Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 210
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 210
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*
Die Paſtoren Grabau und Winkler
und die Gemeinde zu Cleveland.
(Schluß.)
„Hieraus,“ fährt Herr Paſtor Grabau fort,
„geht herver, 1. Daß kein Grund vorhanden
war, den Herrn Paſtor Schmint aus dem Amte
zu entfernen, ſondern ſeine Feinde drangen
auf Reſigniren; 2. Daß Hr. Sihler ohne Pſt.
Schmidt's Einwilligung es für Weisheit aus—
gab, einen andern Prediger kommen zu laſſen;
3. Daß Hr. Pſt. S. das Amt fortgeſetzt haben
würde, wenn er durch Sihler's unchriſtliches
Verhalten nicht entmuthigt worden wäre;
4. Daß viele Kirchkinder mit ſolcher Entfernung
d. H. P. S. nicht einverſtanden waren, ſondern nur
ſeine Feinde, die ihn verfolgten; 5. Daß Sih—
ler uur dem feindlichen Haufen geſchmeichelt
und nach deſſen Willen ſich gerichtet hat; 6. Daß
Hr. P. S. jetzt noch ſchuldig bleibt, ſein Amt,
worauf er unrichtiger Weiſe reſignirt hat, fort⸗
zuſetzen; 7. Daß der von Sihler eingedrungene
Prediger zu Cleveland keinen göttlichen Beruf
hat; 8. Daß derſelbe auch ein Rottenprediger
iſt, da er die unverſöhnten Feinde und Verfol⸗
ger d. H. P. S. mit dem Abendmahl bedient.“
Alſo, daß jene abſcheulichen Beſchuldigungen
in Nr. Znicht wahr ſind, das erfährt man,
das wird ſo auf ihre Art eingeſtanden; aber da⸗
bei mit keinem Wörtlein ein Bedauern kund ge⸗
geben, daß man den guten Namen des Nächſten
ſo ſchmählich herunter geriſſen hat. Wer ein
Chriſt ſein will, ſollte ſich doch nicht ſchämen,
abzubitten, ſelbſt wenn er einem offenbaren Bö⸗
ſewicht unrecht gethan hätte, zumal wenn er ſelbſt
bekennen muß, falſch Zeugniß geredet zu haben.
Oder hat man das etwa bei einer „Rotte“ nicht
nöthig, ſo wie man Ketzern kein Wort zu halten
braucht? Hier aber wird nicht allein nichts ab⸗
gebeten, ſondern auch der Widerruf beſonders
künſtlich in Worte geſtellt, damit ja bei dem arg⸗
loſen Leſer noch ſo viel als irgend möglich hän⸗
gen bleibt und ſelbſt auf der Retirade wird noch
rücklings hintenaus geſtochen. Man ſieht näm⸗
lich zuvörderſt nicht recht, wem die Worte gehö—
ren. Es ſtehen freilich wohl Anführungszeichen
da. Aber mit denen iſt es ſo eine Sache im In⸗
formatorium. Wer einmal in dieſe Falle gera⸗
then iſt, dem kann man's nicht verdenken, wenn
ihm beim Anblick dieſer Zeichen (“) etwa ſo
zu Muth wird, als wenn da angeſchlagen ſtün⸗
de „hier liegen Fußangeln!“ Nun iſt es wahr,
Fußangeln ſind ſonſt kein Grobſchmidt⸗Fabrikat,
aber die Buffaloer haben Proben geliefert, daß
ſie ſich auch auf ſolche feinere Arbeit verſtehen.
Es liegt nämlich auf der Hand, daß die an⸗
geführten Sätze nicht ipsissima verba Paſtor
Schmidt's ſind; wer kann nun aber wiſſen, wie
viel ihm, wie viel Pſt. Grabau gehört? Wa⸗
rum druckt man nicht die eigenen Worte und
*
+
Beilage
vollſtändig? Ferner: Paſt. Grabau ſagt in
Nro. 3., er habe jene Sachen durch Hrn. Pſt.
S. erfahren; Paſt. S. ſagt in Nro. 4. nein
dazu. Wer ſagt denn nun die Wahrheit? Wes⸗
halb wird nicht völlig klarer Wein eingeſchenkt?
heit? Pſt. S. will zu den gräulichen Unwahr⸗
heiten in Nro. 3. nicht Vater ſein. Pſt. G.
wird's am Ende wohl auch nicht ſein wollen.
Nun, das Kind muß avber doch einen Vater ha⸗
ben! Wer iſt's denn? Es wird wohl wieder
ſo ein lieber Berichterſtatter ſein, der weislich
im Buffaloer Rauchloch bleibt. Endlich, die
Worte mögen nun ſein, wes ſie wollen, wir
können's nicht helfen, auch Nro. 4. iſt voll von
Unwahrheiten, die der Leſer durch obige Ge—
ſchichtserzählung leichtlich herausfinden wird.
Was aber dem ganzen Werke die Krone auf—
ſetzt, das ſind die 8 Folgerungen, welche Herr
Pſt. G. macht. Daran erkennet man, daß wir
heer nicht etwa ein Machwerk eines Lehrlings,
ſondern wirklich eine Arbeit von dem berühm—
ten Meiſter ſelbſt vor uns haben. Er verſteht
die Kunſt, Schlüſſt zu machen, die auf Alles
paſſen. Dieſe Schlüſſe werden vor der Hand
fertig gemacht und haben unten einen elaſtiſchen
Raud. Nun mögen Thatſachen kommen, wel⸗
che da wollen, man ſtülpt ſie ihnen auf den
Kopf und ſiehe da — ſie paſſen! Das iſt ein
Meiſterſtück, das kann unſer einer nicht. —
Die 8 Folgerungen nämlich ließe man ſich ge⸗
fallen, wenn der Thatbeſtand in Cleveland et—
wa wirklich ſo wäre, wie in No. 3 angegeben
war. Nun aber räumt Pſt. G. ſelbſt ein, der
Thatbeſtand iſt nicht ſo; die Folgerungen aber
—bleiben doch ſtehen. Gerade als wenn Hans
erſt ſagte: du haſt geſtohlen; alſo biſt du ein Dieb.
