Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 206
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 206
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ö
(Elngeſandt von Paſtor Fürbringer in Freiſtatt und Kirchzaln, Wlsc./
Geſchichtlich⸗theologiſcher Beitrag
zu vollſtändigerer Beurtheilung
der Streitigkeiten zwiſchen den
Grabauianern und den ſogenann⸗
ten Miſſouriern.
(Schluß.)
Dieſes Bekenntniß als fides, quae cre-
ditur, iſt aber unzertrennlich von ſeinem for—
malen Prinzip, dem geſchriebenen Worte der
Apoſtel und Propheten; beide durchdringen ſich
gegenſeitig, weil ohne Glauben (ſes, qua
creditur) das Wort nicht auf Erden ſich und
ſeine Kraft mittheilend iſt und ohne Bekennt⸗
niß der ſubjektive Glaube nicht gedacht werden
kann; und beide haben in dem weſentlichen
Worte, Chriſto, ihre Einheit. Setze ich nun
das Amt in concreto, entkleidet von ſeinem Zu⸗
ſammenhange mit der Kirche, mechaniſch und
äußerlich gegeben über dieſelbe: ſo iſt hiermit
das Amt der einzige richtige und rechtmäßige
Ausleger der Schrift, dieſe ohne jenes nicht
vernehmlich, und weil das Amt die Kirche macht,
das Schriftprinzip dem Zeugniſſe der Kirche
untergeordnet, und wenn einmal ſolche Feſſeln
einer unchriſtlichen Auktorität geſprengt werden,
einer verderblichen Subjektivität u. Meinungs⸗
verſchiedenheit der Einzelnen, dem Rationalis—
mus preisgegeben.
Welche erſchreckliche Folgerungen gehen aus
ſolcher romaniſtiſchen Lehre hervor! Welcher
Mißbrauch daher auch des Bannes muß noth—
wendig aus derſelben fließen! Es iſt kein Wun⸗
der, daß Grabau mit einem Feuer ohnegleichen,
das umein ſein muß, für die letztere eifert und
Alles daran ſetzt und wagt, wie Fanatiker thun,
ſelbſt auf die Gefahr hin, vor den Augen der
ganzen Kirche des Inlands, wie des Aus lands,
als ein dem Gegenſtande nicht gewachſener
Schriftſteller, ja ſeiner Sache völlig ungewiſſer
Lehrer zu gelten, uns wider ſein Gewiſſen mit
allerlei Ketzernamen überhäuft, als: Donati⸗
ſten, Synkretiſten, Pietiſteu ꝛc. ꝛc., die ihren
Grund nur in der ſchmachvollen Verdrehung der
Wahrheit bei ihm haben, uns lächerlicher Weiſe
bei ſeinen Gemeinden in den Verdacht Unirtge⸗
ſinnter bringt, um nur dieſe, welchen Union faſt
der lebendige Teufel ſelbſt iſt, bei ſich und zuſam—
men zu erhalten, gleichviel ob mit Lüge oder
nicht—das Alles, weil er wohl weiß, wird ihm
ſeine Lehre genommen, ſo ſieht die himmelſchrei⸗
ende Sünde ſeines ungerechten Bannes bloß und
entdecket da. Aus dieſer iſt er durch Betrug des
eignen Herzens in den dem Fleiſche angenehmen
Irrthum tiefer gerathen, und eben derſelbe hat
ihn wiederum in ſeinen Sünden, welche er da⸗
mit zu beſchönigen geſucht, hart und feſt gemacht
und immer mehr beſtärkt. —Wahrlich, er iſt dem
No. 13.
Beilage
Jahrg. 9.
...— —
Manne in jener Fabel zu vergleichen, der er⸗
zürnt über die Muſik, welche gewiſſe Thiere als
unſchuldige Gäſte in ſeinem Vorſaal angeſtimmt,
in der Finſterniß der Nacht hereinſpringt—
mit einem Prügel,
Schlägt um ſich, zerſtößt den Spiegel,
Wirft ein Dutzend Schaalen um,
Stolpert über einige Späne,
Stürzt im Fallen auf die Uhr,
Und zerbricht zwei Reihen Zähne —
Blinder Eifer ſchadet nur!
Warum kommt ſo viel darauf an, daß die
Lehre von Kirche und Amt rein lutheriſch behalten
werde? 1) Wenn die äußere ſichtbare Gemein⸗
ſchaft in Lehre und Leben ſich verdirbt, und ich
komme, noch in derſelben, zur Erkenntniß: ſo
habe ich von Gottes wegen nach abgelegtem und
nicht angenommenem Zeugniß von derſelben
wenigſtens dem Geiſte nach auszugehen und das
glaubensbrüderliche Verhältniß mit ihr aufzu—
heben. Bin ich nun darum auch kein Glied am
Leibe Chriſti mehr? Ei, gewiß bin ich noch ein
Glied, denn derſelbe iſt im eigentlichen Sinn
die unſichtbare Kirche aller Gläubigen. Falſche
Propheten machen es zum Gewiſſen, Glied der
ſichtbaren Kirche zu bleiben auch in ſolchem Fall,
und nennen das entgegengeſetzte Thun Dona⸗
tismus. (Vglch. die rechtgläubige Auslegung
von St. Matth. 23 und Aug.“ Conf. Art. 8.
bei J. Gerhard. harmon. p. 541. sd4.)
