Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 204
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 204
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nominatio fit, die Gläubigen ſind), welche hier
kurch reines, katholiſches Glaubensbekenntniß
ſich offenbart, denn ohne Vorhandenſein einer
Kirche, einer Verſammlung von Gläubigen,
rürden Chriſti Sacramente, wie Sein
Wort, ja gar nicht angenommen und bekannt
und Seiner Einſetzung gemäß gehandelt: ſo iſt
Chriſtus auch überhaupt nur da mit Seiner
perſönlichen Gnadengegenwart, wo ſeine Ver—
htißung geglaubt wird, man alſo das Evange⸗
lium und damit die Vergebung der Sünden hat
und beſitzt, und dieſe Güter im Wort und Sa⸗
rament durch das Amt, das Er gegeben, aus⸗
theilt. Ein furchtbarer Irrthum iſt es, den
Grabau ausſpricht, wenn er S. 75 ſagt: Das
Predigt⸗ und Schlüſſelamt werde aus Chriſti
Wort und Mund in eines Hirten und Lehrers
Mund gelegt durch das Mittel des ordentlichen
trufs—alſo doch vermittelſt der Kirche —ob—
ſchon nicht blos unter den Berufenden Un⸗
gläubige, ſondern auch alle Berufen⸗
den ihrer Perſon halben ungläu⸗
big und Heuchler wären und gar
ltine geiſtlichen Prieſter. Der ordent⸗
liche Beruf in der Kirche nach Aehnlichkeit und
Ordnung des Evangelii ſchöpfet allerdings das
mi aus dem Wort des Mundes Chriſti und
kefiehlt es der Perſon, die berufen wird; aber das
it ja eben die Kirche, welche das thnt, denn oh⸗
ne unſichtbare keine ſichtbare. Die Perſonen
thun Nichts dazu, aber Chriſtus gibt Sich und
Seine Güter nur den Gläubigen. Wohl richtet
ſch die verſammelte Kirche nur in Chriſti geof—
ſenbarten Wilken und gnädige Verheißung, wie
Grabau bemerkt; aber kann dieſes ſich Richten
denn geſchehen, ohne allein durch den vorherge—
henden wahren Glauben? Nicht einmal, wenn,
vie bei den Papiſten, ein blos hiſtoriſcher Glau—
be als zureichend behauptet wird; denn dieſer
hat keine Verleugnung des eignen Willens zur
ſolge. Das Amt des Wortes iſt allerdings ins
Wort des Mundes Chriſti ſelbſt gebunden, muß
zuch daraus nothwendig fließen, wenn es ir—
gendwo einer Perſon anbefohlen werden ſoll;
uber dieſes Wort, dieſe Stimme des Evange⸗
liums, hat eben auf Erden durch Chriſtum und
in Ihm nur die rechtgläubige Kirche. —Kann
kenn Jemand ein Prediger werden, ohne daß er
nicht vorher in der Taufe ein geiſtlicher Prieſter
Agtworden iſt? Iſt alſo nicht der gemeine Chri—
ſenſtand über der Prediger Stand, und in Chri—
Iio die wirkende Urſache des letztern? Das Wi—
netheil, einen Stand aus dieſem zu machen, der
tiſſer ſei denn jener, ſagt Luther in feiner Aus—
lgung des 117. Pſalms, das iſt verkehrt Ding
ind Chriſtus verleugnet und verflucht; ſie ſol⸗
kn dienen und helfen zum Chriſtenſtand, wie
ie Schulen, Hauszucht und weltliches Regi—
mart, ſammt allen andern Ercaturen; aber beſ⸗
ſir oder höher, denn Chriſtenſtand, ſollen ſie
icht fein; der Chriſtenſtand ſoll über Alkes und
Ules ſchweben, wie der Himmek über der Erde;
Inn es iſt (als der urſprünglichſte) Chriſti
Ctand ſelbſt und Gottes eigen Werk. Nnd wie
das wolle verſtanden haben, zeigt er in ſeinen
törterungen gegen Dr. Eck von der Gewalt des
Papſtes 1519, da er ſpricht: „Alſo hat der
Glaube Alles bei ſich, was auf den Glauben
folgt, Schlüſſel, Sacrament, Gewalt und alles
Andere.“ Mit dieſem Donnerwort ſtößt er
Grabau's ganze mühſam aufgebaute Rechtferti⸗
gung ſeiner Irrlehre über den Haufen und macht
ſie mit einem Male zu Schanden, denn es iſt
auf Gottes ewigen Spruch gegründet, daß die
Chriſten die Herren der Welt ſeien durch den
Glauben, denn es ſei Alles, Alles ohne Aus⸗
nahme ihnen, Kor. I, 3, 22; nur durch die Liebe
diene jeder dem Andern, und alſo auch die Pre⸗
diger durch ordentlichen Beruf. Vgl. die ſchla—
genden Worte eines Chemnitz in ſeinem Examen
concil. Trid. II. can. 10. wie J. Gerh. loce.
