Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 203

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 203

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Leib oder da.“ denn es kann ja der
Leuchter von ihnen völlig wegge⸗
ſtoßen ſein: ſondern er glaube, daß hin und
wieder in aller Welt, vom Aufgang bis zum
Niedergang, Chriſten ſeien, und dieſelbige Kirche
habe das Predigtamt oder Evangelium und die
Sakramente, Apol. p. 146, 148, (ed. German.
p. 247) wenn gleich oft mit Heu und Stoppeln
oder ohne öffentlichen Stuhl, das Evangelium,
das den Glauben in die Herzen, wie die Sonne
ihr Licht und ihre Wärme auf die Erde gibt; es
muß ihm ein Wort der erlöſenden Gnade ſein,
ſollte er's auch nur von ſolchen vernehmen kön⸗
nen, die nicht wiederum von einer ſogenannten
Geiſtlichkeit inveſtirt worden wäaͤren, Artice.
Smalc. p. 345 5 26 sqq. (ed. German. p.
555;) den Stempel göttlicher Untrüglichkeit
verleiht ihm allein der Schriftkanon des werthen
Heiligen Geiſtes, und Sein Zeugniß durch den
Glauben iſt der höchſte rechtmäßige Ausleger deſ⸗
elben.

Kommt aus der ſichtbaren Kirche die unſicht—
bare als prineipiata, ſo daß, wie Grabau aus⸗
drücklich lehrt, nicht das geiſtliche Prieſterthum
d. i. der Stand der Chriſten im Gkauben und
in der Gnade, ſondern abstracte und blos ob⸗
jectiv das Evangelium des Mundes Chriſti, da—
rin der Beruf der Biſchöfe und Pfarrherrn be⸗
fohlen iſt, ſ.Inform. Jahrg. 1. S. 47 und a.
a. O., die erzeugende Quelle des konkreten Pre—
digtamtes ſei: ſo iſt freilich das Amt das Erſte,
Unmittelbare, nicht die Kirche ſelbſt; der Ge—
meine der Gläubigen und Heiligen ſind nicht die
Schlüſſel des Himmelreichs unmittelbar gegeben,
ſie hat dieſe nicht für ſich ſelbſt ohne Mittel, ſon⸗
dern mittelbar, allein im öffentkichen heiligen
Predigtamt d. h. durch deſſen Veruittelung;
(unmittelbar heißt nicht: ohne Wort Gottes,
denn das wäre Unſinn, weil Gott nicht anders
den Menſchen Gnade gibt und offenbart, als
durch Sein Wort, ſondern es iſt dahin zu ver—
ſtehen, daß die Kirche ſolche Gewalt und Amt auf
gleiche Weiſe beſitzt, wie ihr die Verheißung
des. Evangelii zugehört, indem es zwiſchen ihr und
Chriſto keines andern Vermittlers bedarf, als daß
ſie zu dem Wort gelange und an ſolches gläubig
werde, es geſchehe durch das Predigtamt nach
ſeiner ordentlichen Verwirklichung, was aller—
dings das Wünſchenswertheſte iſt, oder es reiche
daſſelbe dar, wer da wolle; denn Menſch bleibt
Menſch, der zu dem Worte Nichts von Kraft
hinzuthun kann, es ſei der Papſt oder ſein Bi⸗
ſchof, oder der Paſtor und Senior einer prote—

2, S. 23.) Erzeugt die ſichtbare Kirche prinzi—
piell die unſichtbare, ſo daß es ohne Predigtamt
in concreto gar keine Gläubigen gäbe, und ſie,
welche Chriſtus zu Herren der Welt erhebt,
Nichts weiter zu eigen haben, als daß ſie wählen
im Beiſein und mit Beiſtimmung benachbarter
Biſchöfe, denen die Ordination, ohne welche kein
Aufrichten aus Gottes Wort und Befehl, vor
Allen zukommt, in welcher Aufrichtung des Pre—
digtamtes Chriſtus ohne Vermittlu ng
Seiner Reichsgenoſſen Alles über⸗
trägt: ſo hat das Amt, der Dienſt, Nichts vor

Miſſouriern, New Nork 1849.