Eine Weile nachher aber: Nein ich habe mich ge⸗
irrt, du haſt niiht geſtohlen, aber ein Dieb biſt du
doch. Ebenſo macht es Pſt. G. Zuerſt heiſt es,
ihr ſeid Aufrührer und Feinde des göltlichen
Worts, ihr habt aus Bosheit euren Paſtor ab⸗
geſetzt, verjagt, vertrieben ꝛc. ꝛc. alſo ſeid ihr eine
Rotte. Sodann: nein es iſt ein Irrthum, euer
Paſtor hat ſelbſt abgedankt ꝛe. Gut, alſo ſind wir
deshalb keine Rotte!—Wie? was? nein, das macht
alles nichts, ihr ſeid eine Rotte und bleibt eine
Rotte! Aber, wie ſo denn? Ich will's ſo haben,
Punctum! Ich muß doch etwas fürs Inform.
haben!
Das Ding wäre zum lachen, wenn es Kleinig⸗
keiten beträfe und wenn es nicht ſo abſcheulicher
Ernſt wäre. O! wie weit iſt es gekommen!
Zum Schluß fragen wir nun noch die Hrn.
Pſt. W. u. G.; dieſe Herrn, welche immer ſo viel
von unberufener Einmiſchung der Miſſouri Sy⸗
node zu reden haben, was für einen Beruf ſi e
denn eigentlich gehabt haben, ſich um die Cleve⸗
Warum berichtet Pſt. S. nicht die volle Wahr⸗
land Sache zu kümmern? Der Hr. Dr. Sihler
war von 3 Seiten, alſo von allen Betheiligten,
dringend um Hülfe gebeten. Wer hat die Buf⸗
faloer gerufen? die Gemeinde hatnichts mit ih⸗
nen zu thun, Hr. Pſt. Schmidt ſagt ſelbſt, ihm ge⸗.
falle Pſt. Winklers Einmiſchung gar nicht. So
hätten ſie füglich warten können, bis man ſie
fragte, der Leib wäre ihn nicht geborſten, wenn
nicht etwa von überflüſſiger Galle.
Doch das möchte noch ſein, wenn ſie ſich nun
nur erſt gehörig erkundigt hätten, ehe ſie in die
Welt hinein ſchrieben. Dieſe hochgerechten Rich⸗
ter, die es immer im Munde führen, man müſſe
beide Theile hören, wen haben denn ſie gehört'
Hr. Dr. Sihler, Pſt. Röbbelen und Steinbach
haben alle Partheien vor ſich gehabt, und es hat
ſich niemand beklagt, daß nicht lang und ſcharf
genug unterſucht ſei. Wen haben ſie verhört?
Den Hrn. Pſt. Schmidt? Nein, denn er ſagt
ſelbſt, er habe nicht antworten wollen, ja ſeit 14
Jahren ſeine Corrreſpondenz mit Pſt. G. u. W.
abgebrochen. Die Parthei, welche auf Seiten
Pſt. S. ſtand? Laß ſie diejenigen angeben. Die
Gegenparthei? und darauf wäre es doch auch
angekommen. Nein! Warum denn nicht? Ei,
das waren ja Rottirer. Woher wuſten ſie aber
das? Das verſtand ſich ganz von ſelbſt. Alſo
wen haben ſie gehört, bevor ſie ſchrieben? Den
allereinzigen, armen Berichterſtatter, wie Pſt. W.
ſelbſt geſteht, und mit dem muß es auch wohl ſo
bewandt ſein, daß man ihn nicht nennen mag.
Das nennt man alſo, beide Theile hören und
gerecht richten! Es iſt doch merkwürdig. Sie
verlangen von uns, wir ſollen beide Theile, alſo
in ſtreitigen Gemeinde⸗Sachen auch ihre Parthei
hören. Kommt nun aber jemand und biitet
um Einſicht in ihre Protokolle, ſo heißt es: du
biſt ein Rottirer und für Rottirer ſind unſre hei⸗
ligen Miniſterialacten nicht. Kommt ein an⸗
drer zur Unterſuchung, den ſie ſelbſt anerkannt
haben, und ſtellt ſich nicht gleich von vorn herein
auf ihre Seite, ſo wird Reißaus genommen und
nachher groß Geſchrei gemacht (wie Pſt. W.),
bietet man ihnen Zuſammenkünfte und Unter⸗
redungen an, ſo werden ſie aus dieſem und je⸗
nem Grunde abgelehnt und wenn das nicht
gehen will, ſo iſt die Antwort: erſt gebt uns
Recht, dann wollen wir mit euch reden und ſehen,
wer Recht hat (wie Pſt. G.) Und wenn ſie ſo al⸗
les Gehör verweigert haben und man urtheilt
nur nach Ausſage von Zeugen oder gar auf
Grund von Documenten, welche zum Theil von
ihren eigenen Händen geſchrieben ſind, ſoſf chreien
ſie Zeter, daß wir ſie nicht gehört haben. Sie
ſelbſt aber, wie wir hier ſehen, wenn ſie nur 0
einen Berichterſtatter auffinden können, ſo ſchrei⸗
ben ſie ohne weitere Erkundigung die allerer⸗
ſchrecklichſten Sachen friſchweg in die Welt hin⸗
aus. Es kommt ja nicht darguf an, es ſind ja
„Rotten.“
English translation
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