th. VI. p. 47 sg. (Es iſt eine auffallende
Thatſache, daß dieſelben Einwendungen gegen
die lutheriſche Lehre in dieſen Punkten bei einem
Grabau von Neuem, (wie früher bei den Puſe⸗
yiten,) ſich finden, welche bereits Männer, wie
die ebengenannten, ſiegreich gegen einen Bellar⸗
min und ſeine Vorgänger und unwiderleglich
zurückgewieſen haben.)
Wohl verläßt ſich der Glaube auf die Zuſage
ſeines Gottes und ſiehet in ihr den gegenwärti—
gen Chriſtum; die gläubige Kirche richtet ſich in
das Wort ſeines Mundes und ſuchet nichts in
ihrem eignen Glauben, ſondern ihr Glaube ſucht
Alles in dem Evangelio; aber wollte ſie ſich erſt
in ſeinem Namen verſammeln und dann glau—
ben: ſo verſammelte ſie ſich ja erſt in Ihrem
eigenen ſündigen, ja des Teufels Namen, denn
den Namen Jeſu hätte ſie noch gar nicht er—
kannt. Es geht eben aus Glauben in Glau⸗
ben. Wenn ſich eiliche im Namen des Herrn
verſammeln, ſo thun ſie es, weil ſie an Ihn,
Sein Wort, Seinen Befehl, Seine Zuſage und
Verheißung glauben, und in ſolcher gläubigen
Verſammlung iſt Chriſtus gegenwärtig mit
Seiner ganzen Macht und Gnade.
Alles, Alles, was im Namen Jeſu geſchieht, das
Beten, das Gerechtwerden in dem Namen des
Herrn Jeſu, das Empfangen der Taufe zur Se—
ligkeit in dem Namen des dreieinigen Gottes
Alles ſetzt den Glauben voraus; ohne Glau—
ben iſt Chriſtus nur gegenwärtig
wie bei aller Creatur, die in Ih in
lebt, webt und beſteht, bei den Teu⸗
feln in der Hölle; und wenn die Gläu⸗
bigen ſich verſammeln, Grabau sber und Ande—
re ſind, ohne Glauben darneben unterlaufend,
mit zugegen, ſo können ſie zvar durch Wirkung
des Worts, da Gott Gnade gibt, und gläubigen
Gebets zu der Gemeine derer, die da ſelig wer—
den, auch herzukommen und ſich beſſern, ſie
würden aber von vorn herein zu ganz andern
Dingen ſich eingefunden haben, wenn nicht
jene im Glauben ſich Verſammeln⸗
den unſichtbar den überwiegenden
Einfluß äußerten auf das allge⸗
meine Bewußtſein von Jugendauf;
und ſo lange ſie ſelbſt uoch nicht wahrhaftig
gläubig geworden ſind, iſt Chriſtus mit Gnaden
auch nicht für ſie vorhanden, wenn ſie auch
alle Prediger wären; ſie ſind in ihrem
eigenen verdammlichen Namen dort geweſen,
nicht in dem gnadenvollen Namen ihres Selig⸗
machers, obſchon ſie äußerlich die Ordnung des
Gottesdienſtes ꝛc. mit gehalten haben. Freilich
um dieſes letztern willen, —es bleibt nach Gra⸗
bau's Lehre nichts Anders übrig —meinen ſie,
ſei Chriſtus gegenwärtig; das wäre aber ihnen
nicht mehr und nicht minder nütze, als wenn
ein Holzſtock unter ihnen ſich befände, ja viel⸗
mehr zum Fluche und Verderben.
