Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 207
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 207
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Paſtoren Winkler und Grabau geweſen. Weil
man nun anderen Ortes etwas Näheres über
die Sache zu wiſſen wünſcht, ſo wollen wir in
folgendem kürzlich berichten, was ſich hier zuge⸗
tragen hat. .
Hr. Pſt. Schmidt hatte hier mehre Jahre und
zwar mit Segen gepredigt,
mancherlei Unzufriedenheit über ſeine Amtsfüh—
rung laut wurde und endlich jemand eine ehren—
rührige Sache von ihm behauptete, von der er
vorgab, Augenzeuge geweſen zu ſein. Wir wol—
len dabei gleich im voraus bemerken, daß ſich dieſes
böſe Gerücht nachher als eine muthwillige Ver—
leumdung herausgeſtellt hat. Als daßelbe noch
wenigen bekannt war, begaben ſich zwei Vorſte—
her zum Hrn. Pſt. Schmidt, erzählten ihm. was
ſie vernommen und gaben ihm als ihre Privat—
meinung anheim, ob es nicht unter dieſen Unt—
ſtänden das gerathenſte ſei, ſein Amt niederzule⸗
gen. Das war nun freilich der verkehrte Weg;
allein ſie meinten damals, daß das Gerücht noch
unterdrückt, und auf dieſe V
einer öffentlichen Unterſuchung vermieden wer—
den könne. Hr. Pſt. Schmidt, wohl gleichfalls
in der Abſicht, einer geachteten Familie eine
Kränkung zu erſparen, ging auf dieſen Vor—
Vorſchlag ein und ſetzte eine kurze Erklärung
auf, in welcher er ſein Amt niederlegte und wel⸗
als nach und nach
Leiſe das Äergerniß
Amtsführung habe zu Schulden kommen laſſen.
Es wurde das Unrecht nach allen Seiten ernſt—
lich geſtraft, erkannt, eingeſtanden, auch von
Hrn. Pſt. Schmidt nicht geläugnet.
ter werden ſolle. Hr. Pſt. Schmidt zog es vor,
bei dieſer Verhandlung nicht gegenwärtig zu ſein,
.4.
er darauf eingehen werde, wenn Rihn die Gemein⸗
auf's beſtimmteſte, er wünſche, nichet wieder ins
Aint geſetzt zu werden, würde auch eine etwaige
Zurückberufung ablehnen, und ſtellte, ſo viel
wir wiſſen, in Ausſicht, daß er einſtweilen mit
nach Fort Wayne reiſen und daſelbſt Hru. Dr.
ein anderes Amt berufen würde.
Alſo es fragte ſich, was nun zu thun ſei? Die
gegen Hrn. Pſt. Schmidt erwieſenen Sachen
waren zwar, wie geſagt, keineswegs lauter Klei—
nigkeiten, aber doch auch allerdings nicht der
Art, daß man ihn hätte des Amtes entſetzen müſ⸗
ſen, wenn er daſſelbe noch inne gehabt hätte,
oder daß ſie ihn unfähig gemacht hätten, daſſel⸗
be auf's neue zu überkommen. Dies wurde
zuvörderſt von allen erkannt, ausgeſprochen
und auch von denen, welche entſchieden gegen
che der Gemeinde Sonntags, d. 16. Februar, ihn geſtanden hatten, bereitwillig und unum—
1851, dorgeleſen wurde.
wollte den Grund wiſſen.
Allein die Gemeinde wunden zugeſtanden.
Nun ſandte Hr. Pſt. ſo wieder ins
Hr. Pſt. Schm. hätte al⸗
Amt geſetzt werden müſſen,
Schmidt eine fernere Erklärung ein, in der un— ö wenn er etwa ungerechter Weiſe abgeſetzt wor—
gefähr geſagt war, er wolle auf Begehren den den wäre, er hätte wieder eingeſetzt werden kön—
einzelnen mündlich weitere Auskunft geben, er rin en, wie die Sachen wirklich lagen, und er wäre
ſei aber überzeugt, daß es unter obwaltenden auch wohl ohne Zweifel wieder eingeſetztworden,
Umſtänden das beſte ſei, wenn ein anderer an!
