Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 199
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 199
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erfunden werden! Wie aber, wenn ſie mit frev⸗
vler That die Kinder bannen und verfluchen?
Wie oft, wie ernſt und dringend ſind doch jene
Paſtoren, immer bis dahin, ehe der große Riß
geſchah, ermahnt, erinnert, gebeten und geſtraft
worden! Sie haben nicht gehört, ſie haben die
Gemeinde Chriſti nicht gehört, ſondern verach—
tet, einen einzigen ſpäter ansgenommen. Wer
ſind nun die Rotten?
Daß auch von keiner Beſſerung bei ihnen in
dieſer Hinſicht zu ſpüren, beweiſt folgender Fall.
Ein verheiratheter Mann aus Krauſens Ge—
meinde in Milwaukie hatte einen Ehebruch be—
gangen. Die Frau deſſelben erzählt erſt nach
längerer Zeit die geſchehene That ihrer Mutter,
welche in Freiſtatt wohnte; der Mann leugnet
auch gar nicht, da die Frau Augenzeuge gewe⸗
ſen war. Die Mutter, wegen der zunehmenden
Uneinigkeit beider Eheleute in Beſorgniß, zeigt
ſie auf Rath eines Gemeindeälteſten dem Paſtor
und auf deſſen Befragen den ganzen Hergang ih⸗
res Haders anz dieſer nimmt die Perſon, welche
ſich zum Ehebruch hatte hergegeben, ein Mäd⸗
chen aus dem Buſch, in Schutz, weil ſie hart—
näckig es nicht eingeſteht; und an jener Mutter,
obgleich der Schwicherſohn die That mündlich
und ſchriftlich vor Verwandten und Bekannten,
ſelbſt Lor dem Kirchengericht (und ſpäter vor
der lutheriſchen Gemeinde in Milwankie), be—
kannt hat, werden, darum daß ſie eine Verleum⸗—
derin ſei, die gradus admonitionis, (welche in
der That nur eigentliche durch Betrieb der Mut—
ter ſelbſt herbeigeführte Verhandlungen geweſen
ſind,.) vollzogen, und ſie endlich, da Krauſe in—
zwiſchen anderswohin berufen ward, durch ſei—
nen Nachfolger Müller in den Bann gethan.
Kindermann, an den ſie ſich ſchon vorher in ih—
rer Noth gewendet, hatte ihr den Rath gegeben:
da er dieſe Sache nicht über das Knie brechen
lönne, ſo ſolle ſie doch an ihrem Theile, weil ſie
jenes Mä ehn aus Ermangelung anderer Zeu—
gen außer der eigenen Frau nicht überführen
könne, vor der Gemeinde ihre frühere Ausſage
zurücknehmen, die ſie auf Grund des Einge⸗
ſtändniſſes von der einen Seite gethan hatte.
Da ſich nun das Gewiſſen der Mutter darwider
empörte; ſo wollte ein Vorſieher ginz jeſuitiſcher
Moral gemäß es dadurch beſchwichtigen, daß er
antworteter Sie können ja für ſich glauben, daß
es wahr ſei — da Sie es aber doch nicht wahr
machen können, ſo müſſen Sie vor der Gemein—⸗
de ſagen, daß es nicht wahr iſt. Uund Paſtor
Kindermann mit
tigte durch Stillſchweigen ſolche Rede.
ſelbe
Ja der⸗
hat gegen den reuigen Thäter die Acuße—
rung gethan: im Beichtſtuhl könne er es ja be⸗
kennen, nur vor dein Kirchengericht ſolle er ſein
Geſtändniß zurücknehmen.
