Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 190
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 190
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Beilage
zu No. 9. Jabrg. 9. des Lutheraners.
II.
R Sie werden euch in den Bann thun. Es
1 kommt aber die Zeit, daß, wer euch
tödtet, wird meinen, er thue Gott ei⸗
nen Dienſt daran.
(Schluß.)
Nachdem ich nun dieſes geſchrieben, kann ich
den Leſer verſichern, daß es nicht aus Haß oder
Rache gegen Hrn. Paſt. Grabau geſchehen iſt;
ich hätte viel lieber geſchwiegen. Ich weiß auch
ſehr wohl, daß Hr. Paſt. Grabau, ſo lange er ſo
verkehrt bleibt, alle meine Worte als grobe Lü⸗
gen und Verleumdungen bezeichnen wird, wie er
zu thun gewohnt iſt; dagegen wird er, wer weiß
was für Lügen und Verleumdungen gegen mich
in die Welt hineinſchreiben. Das ſind wir Buf⸗
faloer jedoch ſchon gewohnt, und ſoll mich deshalb
wenig anfechten. Der Gemeine in Buffalo
wird Hr. Paſt. Grabau wenig einreden können;
nur „in die Ferne iſt gut lügen.“ Genug,
daß ich vor Gott bezeugen kann,
daß ich die Wahrheit geſchrieben
habez und dieſes zu thun, dazu habe ich mich in
ameinem Gewiſſen gedrungen gefühlt, da das
IInformatorium“ behauptet, es ſei nicht ein
einziger ungerechter Bann vorgekommen, und
verlangt, daß andere lutheriſche Chriſten die Gra⸗
bau'ſche ſ. g. „chriſtliche“ Kirchenzucht ehren und
anerkennen ſollen.
Den lieben Leſer und meine Sache befehle ich
Gott, und halte mich an das Wort meines
Herrn Chriſti: „Selig ſeid ihr, ſoͤ euch
die Menſchen haſſen, und euch ab⸗
ſondern, und ſchelten euch und ver⸗
werfen euern Namen, als einen
boshaftigen, um des Menſchenſoh⸗
nes willen. Freuet euch alsdann
und hüpfet; denn ſiehe, euer Lohn
iſt groß im Himmel.“ (Lue. 6, 22, 23.)
J. P. Schulze.
Buffalo, N. R., den 1. Nov., 1852.
III.
„Die neue Rotte in Eden.“
Im Juli, 1848, hatten die preußiſchen Paſto⸗
ren, an deren Spitze Paſtor Grabau ſteht, ei⸗
Ine Synode zu Buffalo. Der Bericht über die
Verhandlungen erſchien aber erſt im Juli, 1850.
In dieſem „Synodalbrief“ findet ſich pag. 59,
ein „Bericht über Entſtehungieiner
neuen Rotte zu Eden.“ Die Unterzeich⸗
neten waren Anfangs unſchlüſſig, was ſie thun
wollten: ob ſich vertheidigen, oder gänzlich
ſchweigen. Erſteres läge ihnen nicht ſehr an,
wenn ſie wüßten, daß Letzteres zu mehrerem Nu⸗
tzen dienen würde. Das gänzliche Stillſchwei⸗
gen möchte aber nur bei Manchem, welcher jenen
Bericht zu leſen bekommt, den Verdacht erregen,
als ſeien die Unterzeichneten wirklich ſolche Rot⸗
tengeiſter, wie ſie Herr Paſtor Grabau bezeichnet.
Als ſolche dürften ſie freilich auf den Namen ei⸗
ner chriſtlichen Gemeine keinen Anſpruch mehr
machen. Es ſoll deshalb mit dieſem gezeigt
werden, daß die Beſchuldigten keine „Rotte“ ſind,
ſondern daß Paſt. Grabau ſie blos zu einer ſol⸗
chen ſtempelt, und daß er ſelbſt Schuld hat, daß
unſere Gemeine das traurige Loos der Zertren⸗
murg zu leiden hatte.—
Wir können uns nicht darauf einlaſſen, den
ganzen falſchen und entſtellten Bericht des Hrn.
Paſt. Grabau ins rechte Licht zu ſetzen; es wür—
de zu lang und langweilig werden. Neben vie⸗
len Entſtellungen und Unwahrheiten hat das
„Miniſterium und die ſechs Synodaldeputirte“
Vieles verſchwiegen, was und wie Hr. Paſt.
Grabau unter uns gehandelt hat. Wir wollen
uns blos an die 8 Ercommunicationsgründe
halten, welche Hr. Paſt. Grabau, Seite 66 in
ſeinem Buche angegeben hat, weshalb wir den
Bann verdient hätten. Daralif werden wir auf
manches andere im Bericht Unwahre, ſelbſt wei⸗
ter zu ſprechen kommen.
Erſter Grund des über uns ausgeſpro⸗
chenen Bannes:
I. Weil ſie halsſtarrig wider den
15. Artikel der Augsburgiſchen
Confeſſion behaupteten, daß die
chriſtliche Ordnung Sünde, Urſach
und Mittel zur Sünde ſei.
Antwort: Dieſe „chriſtliche Ordnung˖ be⸗
ſtand darin, daß jedes arbeitsfähige Glied unſe—
rer Gemeine monatlich einen Schilling in die
Kirchkaſſe zu zahlen hatte. (Siehe in Grabau's
Bericht pag. 59.) Dieſe Ordnung wurde im
Aber ſchon bei der erſten Verſammlung, die
deshalb gehalten wurde, gab es Zwieſpalt.