ſeine Stelle komme, wozu er der Gemeinde Hru.
Pſt. Röbbelen vorſchlage. Dabei hatte er münd—
lich hinzugefügt, er habe auch ſchon Ausſicht auf
ein anderes Amt. Die Gemeinde ging auf die—
ſen Vorſchlag ein, Hr. Pſt. Röbbelen wurde ein⸗
ſtimmig berufen, lehnte aber den Ruf ab und
wies die Gemeinde wieder an Hrn. P. Schmidt.
Nun entſtanden Unruhen. Ein Theil verlang—
te, der Paſtor ſolle ſein Amt wieder aufnehmen,
cin anderer widerſetzte ſich dem, Hr. P. Schmidt
weigerte ſich deſſen, es gab ſchlimme Auftritte,
eine Spaltung ſchien unvermeidlich, die Ver—
wirrung wurde ſehr groß. Da wandte ſich ſo⸗
wohl Hr. Pſt. Schmidt, als auch der Theil, wel⸗
cher zu ihm hielt, als auch endlich der andere
Theil, jeder für ſich, an Hrn. Dr. Sihler, mit
der Bitte, eiligſt hieher zu kommen und in die—
ſem betrübten Handel zu rathen und zu helfen.
Hr. Dr. Sihler entſprach dieſer dreifachen Ein—
ladung kurz vor Oſtern, 1851. Die benachbar—
ten HH. PP. Röbbelen und Steinbach wurden
hinzugezogen, die Unterſuchung in öffeutlichen
Gemeinde-Verſammlungen geführt. Jeder Theil
hatte ſeine Beſchwerden ſchriftlich verfaßt, nun
wurde Punkt für Punkt durchgegangen. Je—
nes böſe Gerücht hatte ſich ſchon früher als
falſch erwieſen. Im Uebrigen ſtellte ſich her—
aus, daß Herr Paſtor Schmidt zwar aller⸗
dings manche Unbill erfahren, jedoch ſich auch
allerle nicht unerhebliche Dinge in ſeiner
wenn er ſelbſt'es gewollt, oder die Gemeinde,
oder auch nur der Theil, welcher zu ihm ſtand,
es gewünſcht hätte.
Allein 1. war Hr. Pſt. Schmidt nicht abgeſetzt
legt, war auch dazu, wie er ſelbſt eingeſtand,
eben nicht gedrängt worden; hatte 2. dieſen
Schritt nie widerrufen, ſondern ſich 3. ausdrück—
aufzunehmen; 4. auch kein Bedauern, ſondern
ſogar oft ſeine Frende ausgedrückt, daß er davon
los ſei; 5. ſelbſt ausgeſprochen, daß es für die
Gemeinde am beſten ſei, wenn ein Anderer an
ſeine Stelle käme und dazu Hrn. Pſt. Röbbelen
vorgeſchlagen; 6. noch vor der letzten Sitzung
ausdrücklich erklärt, er welle und werde das Amt
nicht wieder annehmen.
Ferner waren von Seiten der Gemeinde, ſelbſt
der Anhänger Hrn. Pſt. Schmidt's manche ernſt⸗
liche Bedenken. Es weiß Jedermann, wie
ſchwer es iſt, daß eine Gemeinde, in der Jahre
lang Streit geweſen und die endlich in offenbare
Parteien zerfallen iſt, wieder zu herzlicher Einig—
keit kommt, wie leicht im Gegentheil das alte
Parteifeuer wieder auflodert, wenn der Zunder
nicht gar hinweggerafft wird. So erkannten
auch hier alle, daß wenn Hr. Pſt. Schmidt in
ſeiner Amtsführung und inſonderheit der Ge—
meinde⸗Leitung nicht einen ganz anderen Weg,
als früher einſchlüge, die gegenüb erſtehenden
Theile ſchwerlich je recht einig werden, oder lan⸗
*
Es fragte
ſich nun zu Ende der letzten Sitzung, was wei—
de wiederberufen ſollte, und Hru. Dr. Sihler
Sihler zur Hand gehen werde, bis er etwa in
worden, ſondern hatte ſein Amt ſelbſt niederge⸗
lich und mehrmals geweigert, das Amt wieder
einen Ruf nach Frankenmuth
ge einig bleiben wuͤrden.
konnte kein Theil recht zuverſichtlich faſſen.