Gewiſſen redlicher Jünger Chriſti wohl noch
zur Sünde machen, wenn ſie eine Kirche ver—
laſſen, die ſoiche Handlungsweiſe micht blos un⸗
ter ſich duldet, ſondern ſie mit der Lehre beſchö⸗
nigt? Der veſte Grund Gottes beſteht und hat
dieſes Siegel: Der Herr kennet die Seinen, —
Und: Es trete ab von (einer ſolchen offen—
kundigen) Ungerechtigkeit, wer den Namen
ſeinem Kirchengericht beſtä⸗“
Kann man es den
— 14—
Chriſti nennet! — Doch nicht genug. Die ge—
bannte Frau ſchloß ſich an Hrn. Pſt. Keyl an,
und ihr Mann, ein auf unverantwortliche Weiſe
von Kindermann und Müller vernachläſſigter
80jähriger Greis, und zwei ihrer Kinder tha—
ten ebenfalls dieſen Schritt. Der an Krauſens
Stelle eingetretene Paſtor, Müller, verfolgte
nun rieſe mit gleichem Fortſchreiten bis zur Er—
kommunifation, unter dem ſchändlichen Vor—
wand: „Obwohl der damalige Paſtor Krauſe
ein Heuchler geweſen, wie nun offenbar gewor—
den, ſo darf doch niemand bei ſeiner Seligkeit,
bevor nicht ein geiſtliches Gericht einen Prediger
für falſch erkannt und ihn als einen Miethling
und Wolf verurtheilet hat, ſich von einem ſol—
chen Prediger trennen.“ Dieß ſind urkundlich
ſeine eigenen ſchriftlichen Worte. Ja, abgeſehn
davon, daß Krauſe, ſo lange er in dieſer ſerlen—
mörderiſchen Gemeinſchaſt ſich befand, ein treuer
Paſtor, ein treu verdienter Seelſorger hieß, und
alle Uebergriffe deſſelben recht ſein mußten, jetzt
aber, ſeittem er nichts mehr mit den Abtrünni—
gen zu ſchaffen hat, ein offenbar gewordener
Heuchler iſt und ſonſt auf das Freigebigſte mit
allerhand Ehrentiteln beſchenkt wird: ſo will
man mit frecher Stirn hierbei auch“ RMoch ein
Lutheraner ſein. Denn ſo heißt es in jener Zu⸗
ſchrift an die armen mißhandelten Leute wei—
ter: „So hat es die rechtglaubige Kirche Cbriſti
immer gehalten, und ſo iſt es auch Gottes Wort
und unſern Sombolen gemäß.“ Und nachdem
man ſich auf den Schluß des 8. Artikels der
Augsburgiſchen Konfeſſion berufen, — wohl⸗
weislich aber den Anfang verſchwiegen —),
fährt man fort: „Demnach können Sie mit
Ihren Kindern wobl erkennen, in welche Hände
Ihr gerathen ſeid, nämlich in die Hände der
(— sc. verdammten —) Miſſourer Prediger,
die nicht allein in dem ſchrecklichen Irrthum der
Donatiſten liegen, ſondern in noch andern ſee—
lengefährlichen Irrthümern, (— die aber die—
ſes Orts weiter anzuführen nicht für gut befun—
den werden mochte —) ꝛc. ꝛc. ſo ruft die I1
liche Mutter, die chriſtliche Kirche, (— d.
Senior Grabau und ſeine Synode —) we ch
Sie mit Ihren Brüſten geſäugt hat, durch mich
Euch zu, doch bald in ihren? Schoß zurückzuei—
len, und die große Gefahr Eurer Seelen wohl/
bedenket ꝛc. ꝛ2c. Sprecht aber doch ja nicht, wie
dort Dathan und Abiram, die Söhne Eliab's,
da Moſe ſie rufen ließ: Wir kommen nicht hin—
auf. Ihren Ungehorſam, wie er belohnt wer—
den iſt, kann man leſen 4. Buch Moſe 16.
Die meinten auch, daß die Rotte eine Gemeine
des Herrn und heilig wäre, aber der Ausgang
ſerwies es gar anders, nun iſt wohl wahr, daß
Gott nicht immer gleich auf friſcher That ſtraft,
doch ſein Gericht ſchläft nicht. Es heißt, wie
Gott der Herr ſelbſt ſagt: Es kommt die Zeit,
wo ich ſie heimſuchen werde.“ Wenn nun in
dieſem werkwürdigen Aktenſtück unter Anderem
das noch behauptet wird: „Sie, die Miſſourer,
haben ſich auch einer himmelſchreiendenllngerech—
tigkeit zu Schulden kommen laſſen, indem ſie die
damals Abgeordneten, Kaufung und Beebers⸗
dorf, ihre Anklage angenommen haben, anſtatt
ſie an ihr ordentlich rechtmäßiges Kirchengericht
zu verweiſen; (und wenn dieſes auch geirrt hät—
te, wären ſie nach Matth. 18. verpflichtet ge⸗
weſen, es dreimal zu ermahnen.) aber nein, da
zeigen ſie, welches Geiſtes Kinder ſie ſind, da ſie
den Abgeordneten den Rath geben: ſefort ſich.
