Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 182

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 182

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Solches Andere thun wollten, daſſelbe nicht
verhalten, ſondern ohne Scheu alsbald offenba⸗
ren; da auch Gott verhängen möchte (das er
doch gnädiglich abwenden wolle), daß Ihr Euch
ſelbſten durch Menſchen-Witz und⸗-Wahn von
ſolcher reinen Lehre und Erkenntniß Gottes ent—
weder zu den Papiſten, Calviniſten oder ande⸗
ren, obermeldeter reinen Confeſſion widrigen,
Secten abwenden würdet, ſolches vermöge Eu⸗
res geleiſteten Eides, ungeſcheuet anmelden und
fernere Verordnung und Reſolution erwarten
wollet. Und ſolches alles getreulich und ohne
alle Gefehrde.“ Hierauf mußte der zu Ordini⸗
rende antworten: „Alles was mir, N. N., an⸗
jetzo mit unterſchiedenen Worten und Puncten
vorgeleſen und vorgeſaget, von mir auch deut—
lich vernommen wurden, da will ich ſiet, feſt
und unverbrüchlich, auch getreulich halten: als
mir Gott helfe durch IEſum Chriſtum, ſeinen
Sohn, unſern HErrn.“ Siehe: Ternin's Un⸗
terricht, was ein Candidatus Miniſterii zu wiſ⸗
ſen nöthig hat. Anhang zum 5. Theil. S. 158.
159.

Im Königreich Sachſen müſſen alle zu Or⸗
dinirende noch dieſe Stunde folgenden Religi⸗
onseid leiſten: „Ich angelobe und ſchwoͤre: in
Anſehung der Religion bei der in hieſigen Lan⸗
den angenommenen reinen evangeliſchen Lehre
wie ſolche in der hl. Schrift enthalten, in der
ungeänderten Augsb. Conf. dargeſtellt und in
den übrigen ſymboliſchen Büchern der evange⸗
liſchen*) Kirche wiederholt iſt, feſt und ſtand—
haft zu verbleiben, ihr gemäß zu lehren, wider
Aufrechthaltung dieſer Lehre weder ins geheim
noch öffentlich etwas zu unternehmen, auch wenn
ich wahrnehme, daß Andere dieſes thun wollten,
es nicht zu verheimlichen, ſondern ſolches ſofort
meinen Vorgeſetzten zu melden, und dafern ich
mich in meinem Gewiſſen gedrungen fühlen
ſollte, von dem bei der ev. Kirche angenomme⸗
nen Lehrbegriffe bei meinen Lehrvorträgen ab⸗
zuweichen, oder mich zu einer andern mit dieſer
nicht vereinbarlichen Confeſſion zu bekennen,
ſolches ohne Anſtand vermoge des von mir ge—
leiſteten Eides bei meinen Vorgeſetzten anzuzei⸗
gen und darauf fernere Entfthließung zu er⸗
warten.“ (Siehe: Votum über die eidliche Ver⸗
pflichtung auf die kirchlichen Sombole von Dr.
Harleß. Leipzig, 1816. Seite 33. Hierin
ſchreibt Harleß u. A.: „Es kann zur Aufhe—
bung des Bekenntniſſes Niemand eine Voll⸗
macht aus der beſtehenden Kirche ſelbſt ableiten;
er muß zuerſt ſich ſeiner Mitglied⸗
ſchaft begeben, ehe er ein ſolches
Vorhaben in's Werk ſetzen kann.“
S. 17.

Wer kann und will uns nun Auf⸗
ſchluß geben? Erkennt das ev.-luth. Mi⸗
niſterium von Pennſylvanien wirklich „mit ev.⸗
luth. Kirche unſerer Väter,“ das heißt doch,
wie dieſe unſere Väter, ſämmtliche Symbole
unſerer Kirche an? Oder ſoll der Zuſatz: „h i⸗

*) Unter „eE vangeliſcher Kirche“ verſteht man in
Sachſen nicht dit unirte, ſondern die lutheriſche, welche die ·
en Namen urſprünglich getragen hat.

—181—

ſtoriſche confeſüuͤonelle Documente“ der Er—
klärung einen anderen Sinn geben?

Wir meinen, vor allen Herr Dr. Becker von
Philadelphia, gegenwärtig Präſident, oder Herr
Paſtor Mann, der die betreffenden Reſolutio⸗
nen formulirt und eingebracht hat, wären es
der Kirche ſchuldig, auf dieſe wohlgemeinte Fra—
ge zur Verantwortung bereit zu ſein.

Freimaurer.

Wie weit die geiſtliche Hurerei geht, welche
hier die Methodiſten und ſogar ſogenannte Lu⸗
theraner mit den Freimaurern, dieſer wider⸗
chriſtlichen Geſellſchaft, treiben, erſieht der gel.
Leſer aus dem folgenden Briefe, welchen ein
Prediger an Herrn Paſtor Anſtädt, Herausge⸗
ber des Kirchenboten, gerichtet. Es freut uns,
daß Herr Anſtädt ſeinen Abſcheu dagegen in der
Anmerkung zu erkennen gibt. „

** **
*

Lieber Bote!

Ich mache folgenden Auszug aus einem
Schreiben, das die Unterſchrift An Old Fel-
low'' hat, und im „Observer' vom 1. Juli
zu finden iſt:

„Eine lutheriſche Kirche in Staunton, Virgi⸗
nien, war längſt erwünſcht. Der Eckſtein wur⸗
de am 24. Juni gelegt. Die Ceremonien bei
dieſer Gelegenheit wurden von der Großen Frei⸗
maurer Loge von Virginien verrichtet, welche
ſich in Staunton verſammelt hatte, um einen
neuen Freimaurer Tempel einzuweihen. Vor⸗
mittags paradirten die Maurer und weihten ih—
ren Tempel. Lewis L. Stevenſon, Esq. von
Staunton, hielt eine Rede vor der Brüderſchaft
und einer großen Verſammlung von Damen
und Herren.