ſich, Nichts über ſich, als daß es unmittelbar
vom König ſelbſt ſich herleitet, und die Wahr⸗
heit iſt an die Träger dieſes Amts gebunden,
wie im Papſtthum. Iſt aber (das Wort und)
der Glaube an's Wort das Erſte: ſe iſt die un⸗
ſichtbare Kirche über dem Amt, Richterin und
Frau, die alleinige Trägerin, ja ein Pfeiler und
Grundveſte der Wahrheit; und die erſte
Stimme einer Oppoſition, die dem
göttlichen Worte gemäß in einer
vderderbten ſichtbaren Gemeinſchaft
ſich erhebt, iſt, wie ich oben ſchon gefagt,
die der unſichtbaren Kirche.—Wie
hätte doch nur eine Reformation je entſtehen
können, wenn Alle, die in theilweiſe abgefallenen
Kirchen und bei ſich ſelbſt im Fragen und For—
ſchen ſich befinden, ſeien es Laien oder nicht, für
geiſtliche Katechumenen nur zu achten wären, die
erſt, um wahrhafte Glieder der Kirche zu wer⸗
den, des Dienſtes eines ordentlichen Predigtam⸗
tes bedürften, dieſes aber eben ja ein corrumpir⸗
tes iſt, und ein reines noch nicht eriſtirt? (S.
Inform. Jahrg. 1, S. 2).

Daß wir Grabau hier nicht Unrecht thun, be—
weiſt zuvörderſt ſein Irrthum von der Ordina⸗
tion, der bekannt iſt.“ S. den oben angeführ—
ten Schriftwechſel zwiſchen Grabau und den
Eine ſcharfe
neuteſtamentlich-eregetiſche Unterſuchung der
hierher gehörigen Stellen, Timoth. I, 4, 14. II,
1, 6. 2, 2., zeigt, daß Luther, Chemnitz, Gerhard
und alle orthodoxen Lehrer unſerer Kirche mit
Recht derſelben, inſofern ſie im engern Sinne
blos die Beſtätigung durch ſchon vorhandene
Kirchendiener in ſich begreift, die Einſetzung
durch Gottes Befehl abſprachen. Denn aus
der Vergleichung der beiden erſten ergibt ſich,
daß die Handauflegung nicht das Weſentliche
hierbei ſei, was auch Grabau eingeſteht; als⸗
daunn daß, wenn das Weiſſagen, die Gebete, das
Anwünſchen der Ordinirenden die Gabe Gottes

auf den Glänbigen, welchen das Amt übertra—
gen wird, herabruft, ſ. F. Gerardi annott. ad
Timoth. II, 1, 6.„und dieſes ja allenthalben in

der Schrift beim Scheiden ſegnender Bäter von
ihren Kindern, beim Eintritt in ein öffentliches

Leben überhaupt, bei Mittheilung wunderbarer

Kräfte ꝛc. von den hierzu befähigten Perſonen
ausgeübt wird, unmöglich davon die göttliche

Gültigkeit der Einweifung ins heilige Predigt⸗
amt abhängig gemacht werden darf.
die letzte betrifft, auf welche Grabau das meiſte
Gewicht zu legen ſcheint, ſo handelt ja der Apo—
ſtantiſchen Synode, ꝛc. ꝛc. (ogl. Inform. Jahrg.“

Und was

*Anm. Es ſind nunmehr wohl über 15 Jahre, daß eini⸗

ge Brieſe gewechſelt wurden über die Ordination zwiſchen uns

und einem großherzoglichen Beamten in der ſächſiſchen Stadt

Weimar, welcher, nebſt ſeiner Familie mit Grabau innig be⸗

freundet, ihm während ſeiner Gefängnißleiden die herzlichſie

Tbeiluahme bewies, und, wie er ſelbſt ausſagte, mit dem da⸗
mals bewährten Mann auf ganz gleichem Grund der Lehre

ſtand. Einſender dieſes vertheitigte zu der Zeit dieſelbe ro⸗

maniſtiſch gefärbte Lehre von der Kirche und Ordination, wie
(Grabau jetzt, während jener Amtscommiſſarius, bei dem
man Brieſe vor Grabaus Hand zu leſen bekommen konnte, in

ſolchem Streite rein lutheriſch geſinnt war. Wie hat ſich doch

Allts nun geändert! Ein Aehuliches iſt uns noch gewiſſer be⸗
kannt von dem ebenſo aurgezeichneten und rüſtigen Arbeiter

in Gottes Weinberge, dem ſrüh verſtorbenen Paſtor und Kir⸗

chenrath Wedemaun in Breslau.