von Paſtor Krauſen als einem Miethling und
Wolf loszumacher, und einen andern Hirten zu
berufen. Man ſollte gar nicht glauben, daß
ſolche unerhörte Ungerechtigkeit könnte begangen
werden von ſolchen, die ſich Lutheraner heißtn,
das iſt, rechtgläubige Chriſten. Gottes Wort
ſagt doch deutlich genug: Richtet unſer Geſeß
auch einen Menſchen, ehe man ihn verhöret und
erkennt, was er thut? Joh. 7. Da haben ſie.
ſich recht als die Caiphas Brüder erzeigt: Was
bedürfen wir weiter Zeugniß. — 5ſo wird ein
jeder unbefangneIchriſtliche Leſer durch Verglei⸗
chung mit unſerm obigen Bericht, den mehr alo
100 Zeugen beſtätigen, ſowie mit dem erſten
Synodalſchreiken der Miſſouriſynode 1847 und
dem vom ſeligen Paſt. Löber herausgegebenen
Schriftwechſel zwiſchen den Sachſen nud Gra—
nen, wo die Wahrheit und die Lüge, die Rotte
und die rechte Kirche, Chriſtus und Belial zu
finden ſei.
Die Buffaloer Synode hat die Verhandlun⸗
gen unſerer Synode mit den von Pſt. Krauſe
Getrennten, ſowie die Amtsübernahme Paſtor⸗
Keyl's bei ihnen und den von Kindermann.
abgetretenen Kirchhainern mit bittern Schmä—
hungen überhäuft. (Hr. Pſt. Krauſe hat ſeine
Theilnahme an denſelben bereits widerrufen,
und bußfertig bekannt, was zu bekennen war.
Nicht Alles, was die Abgeordneten damals in
Chicago ausgeſagt, kann faktiſch erwieſen wer⸗
den.) Wir wollen den wichtigſten Tifferenz“
punkt zwiſchen beiden, den Artikel von der Kir—
che, hier noch etwas näher beleuchten: ſo wird
ſich uns von ſelbſt zeigen, wie Amtsführung'
und Gebrauch des Bannes darin wurzeln.
Paſtor Krauſe hatte, wie die Buffaloer noch
jetzt, gelehrt: die lutheriſche Kirche ſei eine ſicht—
bare, außer welcher Niemand ſelig
werden könne. Deiſe Lehre iſt pſeudo⸗
lutheriſch, romaniſirend. Wahrhaft katholiſch,
im eigentlichen Sinn des Worts, ſo daß außer
in adjecto) und das iſt die lutheriſche Kirche,
inſofern ſie ſichtbar iſt. S. Carpzovii isag. in
10. symb. . 876. J0o. Gerhardi looe. tho⸗
V. p. 275. ed. Francofurt. Baieri com-
benl theol. pos. p. 769. 768. 770. ed.
Lips. Grabau führt zwar eine Stelle aus
Chemnitä lecc. th. III. de ecel. cd. Witte-
berg. p. 115. ed. Franeofurt. p. 106. zum
Beweiſe ſeiner Lehre an; aber der beſſer Unter⸗
richtete weiß, daß dieſe Worte denn Melanch⸗
thon angehören und zwar nicht der erſten Aus⸗
gabe ſeiner locce. von 1521, ſondenn den ſpäͤ⸗
teren, mit Zuſätzen nicht allemal zu ihrem Vor⸗
theil bereicherten. Wer in ſolchen Sachen nicht
*
bau (Rew Hork 1849),I das Urtheil fällen ön⸗
ihr kein Menſch ſelig werde, kann niemals eine
bloße Partikularkirche ſein, (es iſt contradictia-
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English translation
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