Da nun alſo Hr. Pſt. Schmidt erklärt hatte, er
wolle nicht, man es auch allgemein für recht zu—
träglich hielt, daß er mit nach Fort Wayne gin—
ge, ſo ſah man nicht ein, warum man ihn zur
Wiederaufnahme des Amts nöthigen ſollte;
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erklänte aber rban einem der br deifehaf h
ſondern hielt unter dieſen Umſtänden für das
weiſeſte, einen andern an ſeine Statt zu berufen.
Demgemäß war das Endreſultat der ganzen
Verſammlung der Beſchluß: daß man Hrn. Pſt.
Schmidt zwar keineswegs für unwürdig oder
unfähig achte, das Amt wieder zu überkommen,
daß es aber unter den obwaltenden Umſtänden
weislicher erſcheine, es bei ſeiner Abdankunz be—
wenden zu laſſen.
den die Gemeinde am liebſten gehabt hätte, ſchon
ſo wurde auf erbetenen Vorſchlag Hrn. Dr. Sih⸗
lers der Unterzeichnete gewählt.Der obige
End-Beſchluß iſt durchaus einſtimmig
gefaßt. Es hat niemand ſeine Stimme dage⸗
gen erhoben, auch Hr. Pſt. Schmidt weder öf⸗
fentlich noch privatim dagegen proteſtirt, ſon—
dern ſogar in einem Briefe an das Präſidik
ſo viel wir hören, die Gerechtigkeit und Weis—
heit des Verfahrens anerkannt. Es iſt auch
ſchwerlich einem einzigen in den Sinn gekom—
men, daß man auf die ſtrenge Gerechtigkeit, na⸗
mentlich Hrn. Dr. Sihlers auch nur einen Schat⸗
ten werfen würde. Vielmehr hatte er ſich da—
durch die Achtung und Liebe beider Theile zuge—
wendet. Die Parteien erkannten zudem bei der
Unterſuchung gegenſeitig, daß zwar allerſeits ge⸗
fehlt und geſündigt worden, aber doch eben kein
vorſätzlich böſer Wille vorhanden geweſen ſei.
Kurz, Gott der HErr gab Gnade, daß die Ge—
müther einander wiederum zugewendet und die
drohende Spaltung abgewendet wurde.
Hr. Dr. Sihler reiſte ab, Hr. Pſt. Schmidt
folgte ihm mich t. Sondern an demſelben, oder
dem folgenden Tage erklärte er, er ſei ſchon Pro—
feſſor an einem hieſigen, nicht lutheriſchen Col⸗
lege.
Es blieb eine Zeitlang zweifelhaft, ob ich dem
erhaltenen Rufe würde Folge leiſten können.
Dieſe Hoffnung aber
Und weil Hr. Pſt. Röbbelen,
bekommen hatte,
Bis dahin bediente Hr. Pſt. Steinbach die Ge⸗
meinde von Liverpool aus. Ende Auguft, 1851,
traf ich hier ein. Wäre nun etwa Hr. Pft. S.
während deſſen der Meinung geworden, ihm ſei
früher Unrecht geſchehen und alſo die Gemeinde
von Rechtswegen noch die ſeinige, ſo wäre das
der Zeitpunkt geweſen, wo er noch hätte proteſti⸗
ren können und müſſen. Es wäre dann meine
Pflicht geworden, etwa eine neue Unterſuchung
zu verlangen, was ich auch wohl ohne Zweifel
gethan haben würde. Allein bei meiner An⸗
kunft erfuhr ich zwar, daß ein früher recht thätiges
Mitglied und außerdem etwa drei bis vier andert,
(von denen es bei der Mangelhaftigkeit der da—
maligen Kirchenordnung zweifelhaft war, ob ſie
zur Gemeinde gehörten) unzufrieden geworden
ſeien, daß auch Hr. Pſt. Schmidt hie und da
halbe Aeußerungen fallen laſſe, als ſei es moͤg⸗
lich, daß er von neuem anfange zu predigen.—
Da jedoch zu gleicher Zeit dieſe Andentungen
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