Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 201
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 201
162
163
164
165
166
167
168
169
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
S. 2. fin.*); wir aber ſagen mit den recht⸗
gläubigen Lehrern das Gegentheil, und ſtecken
die Gränzen der erſtern viel weiter, als die der
letztern. Jo. Gerh. locc. th. V. p. 252 sꝗqq.
317 sdq. conk. cath. p. 717. 728 sg. und
die wichtige Stelle bei Baier. I. c. p. 768.
770 8q.
Alles, was berufen iſt und dem Worte Got⸗
tes glaubt und göttlich lebt, zählt Gott zwar
in die wahre Kirche hinein, und Alles, was
heuchelt und trügt, zählt er hinaus; aber dar—
aus folgt nicht, daß alle wahren Gläubigen
und göttlich Lebenden von dieſer Kirche nach
ihrem Sichtbargewordenſein kat' exochen Et⸗
was wiſſen, ihre Erſcheinung im Bekenntniß,
darin ſie eben als die Kirche erſcheint, (vgl.
Baier. I. c. p. 770. §. 29.) als die Kirche
Jeſu Chriſti, für die rechte, wabre ſichtbare Kir—
che halten, und dergeſtalt ihre eigene Gemein—
ſchaft gar nicht als ſolche anſehen. Es iſt nur
Eine Kirche, die allezeit berufen und erbauet
wird auf den Grund der Apoſtel und Prophe—
ten, d. i. auf reine Lehre u. Sakramente; weil
aber alles menſchliche Wiſſen überhaupt nur
Stückwerk iſt. ſo kann dieſe Eine Kirche nach
dem vollen Umfang ibrer äußeren Erſcheinung
in die verſchiedenartigſten Fragmente zerfallen,
wie ja der traurige Anblick der beutigen Chri—
ſtenheit es unwiderſprechlich bezeugt; und wenn
nur Gottes Wort und Sakramente nicht gar
verleugnet werden, ſondern beide weſentlich blei—
ben (Luther's Auslegung der Epiſt. ad Galat.
1. 2.,), und des Geiſtes Leitung in alle Wahr—
beit nicht beharrlich verhindert wird durch bi—
ſen Vorſatz: ſo kann trotz der Verfälſchung
Gott ſich eine heilige Kirche der Seinen auch
unter ihnen ſammeln; obſchon ein Jeder derſel⸗
ben in höchſter Gefahr ſeiner Seelenſeligkeit
ſteht, und daher verbunden iſt, dieſe irrgläubi—
gen Haufen oder Sekten und ibre falſchen Leh-
rer (In welchen auch preußiſche Lutheraner wer—
den können, wenn ſie alle brüderliche Zurecht—
weiſung von ſich ſtoßen) zu verlaſſen und von
ibnen ab zu der rechtgläubigen ſichtbaren Kir—
che, iſt's ihm nicht vergönnt räumlich, doch dem
Geiſte nach, zu treten, es ſei denn, daß
ibm die Erkenntniß hiervon noch
nicht aufgegangen ſei, die Stücke
der Wahrheit aber in ihm bereits
einen ſeligmachendeu Glanben an⸗
gezündet, der gewiß, wenn ihm nicht der
Tod zuvorkommt, alsdann auch weiter nach und
nach ihn führen wird. Die unſichtbare Kirche,
wo ſie auch ſei, behält allemal wenigſtens das
*) Anmerk. — Der oben angeſührte Boſſuet defi⸗
nirt die proprie sic dictam ecelesiam alſo: coetum
(doctorum et auditorum, in nomen Dei triunius bapti-
natum, communi consensn universam Christi et apo-
stolorum doctrinam proſitentem atque legitima sacra-
mentorum dlispensatione gaudentem. Lutheraner haben
in ſtattlich widerlegt. Mit wem will es nun Grabau hal⸗
ten, mit die ſen oder mit jenem? Und wabrlich, man kann
nicht anders ſagen, mutbwillige Mißverfändniſe oder Ab⸗
— 16—
Fundament und die Subſtanz des rechten Glau⸗
bens und der reinen Lehre, wie unſere Dogma⸗
tiker ſagen; aber nicht immer oder überall er⸗
freut ſie ſich eines öffentlich reinen Bekenntniſ⸗
ſes, deſſen Predigt und dem gemäßer Sakra—
mentsverwaltung, wodurch allein geſchieht, daß
eine wahre ſichtbare Kirche wird, die damit
von den heterodoxen Gemeinſchaften, in welchen
nicht die Trägerin der Wahrheit, ſondern eine
Synagoge des Irrthums, ſo zu ſagen, vorwal—
tend ſich verkörpert (Baier. J. c. p. 763 sq.).
