# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S205 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Sakrament recht und rein haben und glauben, recht beten, Gottes Gebote halten ꝛc. ꝛc., wie Gottlob wir bei uns haben, daß man kann ge— wißlich ſchließen: Wohnnicht die rechte Kirche hier wäre, ſo wäre der kei⸗ nes nicht hier; dar um mü ſſen auch unter uns wahrhaftige Glieder der Kirche und Heilige ſein. Wie ſollte das Predigt- und Schlüſſelamt nicht der Kirche zunächſt und unmittelbar gehören, da ſie es iſt, welche die Prediger aus ihrem Schoße erzeugt, da ſie die Hausfrau iſt, in de— ren Gemeinſchaft und durch welche der Ehege— mahl die künftigen Arbeiter heranzieht und be— ſtellt, wie es denn im Werk vor Augen iſt, daß die Kirche Macht hat, Kirchendiener zu ordini— ren (d. h. nach der Sprache der ſym boliſchen Bücher, einzuſetzen,“ wozu allerdings göttlicher Befehl vorhanden iſt!) Artico. Smalc. p. 345.— Der bekannte und gepredigte Chriſtus iſt der Fels, darauf ſie gebaut iſt; Er, das weſentliche Wort, hat Sich ſelbſt zuerſt den Voreltern im Paradieſe und Seinen Jüngern mit menſchli— them Munde gepredigt; Sein alſo verkündigtes mündliches Wort konnte nicht anders behalten werden auf Erden, als allein durch den Glau— ben; 2 oder 3 ſolcher Gläubiger in Gemein— ſchaft ſind bereits die Kirche; wenn ſie nun es iſt, welche auf den Felſen Chriſti, auf Seine Predigt von Sich und Sein Predigtamt gebaut wird, auf das Amt, das von Chriſto des Be— kenntniß führet, Artico. Sm. I. c., und ſie doch die Macht hat dieſes Amt als öffentlichen Dienſt am Wort weiter unter ſich aufzurichten, (vgl. 1. Moſ. 4, 26 fin.:) ſo iſt ja mit dem Glau⸗ ben, den Gläubigen, der Kirche — es bleibt nichts Anders übrig — das Amt des Bekennt— niſſes, der Schlüſſelgewalt geſetzt — wie ſollte und könnte die Kirche Etwas fortführen, das ſie ſelbſt nicht hätte! — welches daher auch im Nothfall, ſo lange es nicht nach ſeiner ihm zu⸗ kommenden Verwirklichung durch eine taugliche Perſon verwaltet wird, durch jedweden Laien ausgerichtet werden kann, was ja unmöglich Statt finden dürfte, wenn nicht das Amt prin- cipaliter der Kirche gehörte, Artice. Sm. I. c., Der Gegner mag ſich drehen und winden, wie er will; hier iſt er gefangen. Wenn das Amt ſeiner Einſetzung nach auf immer in dem Evan— gelio des Mundes Chriſti vorhanden iſt bei jeder Gemeinde, die im Namen Jeſu wahrhaftig verſammelt iſt, wie Grabau ganz richtig ſagt Inform. Jahrg. 1. S. 75: ſo iſt es doch nicht vorhanden toödt und unfruchtbar, ſondern es wird zwar von Chriſto und nach Sei— nem Befehl durch ordentlichen Beruf der Ge— meinde in den Mund eines Lehrers gelegt, aber überall, wohin ſolches Amt nicht ereicht, können und ſollen Glie⸗ der der Kirche, ſoweit ſie hierzu fä⸗ hbig ſind und es nicht wider die von Gott gewollte Einigkeit und Ordnung läuft, um der Liebe Chri⸗ ſti willen vices eines Predigers übernehmen. Grabau ſelbſt macht einen Unterſchied am angeführten Orte zwiſchen Amt — 20— in abstracto und dem in concreto, welchen er früher gegen den ſeligen Pſt. Löber in an⸗ derer Beziehung verhöhnte, ſ. 2. Synodalbrief des erſtern S. 103., und der doch, bereits von unſern alten Theologen adoptirt, ſ. Chr. Loe- beri theologia positiva a. 1711. pag. 973, den ganzen Streit zwiſchen ihm und uns, we⸗ nigſtens zum Theil auch nur, vermitteln könnte, wenn ſein rechthaberiſches und verbittertes Ge— müth es zulaſſen wollte. Das Amt in abstrac- to, d. h. inſofern von ſeiner Verwaltung durch eine hierzu tüchtige Perſon abſtrahirt wird, iſt der Kirche gegeben; ſie hat aber Gottes Gebot, es in concreto aufzurichten, und dieſes wird nun nicht blos nomine Dei, was allerdings das Formale hierbei iſt, ſondern auch zugleich nomine ecclesiae verwaltet. Vergl. Chemnitii barmon. p. 1748. Daher die Auguſtana ar- tic. 5. und der pommerſche Katechismus ſammt dem ſächſiſchen in ſchönſter Uebereinſtimmung mit Gottes Wort und Luther's Lehre ſtehen. — Die Apoſtel, Erſtlinge der Kirche Neuen Teſta— mentes vom Alten Taſtament herüber, waren auch zugleich, von Chriſto unmittelbar erwäh— let, Erſtlinge des neuteſtamentlichen Amtes; im mittelbaren Berufe tritt dieſes ähnlicher Weiſe durch Wirkſamkeit des Geiſtes Chriſti heraus als der innerſte Kreis aus dem Schoß der gan— zen Gemeinde, die ja die Fortſetzung der Thä— tigkeit ihres unſichtbar bei ihr ſeienden Meiſters auf Erden iſt, gleichwie derſelbe leiblich in ihr geboren ward