Um 2 Uhr verſammelten ſich die Maurer und
Andere in der Methodiſt-Episeopal Kirche, wo
die vorbereitenden Feierlichkeiten vor der Eck—
ſteinlegung ſtatt fanden. Ehrw. R. A. Fink,
ein Glied der Groß Loge, eröffnete die Verſamm—
lung mit Gebet. Ehrw. J. B. Davis, Pre⸗
diger der lutheriſchen Kirche zu Staunton, folgte
mit einer tüchtigen ud ſchicklichen Rede. —

Nach der Rede des Ehrw. Davis ermahnte
der Ehrw. A. Reeſe, Vorſtehender Aelteſter der
Methodiſten Kirche, auch ein Maurer, zu frei⸗
willigen Beiträgen; 3209 wurden beigetragen.

Von der Methodiſten Kirche giengen alle zum
lutheriſchen Kirchen Grunde. Der Groß-Ka⸗
plan fing dann am Eckſteine die Feierlichkeiten
mit Gebet an; dann folgten die Freimaurer
Ceremonien, die bei ſolchen Gelegenheiten ge⸗
bräuchlich ſind, die verſchiedenen Gegenſtände
wurden in den Stein gelegt, und der Stein
true aud trusty“ erklärt.

Die Feierlichkeiten vorbei, kehrten die Mau⸗
rer in ihren Tempel — und die Anweſen⸗
den in ihre Häuſer zurück. So weit genug.

Nun, lieber Bote, Du weißt, daß ich ein ein⸗
fältiger Landpfarrer bin, und vielleicht hinter
meiner Zeit bin. Vielleicht wunderſt Du Dich,
wann ich Dir ſage, daß mich dieſer Brief ſehr

erſtaunt hat, — ja, ſo ſehr, daß ich nach lan⸗
gem Schweigen wieder einmal an Dich ſchrei⸗
ben muß. Sage mir, ſeit wann legt man denn
auf dieſe Weiſe Eckſteine in der lutheriſchen Kir—
che? Ich habe ſchon oft geleſen und gehört, wie
man dieſelben in meinem Vaterlande und auch
hier legt — doch ſo etwas iſt mir noch nie
vorgekommen. Hör' einmal, ich habe ſchon oft
von tiner Amerikaniſch-Lutheriſchen Kirche
gehört, und daß man dort bei Dir in Gettys⸗
burg viel mehr davon wiſſe, als hier in L.
Run — iſt das vielleicht der Gebrauch unter
dieſen? Sei ſo gut und gib mir ein bischen
Licht! Ich möchte gar zu gerne wiſſen, wie

lange es Mode iſt, daß Freimaurer-Logen Eck⸗

ſteine von lutheriſchen Kirchen legen, Ich habe
einmal zwei Methodiſten-Prediger auf einer
Kanzel bei einer Freimaurer-Gelegenheit geſe⸗
hen, die uns arme Lutheraner hart angreifen,
weil wir manchmal noch den Chorrock tragen,
und denk' Dir's nur, die hatten weiße Hand⸗
ſchuh' und Maurer-Schürzchen an.

würden, ſie ſeien nicht nur Puſeyiten, ſondern
Katholiken, — wenn ſie mit dem ſchwarzen
Chorrock auf die Kanzel treten, die ſich aber
nichts, oder gar eine Ehre daraus machen,
als Maurer — mit Kelle und Fell auf der
Kanzel zu erſcheinen.

Frage einmal unter den gelehrten Leuten nach,

ob das wohl zum Cultus der amerikaniſch-lu⸗

theriſchen Kirche gehört.

Nichts für ungut.
Dein

Landpfarrer in L.

Anmerkung der Redaktion des
Kirchenboten. — Wir ſind nicht vermö⸗
gend, dem lieben Landpfarrer mehr Licht über

die obenbeſchriebene Eckſteinlegung zu geben.

Mit ihm können wir nur unſer Staunen, ja
ſogar unſern Ekel über dieſe Berhandlung aus⸗
ſprechen. Wir haben ſchon vielen Eckſteinle⸗
gungen beigewohnt, aber noch nie einem ſolchen
„Humbug“ an heiliger Stätte zuſehen müſſen.
Dieſe Praxris iſt unſers Erachtens weder ame⸗
rikaniſch lutheriſch, noch europäiſch lutheriſch;
es muß eine ganz neue „Maaßregel“ ſein, ge⸗
gen deren Einführung ſich ein jeder lutheriſcher
Prediger mit allen Kräften ſetzen ſollte.

Das herrlich erhörte Kindesgebet.

Ein 10jähriges Märchen, jüngſte Tochter ei⸗
ner ungläubigen und gegen ihre 3 Kinder har⸗
ten Mutter, hatte von der Liebe Jeſu des Sün⸗
derfreundes ſchon in der zarteſten Kindheit einen
tiefen Eindruck erhalten, und fühlte die innigſte
Gegenliebe zu Ihm. Am mächtigſten hatte der
theure Ausſpruch des Heilandes: „Wer mich
liebet, der wird von Meinem Va⸗
ter geliebetwerden, und Ich werde
ihn lieben und Mich ihm offenba⸗
ren,“ ihr Herz mächtig ergriffen, ſo daß ſie im⸗
merwährend darüber nachdachte und daran ſich
labte. Sie mußte aber eben darum vor ihren

Vielleicht
hat es auch Intheriſche Prediger, die meinen

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