unterſchieden werden kann. Nicht aber iſt, wie
die Römlinge lebren und Grabau mit ihnen,
die unſichtbare Kirche in die engen Gränzen der
ſichtbaren Kirche, rechten Bekenntniſſes einge—
ſchloſſen.
Vor Gott gibt es an ſich keine unſichtbare
Kirche, vor Ihm gibt es allerdings nur eine
ſichtbare, deren veſter Grund beſtehet und von
Ihym das Siegel empfangen hat. Sie iſt auf
Erden aber für Menſchen unſichtbar, weil der
Glaube etwas Unſichtbares iſt, daher ſie ſelbſt
geglaubt nur werden kann; das iſt die Einte
ewige Kirche, von welcher alle Kirchengebete
ſprechen, von der zunächſt Epheſ. 2. 19 fgg.
bandelt. Vgl. die ſchöne Stelle bei IIagmaier.
diss. de invisibilitate ecelesiae p. 14.: Ilaec
praedicata non nisi solis et omnibus ad fl-
dem Jesu Christi regeneratis competere recte
supponitur, dum vel hypocritis vel peccati
servis, licet Christum profiteantur, adseribi
nequeunt. Quis autem dixerit, hanc civium
et regis in hac republica, hane patris et li-
berorum in hac familia, hane lapidum fun-
damentali superacdificatorum in hoc aedifi-
cio, hanc inhabitantis et inhabitatorum in
hac domo et templo relationem, communio-
nem, connexionem, coagmentationem oculis
corporis videri posse, dum menti tot in his
relationibus inconspicua remanent? licet ne-
mo neget, umbras harum rerum et figuras
ipsas oculis etiam corporis usurpari posse.
Conf. 1. Petr. 2, 4. 5, ubi sub eadem fere
ügura idem proponitur. Gleichwie nun vor
Gott ihre Kennzeichen Glaube und Liebe ſind,
dadurch ſie von Allen, die bloß Chriſti Namen
fübren, unterſchieden wird: ſo ſind nach ihrer
Erſcheinung in der Welt für die Menſchen ihre
Merkmale Wort und Sakrament. (Die Be⸗
griffsbeſtimmung der Augsburg. Confeſſion iſt
auch in bloß formal-logiſcher Hinſicht ſcharf
und untadelig: Est autem eeclesia congre-
gatio Sanctorum, in qua Evangelium recte
docetur et recte administrantur sacramenta,
wörtlich: Dir Kirche iſt die Verſammlung der
Heiligen, in welcher das Evangelium recht ge—
lehrt und recht die Sakramente verwaltet wer—
den. Bei Definitionen ſuchen wir das eigent—
liche Weſen des zu Begreifenden, den Inhalt
ſeines Begriffs. Dieſen beſtimmen die Haupt⸗
merkmale, das genus proximum, der zunächſt
liegende höhere Begriff, und die ditlerentia
ur ditären ſpricht das Informat. Ihrg. 2. S. 57 ſge. aus poeitloa, der ſpecifiſche Unterſchied. Die Kir—
che iſt die Verſammlung der Heiligen, das iſt
der zunächſt liegende höhere Begriff, denn to
gibt eine heilige Verſammlung ſowohl im Hin
mel, als auf Erden; ſie iſt die Verſammlung
der Heiligen, wo rechte Lehre des Evangelii und
rechte Sakramentsverwaltung iſt, das iſi ihre
ſpezifiſche Differenz, dadurch ſie als heilige Ver⸗
