Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 213

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 213

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Thränen aus; ſie ſuchten den Paſtor auf und
ſagten ſchluchzend und weinend zu ihm: „Wir
kommen um Troſt zu ſuchen, unſere Kirche liegt
in Aſche.

Was iſt nun zu thun? Hoffentlich wird eine
gerechte Obrigkeit die Meuchelbrenner entdecken,
dieſen himmelſchreienden Kirchenfrevel nach Ge⸗
bühr beſtrafen und die evangeliſch⸗lutheriſche
Gemeinde in Neumelle beſchützen, daß ſie ihre
Religion ungeſtört ausüben kann. Dann aber
haben die Lutheraner die heilige Pflicht, ihrer
bedrängten und verfolgten Glaubensbrüder in
Neumelle ſich auf das herzlichſte anzunehmen.
Gott gebietet ſeiner Kirche, 1 Cor. 12, 25, 26,
„daß die Glieder für einander gleich ſorgen. Und
ſo ein Glied leider, ſo leiden alle Glieder mit.“
Und Ephes. 6, 18. „Betet ſtets in allem An-
liegen mit Bitten und Flehen im Geiſt, und
wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für
alle Heiligen.“ Laſſet uns demnach Gott ernſt⸗
lich anrufen, daß er dem Wüthen des Satans
ſteure, daß er unſere Brüder in Neumelle ferner
vor allen Brandſtiftern, Räubern, Mördern und
andern Böſewichtern behüten und ihnen Frieden
beſcheeren wolle.

4

* —
..

— 4.—. —

7 .

— 28.—

Zugleich aber bedarf die dortige Gemeinde
auch der Unterſtützung durch milde Gaben. Ihre
Mittel ſind nun erſchöpft, die erſte Kirche wurde
ihnen zugeſchloſſen, die zweite wurde ihnen ver⸗
brannt. Darum können unſere Brüder nicht
daran denken, aus eigenen Kräfien wieder einen
Kirchbau zu unternehmen. So werden denn
hiemit alle evangeliſch⸗lutheriſchen Gemeinden
gebeten, unſeren bedrängten Glaubensgenoſſen
in Neumelle mit einer Collecte zu Hülfe zu kom⸗
men. Bedenken wir, daß ſie bereits das Aeuſ⸗
ſerſte verſucht haben, was in ihren Kräften ſtand,
daß ſie bereits die zweite Kirche in wenig Jahren
erbaut haben. Bedenken wir, welche ſchwere
Verfolgungen ſie zu erdulden hatten. Kein
Wunder, daß auch die muthigſten jetzt betrübt
u. niedergeſchlagen ſind. Schon triumphirt der
Satan mit ſeinen Schuppen, nun müſſe doch
endlich dort die evangeliſch-lutheriſche Kirche un⸗
tergehen. Darum laßt uns ihnen helfen, daß
aus der Aſche der alten Kirche bald eine neue
ſich erheben möge, und an das Wort Cottes ge⸗
denken: Laſſet uns Gutes thun an jederman,
allermeiſt aber an des Glaubens Genoſſen Gal.
6, 10.

De

Herr Paſtor Bünger, St. Louis, iſt bereit,
Gaben für die erwähnte Gemeinde in Empfang
zu nehmen.

Die „Tageschronik von St. Louis“ be⸗
richtet Folgendes aus Naſſau:

Radevorwald, 22. Januar. Der Pre⸗
diger Karl Haver, welcher mit dem größten
Theile der hieſigen evang.⸗luth. Gemeinde aus
der Landeskirche ausgeſchieden war und deßhald
ſchon manche Anfeindungen überſtanden hatte,
wurde geſtern Abend von Kugeln durch den
Rücken in die Bruſt getroffen todt im Walrt

gefunden, den er auf dem Wege ſeines Berufes
Der Meuchelmörder iſt

durchſchreiten wollte.
bisher noch nicht entdeckt. Die Aufregung der
Altlutheraner über den Mord ihres gellebten
Seelſorgers iſt ungeheuer. Paſtor Haver war
ein Mann von großen Gaben des Geiſtes und
Gemüthes, ein ausgezeichneter Redner und ein
fleißiger Seelſorger, dabei ein Mann von hoher
Bildung.

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