und aufwuchs, und ohne ſie auch die Apoſtel es nicht gegeben hat. Vgl. die bei— den Schlußverſe des unvergleichlichen Luther— ſchen Liedes: Nun freut euch, liebe Chriſten— gemein ꝛc. ꝛc. Mit dem göttlichen Gegebenſein der Gna— denmittel war auch das Amt ihrer Verwaltung und ihres Gebrauchs göttlich eingeſetzt worden, und daſſelbe iſt überall da vorhanden und in Wirkſamkeit, wo eine Verwaltung und ein Ge— brauch von jenen ſtattſindet. Der Gott, der da will, daß eine hrilige Ordnung Seine Gemein— den ziere, will darum auch, daß dieſes Amt, da— durch Chriſtus geiſtlich empfangen wird, über— all, wo eine ſolche Gemeinde iſt, ſich in einem der Ehre würdigen Presbyterate, nicht den Jah- ren, ſondern der Lehrhaftigkeit nach, konzentrire, zu keinem andern Zwecke, als damit die Heili— gen ein vollkommener Mann werden, der da ſei in der Maße des vollkommenen Alters Chriſti; welche Biſchöfe vom Heiligen Geiſt durch die Kirche ausgeſondert, deſignirt und geſetzt ſind, mit der Regierung durch das Wort und dem Haushalt der himmliſchen Familie betraut, Ar— ticc. Sm. p. 346. init., alſo daß ſie um des Berufs willen der Kirche nicht für ihre eigne Perſon da ſind, ſondern als Chriſtus und an Chriſti Statt, Apol. p. 150. Daſ⸗ ſelbe Subjekt, die Kirche, die ſie berufen, iſt nun auch das Objekt ihrer Thätigkeit, inſonderheit die Heerde, welche ihnen befohlen iſt, und nur, wann Gottes Wort es ordnet und befiehlt, dür⸗ fen ſie vom Amte verſetzt oder entfernt werden. Iſt doch Nichts entfernter von der wahren Kirche, als eine ſchrankenloſe Willkühr und Un⸗ abhängigkeit der einzelnen Gemeinden im Kit⸗ chenregiment, Ordination, Liturgie, Zucht und dergleichen Formen für die Freiheit, die das Evangelium lehrt, auszugeben, wenn nur nicht Gnade und Seligkeit damit zugleich erworben werden ſoll. Nein, ſie erkennt das Gebot der Liebe und der Einigkeit im Geiſt des Glaubend durch das Band der Ordnang und des Frit⸗ dens als das königliche Geſetz, dem gemäß auch ihr äußerlicher Eintritt in die Welt geſchehin ſoll; es iſt die Idee, welche der Erſcheinunhs⸗ form der erſten Jahrhunderte, wie ja Hierony⸗ mus u. A. laut bezeugen, zum Grunde laß,! dadurch das unſichtbare Weſen der Kirche zeit— lich ſich offenbarte, die innerlich im Geiſt ihr! gegebene Einheit auch äußerlich darzuſtellen und dem Verbild der Lehre gemäß in einer chriſtlich⸗. evaͤngeliſchen Verfaſſung zu bethätigen geſuct ward. Aber die Kirche ihrem Weſen und Ulxt ſprunge nach als ein ſichtbares Inſtitut und das Aut daher als einen unmittelbar von Chrih der Kirche nur zu ihrem Nutzen beigegebenei und über derſelben ſiehenden Stand geradezu ö im Gegenſatz mit Gottes Wort und Luthersn Lehre zu behaupten, muß nothwendig zur Ver⸗ achtung des rechten geiſtlichen Reiches Chriſi führen und ein anderes blos äußerlich-geſetzli⸗ ches anſtatt deſſelben unter dem Scheine geiſt⸗ licher Gewalt aufrichten, Artioe. Sm. p. 346. Der Grundbegrifi des Evangeliums wird folge⸗ richtig damit untergraben, daß nicht zunächſ!! die Kirche, das Amt, ſondern der Glaube, wel⸗ cher Chriſtum ergreift, ſelig mache; denn wenn! der Glaube allein aus dem Predigtamt in con ereto kommt, wie Grabau ſich nicht entblödel ſcheinbar auseinander zu ſetzen, Inform. Iitg. 1. S. 73. ff. 76. (ogl. dagegen die Foru. Conc. p. 805. §. 29:) ſo iſt die Selighz nicht zunächſt an den Glauben des Worts, ſon⸗ dern an das Amt ſeiner thätigen Verwirklichung nach gebunden, das von den Apoſteln her nicht anders kann als per successionem orliniit tium d. i. episcopalem ſich fortpflanzen, und zu ſeiner nächſten Wirkung erſt die ſichtbare Kir— che, dann die unſichtbare hat — (was freilic ein Unding iſt, denn nur die unſichtbare kann ſichtbar werden —), denn jene bildet dieſe, wil, vor aller Welt von den Papiſten und Grabaui— anern gelehrt wird, ganz gegen Apol. p. 143 s. Artice. Sm. p. 352 sq, welche den Glau⸗ ben und das Bekenntniß der Heiligen über ſol— ches Amt ſetzen, wie ſelbſt ſchon ein Chrpſoſto⸗ mus bezeugte hom. 6. in Matth.: Wo der wahre Glaube iſt, da iſt auch die Kirche; vo aber jener nicht iſt, da iſt auch dieſe nicht. Ni der Kirche iſt das Bekenntniß, das Amt des Geiſtes geſetzt, (Form. Conc. I. e.,) mit dem Bekenntniß des Geſetzes und Evangeli die Schlüſſelgewalt, mit dieſer und zum Behuf derſelben die Macht zu ordnen und den öffent lichen Dienſt am Worte zu beſtellen, welchen der H. Geiſt durch die Kirche, der er gegeben iſt, thut. (Fortſetzung folgt.)