Dieſe Ordnung ſollte für alle gelten; ohne
Ausnahme der Armen. Hr. Paſt. Gra⸗
bau ſagt das Gegentheil! (Siehe p. 59.) Des⸗
halb erhob ſich der wenigbemittelte SBig maier
und ſagte: Er als ein Armer könne nicht den
Reichen gleich gehalten werden, und bot mehrere
Male eine geringere Gabe an. Allein Hr. Paſt.
Grabau beſtand darauf: Entweder ſolle er einen
Schilling geben, oder er ſolle ſagen, er könne
nichts geben. Sigmaier blieb bei ſeinem
Anerbieten und Paſt. Grabau bei ſeiner Forde⸗
rung.
bau zu verſtehen, daß er nicht die Schafe, ſon⸗
dern nur die Wolle ſuche. Hr. Paſt. Grabau
aber gab zwei. Vorſtehern den Befehl, daß ſie
Sigmaiern zur Thüre hinausführen ſollten, wel⸗
ches auch geſchah. (Warum hat denn Hr. Paſt.
Grabau dieſes nicht auch mitgetheilt?) Solches
Verfahren von Seiten des Hrn. Paſt. Grabau
Jahr 1845 von Paſtor und Gemeine geſtellt.
Darüber gerieth Sigmaier leider! in
ſeine ihm natürliche Hitze und gab Paſt. Gra—
machte andere Glieder aufmerkſam, und ein an⸗
derer Mann, Namens Wander, entſchuldigte!
ſich des Schillings halber mit ähnlichen Grün⸗
den, wie Sigmaier. Dieſer bekam zur Antwort:
„Land oder kein Land, Schulden oder keine
Schulden, ein Schilling muß bezahlt werden.“
Da es nun zu keiner friedlichen Einigkeit kom⸗
men wollte, ſo frug Hr. Paſt. Grabau, ob wir
uns nicht auf die alte ſächſiſche oder pommeriſche
Kirchenordnung verpflichtet hätten, uns darnach
regieren zu laſſen? Wir antworteten, Ja! Hr.
Paſt. Grabau las nun einen Artikel daraus vor,
in welchem geſagt war, daß von Gütern der Kir⸗
che den Armen nichts geſchenkt werden dürfe.
Wolle der das Geld einkaſſirt es ſchenken, aſo
müſſe er es aus ſeiner eigenen Taſche bezahlen. —
Sutter, ein nicht armer Mann, bedeutete Hrn.
Paſt. Gr., daß hier von ſolchen Gütern dit
Rede ſei, welche der Kirche ſchoneigen
ſeien, die etwa ein Armer geſteigert hätte;
aber bei ihnen ſolle ja erſt ein Kirchengut geſtellt
werden, und da ſei jenes aus der Kirchenordnung
nicht anzuwenden. Darauf antwortete Hr. Y
Grabau kein Wort, nahm die heil. Schrift und
ſchlug 2. Moſe 30, 13—15 auf, wo die Iſraeli⸗
ten, reich oder arm, auch hätten eine gleiche
Steuer zum Tempel geben müſſen.— —
Der geneigte Leſer mag ſich ſelbſt denken, wie
„feſt“ dieſe Ordnung ſtand, die ſchon von An⸗
fang unter ſo vielem Streit geſtellt wurde, und
wie ſie überhaupt geſtellt wurde. Es em⸗
pört uns die Art und Weiſe, wenn wir ſie
uns ins Gedächtniß zurückrufen. Hr. Paſt.
Grabau ſcheint es vergeſſen zu haben, weil er
von dieſem Allem ſchweigt, und natürlich die An⸗
dern im Miniſterio können es nicht wiſſen, wie
auch die „6 Synodal-Deputirte“ nicht. Darum
Thorheit, daß Leute einen Bericht abfaſſen, von
dem ſie nichts wiſſen können, weil ſie an weit
entfernten Orten wohnen. Oder will Hr. Paſt.
Grabau uns Lügen ſtrafen und vor den Leuten
das Waſſer trüben? Dann urtheile er ſelbſt, wo⸗
für wir ihn in unſerem Gewiſſen halten müſſen.
Daß dieſe Ordnung ein ganzes Jahr und dar⸗
über „feſt ſtand,“ iſt nicht wahr. Geſtellt war
ſie; aber unter vielem Widerwillen, und unter
ſolchem wurde ſie auch eine Zeitlang gehalten—
und nicht gehalten. Darum kamen ſelbſt die
Kirchväter auf den vernünftigen Gedanken, die⸗
ſe Ordnung lieber abzuthun. (Siehe pag. 60.)
Da nun ohne Aufhören die Gemüther durch
dieſe Ordnung beunruhigt wurden, ſo glaubte
Hr. Paſt. Grabau, durch die Predigten dahin
wirken zu müſſen, daß man dieſer Ordnung ge⸗
neigter würde. Allein dies wirkte das Geden⸗
theil. Hr. Paſt. Grabau hat Recht, wenn 4
pag. 66 ſagt, daß man den Bußpredigten und
der Beichte abgeneigt wurde, denn die ſogenann⸗
„chriftliche Ordnung“ war allenthalben der In⸗
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