Der Glaube der Heiligen thut ſich kund, es
kann nicht anders ſein, durch das Bekenntnif,
und nach ſolchem Glauben beſtimmt ſich auch
die göttliche Gabe. Soviel ich glaube, ſagt
Luther, (und darum bekenne,) ſoviel habe ich.
Eine jede Verſammlung, die zu dem Zwecke
dem öffentlichen Bekenntniß nach geſchieht, daß
das, was vorgenommen, zur Ehre Jeſu Chri⸗
ſti, des Heilandes aller Menſchen, gereiche, und
alſo die Seligkeit, die leiblich geiſtige Wohlfahrt
derer, um welcher willen Er Menſch geworden
iſt, dadurch befördert werde, — eine jede ſolche
Verſammlung geſchieht in Seinem Namen; denn
in dieſem iſt das kündlich große gottſelige Ge⸗
heimniß verfaſſet und ſtrahlt geoffenbart die
ganze Lieblichkeit und Fülle des allmächtigen
Verſöhners als in einem Abglanz, wie in dem
Namen Gottes überhaupt deſſelben verborgene
Herrlichkeit gegen Seine hierzu fähigen Ge—
ſchöpfe ſich zu erkennen gibt und alle Worte
und Werke Jehovah's in ſich begreift. Wo nur
2 oder 3 in jenem Namen Verſammelte ſind,
da vereinigt ſich der Himmel mit der Erde und
eine Hütte Gottes wird bei den Menſchen auf⸗
gerichtet. Er wandelt mitten unter den golde—
nen Leuchtern d. i. Seinen Gemeinden, obſchon
das Unkraut von dem Weizen noch nicht geſon⸗
dert iſt, welches in der That Grabau nach der
oben angeführten Aeußerung zu der ſichtbaren
Kirche zu zählen ſcheint.
Wir geben alſo mit Luthern dem Glauben
allein die Ehre und ſagen: wenn kein Glaube
in der Welt an das von Gott ſelbſt urſprüng⸗
lich unmittelbar geredete Wort geweſen wäre
„und noch ſei, ſo würde auch keine Kirche und
kein Amt vorhanden ſein; hingegen die Gra⸗
bauianer: wenn kein Amt und damit keine
Kirche (alſo bloß äußerlich zufanmengehalkten,
hervorgebracht durch geiſtigen Mechanismus,
wie auch Grabau will, kein frrier Organis⸗
mus, der in lebendiger Einheit durch Ineinan⸗
derwirken ſich bethätigt,‚) wäre, ſo gäbe es auch
keinen Glauben auf Erden. Wir leugnen das
Zweite nicht, nur ſtellen wir das Erſte voran;
gleichwie: ubi Spiritus Dei, ibi ecclesia —
und dann erſt: ubi ecclesia, ibi Spiritus Dei;
denn ſonſt würde das aus dem friſchen Hauch
und Wehen des Geiſtes ſtammende innere Le⸗
ben in Werken des Geſetzes, denen es unterge⸗
ordnet ſein müßte, erſtarren. Und merkwürdi⸗
ger Weiſe ſoll unſere Lehre Grabau ſelbſt wi⸗
der ſeinen Willen beſtätigen, da er, um die ſei⸗
nige deſto ſicherer zu behaupten, eine Stelle Lu⸗
ther's Inform. Jahr. 1. S. 60 fg. anführt,
wo ihm gerade auf's Entſchiedenſte widerſpro—
chen wird, wenn es S. 61. unten heißt: Denn
es müſſen ja Etliche ſein, die das Wort und
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