2) Wenn ich ungerechter Weiſe von der ſichtba⸗
ren Kirche ausgeſchloſſen und excommunicirt
werde, bin ich darum auch vom Leibe Chriſti
ab geſchnitten? Ei, gewiß nimmermehr; ich ſoll
mich tröſten der Gemeinſchaft der unſichtbaren
Kirche, außer welcher iſt kein Heil und keine Se⸗
ligkeit.—Und wenn ſolche arme Gebannte, von
dem Empfang der Gnadengüter, der Abſolution
und Kommunion, durch die Hand des ungerech—
ten Predigers zurückgeſtohen, für ſich zuſammen⸗
treten, haben dieſe denn da kein Predigtamt,
kein Wort und Sacrament, und müſſen ſie nun
ohne dieſelben bleiben ewiglich? Mit nichten.
Sie haben Fug und Recht und Befehl, bei Ver⸗
luſt ihrer Seligkeit, das Predigtamt bei ſich auf⸗
zurichten; und ſo ſie anders rechte Gläubige
ſind, ſo kann bti ihnen die heilige chriſtliche
Kirche ſichtbar werden durch reines Wort und
Sacrament, während dort in der verlaſſenen un⸗
gerechten Gemeinſchaft die Lehre nach und nach
um ſo mehr ſich verfälſcht. Denn die chriſtliche
Kirche iſt keine ſtumme Kirche, ſie thut ſich kund
durch rechtes reines Bekenntniß, und zeugt wi⸗
der das Verderben jener, welche die wahre, in⸗
wendige geiſtliche Gemeinſchaft an dem unſicht⸗
baren Haupte nur verachten, und mit dem äu⸗
ßerlichen Kirchenweſen Alles zudecken wollen.“
»Anm. Sollte man es für möglich halten, wenn man's
nicht ſelbſt vor Augen und vor den Ohren hätte, daß es ſo
des Lutheran
Grabau ſetzt alles Ernſtes außer der ſichtba⸗
ren wahren Kirche kein Heil und keine Selig⸗
keit. Da er nun ſeine Gemeinſchaft für dieſelbe
hält, ſo ſpricht er auch ganz folgerecht ab den
von ihm getrennten ſogenannten Notten die
Gemeinſchaft mit Chriſto. Abgeſehen davon,
daß er ganze Gemeinſchaften gebannt, was doch
ein Frevel iſt, der greulich und ſchrecklich zu nen⸗
nen, ſintemal es keine von Berufenen, die Got—
tes Wort nicht gar verwerfen, gibt, darunter
nicht Gläubige verborgen ſeien: ſo behauptet er
nun auch, daß bei denſeben keine Gewalt der
Schlüſſel und alſo auch kein Paſtorat vorhan⸗
den ſei, was wider alle geſunde Lehre ſtrettet,
man vergleiche nur außer einigen oben bereits
angeführten Stellen noch Gerhardi loce. th. V.
p. 278. VI. p. 93 8q.
Uns kann es an ſich gleich ſein, nachdem
wir ihn vermahnt, ob er uns für luthertſche
Prediger halte oder nicht, wenn uns Gottes
Wort und Seine Kirche dafür erkennt, wie⸗
wohl wir mit dem unglücklichen Manne in⸗
niges Bedauern hegen und das ſehnlichſe
Verlangen, mit ihm wiederum einig zu wer—
den. Er ſei doch aber ehrlich und leiſte auf
den Namen Lutheraner lieber Verzicht, als daß
er ſich länger damit quäle und abmühe, einen
Schleier über ſeine anti⸗evangeliſchen Tenden⸗
zen zu werfen. Vor Allem aber wünſchen wir
ihm und ſeinen Amtsgenoſſen von Herzen die
Buße, welche Gott gibt, die Wahrheit zu erken⸗
nen und wiederum nüchtern zu werden aus dem
Strick, von welchem ſie gefangen ſind. Er laſſe,
der barmherzige und treue Herr, ſie und uns
Alle dann bei Ihm verbleiben, in Seiner Gna⸗
de und Erkenntniß wachſen, und verleihe Be⸗
ſtändigkeit, daß wir Sein Wort und Sacrament
rein behalten bis an unſer Ende: ſo wollen wir
Ihm danken und Seinen Namen preiſen, und
anbetend ausrufen: Er hat Alles wohl gemacht,
gelobet ſei Sein heiliger Name ewiglich, Halle⸗
lujah, Amen!
Die Paſtoren Grabau und Winkler
und die Gemeinde zu Cleveland.
Die Clevelander Gemeinde iſt mehrmals Ge—
genſtand heftiger Angriffe von Seiten der HH.
weit mit der Irrthumelehre von der Sichtbarkeit der Kirche
gehen dürfe, daß unter ſolchen, die ſie hegen, der blinde Wahn
durchgängig ſich verbreitet, von einem Prediger, wenn er nur
im rechten Amte ſei, obſchon er mit der Lehre Mißbrauch trei⸗
be, dürfe doch, wer ſelig werden wolle, niemals weichen, es
ſei denn, daß ihn ſtin Kirchengericht, wo dit mündigen Ge⸗
meindeglieder arer nicht ſelbſt Sitz und Stimme haben, ver⸗
urtheilet; desgleichen der Bann, welchen das rechte Amt füh⸗
re, wenn er auch fehle, ſei doch von ſchädlichen Folgen für den
begleitet, welchen er treffe; ja Alles, was ein Prediger der
wahren ſichtbaren Kirche einrichte, wenn es nur nicht wider
Gottes Wort ſei, müſſe um des dritten und vierten Gebots
willen bei der Seelen Seligkeit gehalten werden, weil Chri⸗
ſius durch ihn rede, (vgl. dagegen Apol. p. 295 sq. ed.
German. nach Rechenberg S. 493 fö.—1)
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