
gegeben hatte. Den ganzen traurigen Hergang
hätte er verhüten können, wenn er das Wort
des Apoſtels beherzigt hätte: „Nicht als die
über's Volk herrſchen, ſondern wer⸗
det Fürbilde der Heerde.“ (I. Petri

S. 62. in der erſten Anmerkung fübrt Pſt.

Grabau von Zweien zwei Schimpfworte an,

„Lümmel“ uud „Flegel.“ — Wir rechtfertigen
fer entſchuldigen dieſe Ausdrücke nicht, kön⸗
nen aber nicht unterlaſſen, zu erzählen, wie es
gekommen, daß der erſte Ausdruck gebraucht
wurde. Der Mann, der ihn gebrauchte, wohnt
nicht mehr hier, ſondern in Wisconſin.
war einer der allerärmſten unter uns; ſo arm,
daß er von guten Nachbarsleuten öfters unter⸗
ſtützt wurde. Dieſex ſollte auch den Schilling
geben. (Wieder ein Beweis, daß die Armen
nicht ausgenommen ſein ſollten.) Bei einer

(ortſetzung folgt.)

*—

AR

Andere von uns während des Gottesdienſtes 3

Es

Verſammlung weigerte ſich Buckelwald (das iſt
ſein Name), den Schilling zu geben oder zu
unterſchreiben. Hernach ging Pſt. Grabau zu
ihm in's Haus und drang in ihn, den Schil⸗
ling zu unterſchreiben, wenn er ihn auch nicht!
geben könne; ja man verlange es gar nicht von
ihm, ſondern nur unterſchreiben ſolle er, damit
er Andern gutes Beiſpiel gäbe. Buckelwald
ließ ſich überreden und unterſchrieb. Bald n
nachher fiel ihm aber ein, daß ja Pſt. Grabau
bei der Verſammlung darauf beſtanden habe,
es ſollten den Schilling alle ohne Ausnahmt
geben. Dieſes zweideutige Weſen ging dem
Manne im Kopfe herum und er erzürnte ſich
gewaltig über die Unredlichkeit und Liſt des Pft.
Grabau, der ihn zum Unterſchreiben gedrungen.
hatte. Daher auch ſein heftiger ungezogener
Ausdruck. —
Das Wort „Flegel,“ von dem Jüngling ge⸗
braucht, kann uns nicht Allen zur Laſt gelegt
werden. Wir haben uns erkundet, ob dieſer 3
Ausdruck wirklich gebraucht wurde, können aber
keinen gewiſſen Grund erfahren. Wir ſtreiten
darüber nicht länger, ſondern wiederholen: Iſt—
ein ſolcher Ausdruck von dem beſagten Jüng⸗
ling gebraucht worden, ſo entſchuldigen wir ihn
nicht, ſondern erklären ihn für höchſt ungebühr⸗
lich und ſtrafbar.
S. 64,, in der zweiten Anmerkung, ſagt Pſt.
Grabau: „Keine Predigt konnte mehr vorgele⸗
ſen werden, wo ſie nicht während derſelben Sto⸗
rungen, nach derſelben Toben und Schimpfen
in der Kirche vollführten über die Ordnung und
den Paſtor.“ Mit dieſer Beſchuldigung will ö
Herr Paſtor Grabau gerechtfertigt ſein, daß er.
uns „wilde Böcke“ ſchalt. Wir müſſen aber
dieſe Beſchuldigungen von uns weiſen, denn 4
wir haben keinen Gottesdienſt geſtört. Auch
hat uns Herr Pſt. Grabau zu der Zeit, da er
uns „wilde Böcke“ ſchalt, beſagte Störungen
ꝛc. nicht vorgehalten; doch wohl, weil er es
nicht beweiſen konnte! ö
Aehnliches ſteht in einer zweiten Anmerkung
S. 69. Da ſollen wir „Unfug“ ſonderlich
dadurch getrieben haben, daß „Einer oder der

an die Thüre ſchlug“ Wir müſſen allerdings n
eingeſtehen, daß dieſe Beſchuldigung nicht ohne
Wahrheit iſt. Die Sache verhielt ſich aber ſo:

Herr Paſtor Grabau und ſeine Treuen hielien1
lange Zeit Gottesdienſt bei verſchloſſenen Thü-
ren und Fenſtern. Nur hinten durch die Woh⸗
nung des Schullehrers war es erlaubt hinein⸗
zugehen. Wir aber als ehrliche Leute wollten
zur Kirchthüre hineingehen, und da nun
dieſe verſchloſſen war, ſo klopften wir an und
baten ſomit um Einlaß. Es wurde uns leidtr
trotz unſers Anklopfens nicht aufgemacht. —
Mögen wir hierbei gefehlt haben, das Urtheil 3
über die Chriſtlichkeit ſolches Thürenverſchle⸗
ßens laſſen wir dem Leſer über. —

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