ſtel offenbar hier gar nicht von der Uebergabe—
des Amtes, ſondern vielmehr von der Trabdition
der Lehre, die natürlich keine andere ſein konnte,
als was er ſchriftlich verzeichnet hatte. Vgl. J.
Gerhardi I. c.

Inſonderheit aber haben wir es hier mit Gra⸗
bau's Auslegung von St. Matth. 18, 20. zu
thun. Sie iſt zu leſen im Inform. Jahrg. 1.
S. 74. Die ganze Abhandlung, in welcher ſie
vorkommt, verdreht die reine heilige Lehre der lu⸗
theriſchen Kirche vom Predigtamt auf eine ent—
ſetzliche Weiſe; es iſt kaum glaublich, daß der
Mund, welcher hier läſtert, das blos menſchliche.

gen hat.

ſolcher Schildknapp cines antichriſtiſchen Geiſtes 4
aufzutreten! Mit Abſcheu wendet ſich ein Herz.
das von dem Griſt der Liebe, der Kraft und der
Zucht empfangen hat, vor ſolchen ohnmächtigen
Haſſesworten ab. Was er hierbei den Miſſou⸗
riern in den Hals ſchiebt, mag in Buffalo frü⸗
her unter den von ihm Abgetretenen und auch
zum Theil in Wisconſin, ſo lange ſolche armt,
verirrte Leute der rechten Leitung entbehrten,
vorgekommen ſein; die Gemeinden unſerer So⸗
node wiſſen von derartigem Mißbrauch des geiſt—
lichen Prieſterthums Nichts.

Das iſt gewiß, in Kraft unſers Glaubens iſt
Ehriſtus nicht mitten unter uns, ſondern Er iſt
in Kraft Seiner Verheißung unter uns gegen⸗
wärtig, gnadenerweiſend, nicht blos im Herzen
der Gläubigen, ſondern perſönlich in ihrer Mit⸗
te als der wahrhaftige Gott, der Menſch iſt.
Die Inſtanz, welche Grabau beibringt, iſt auch
inſofern ganz richtig, daß der Glaube nicht die
Gegenwart des Leibes und Blutes Chriſti im
heiligen Abendmahl macht. Gleichwie aber
Leib und Blut des Herrn nur gegenwärtig ſein
können durch Ihn kraft Seiner Verheißung in⸗
nerhalb Seiner Kirche, die weſentlich die Ge⸗
meine der Heikigen und Gläubigen iſt, obſchon
ſie durch reines Wort und Sacrament ſichtbar
wird: ſo iſt der perſönliche Chriſtus immitten der
Verſammlung Seiner Gläubigen, gleichviel ob
Heuchler oder Gottloſe da zugegen ſind oder
nicht, infofern jene diejenigen ſind, welchen Sich
Chriſtus mit Seiner Verheißung gibt.
kann man ſich in Seinem allerheiligſten Namen
verſammeln, ohne an dieſen Namen zu glaubent
Wie kanu man ſich nach Seinem Wort, nach
Seiner Ordnung des Evangelii und Befehl,
nach Seinem geoffenbarten Willen verſammeln
ohne daran zu glauben? Der Gehorſam ge⸗
gen das Wort ſetzt das Haben des Worts, den
Glauben, der ein Ergreifen, ein Beſitzen iſt, vor⸗
aus, und ohue dieſes würde eine Offenbarung
des göttlichen Willens nicht erkannt, noch ihm
Folge geleiſtet werden können. Gleichwit in
der ſichtbaren wahren Kirche, die ſich zur rechten
Lehre bekennt, nicht Leib und Blut Ehriſti beim 1
Genuß wahrhaft gereicht würde, was bei den —
Reformirten fehlt, weil ſie das Weſen des heili⸗
gen Abendmahls leugnen, wenn es eben nicht

die Kirche wäre, Weren potior pars, ex qua de-

Werkzeug eines Mannes ſei, der ſich Schande &
hiermit ſelbſt in das Geſicht mit Fäuſten geſchla- 7
Welchen Zwang muß es ſeinem un⸗
fehlbar noch nicht erſtickten Gewiſſen koſten, alb

Wie 4

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