ſammlung auf Erden beſtimmt wird, denn im
Himmel hört die zeitliche Erſcheinung von Lehr—
amt und Hörerſchaft auf. Die Kirche tbut ſich
auch dadurch nur allein kund, und iſt daran
für dieſe Zeit erkennbar.) Reines Wort und
Sakrantent ſind und bleiben, ſoweit ſit nicht
getrübt und verfälſcht werden, das weſentliche
Merkmal der unſichtbaren Kirche auf Erden,
als die ſie empfangen hat und allein beſitzt und
auch durch ſie fort u. fort erzeugt wird. Gleich⸗
wie der Menſch, eine gottesbildliche Kreatur auf
Erden, ſolches kund thut durch ſeinen Leib, der
die höchſte Stufe des körperlichen Organismus!“
bildet: ſo iſt gemeinſam bekanntes göttliches1
Wort ſammt der Handlung ſeiner Siegel die
Wirkung. Erſcheinung (Quenst. I. c. p. 504
sd. 507.), der Leib der unſichtbaren Kirche,
die höchſte Stufe geſellſchaftlicher religiöſer Ver—
bindungen auf Erden. (Aus einem der Hanpi⸗
merkmale, welche die urſprünglichen, weſentli⸗
chen, konſtitutiven eines Begriffs ſind, kann ich
dann mittelbare, erläuternde Attribute ableitenz 1
ſo hier aus dem gemis proximum, welchts
die sanctitas iſt, die Kennzeichen Glaube und
Liebe, welche aber nicht nach der Kirche Erſchei
nung in der Welt, ſondern nach ihrer inwendi⸗
gen Seite in Bezug auf Gott ihre Kennzeichen
ſind.) — Die falſchen Kirchen alſo, inſofern
ihre Lehre unrein iſt, machen keine rechte Kircht
aus, Vaier. J. c. p. 768 sg. Wohl abtr
lebt hingegen die wahre Kirche in denſelben ver⸗
borgener Weiſe, und obſchon unter verderbten
Predigt- und Biſchofsſtühlen in gedrücktem Zu-
ſtande, gibt ſie doch den ganzen Haufen die
kirchliche Bedeutung. Hier kann die wahre Kir⸗
che nicht durch reines Wort und Sakrament ſich
offenbaren, aber ſoviel von dieſen noch erhalten
iſt, iſts ein Merkmal der an ſich nicht in dit
Sinne fallenden Gläubigen, die in ſolchen Gi⸗
meinſchaften zu finden ſind. Apolog. p. 145.
Und dieſe mögen aus Einfalt irren, weil ſie dit
Sache nicht recht verſtehen, aber an den Läſte⸗
rungen wider die Wahrheit nehmen ſie keinen
Theil; es ſind fromme, unſchuldige Leute, wie
ſie ausdrücklich das Konkordienbuch benennt,.
al'o bereits Glieder der wahren Kirche, nicht
erſt auf dem Wege zu derſelben (denn ſelbſt rit
Katechumenen, als auch alle Anderen, welcht
wahrhaft innerlich glauben, ſind bereits zu der
Kirche zu rechnen und in derſelben, wie von ihr,
wenn gleich ſie die Taufe noch nicht empfangen
haben, J. Gerh. locc. th. V. p. 252;), und
dennoch in der äußerlichen Gemeinſchaft fremdet
falſcher Kirchen, wiewohl ſie, recht unterrichttt,
zu der unfehlbaren Wahrheit des göttlichen
Wortes ſich bringen laſſen werden. —
(FJertſetzung ſolgt.)
—.—
English translation
Not yet translated.