Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 26 › Seite 189

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-07-19, Seite 189

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Glaube in der Gemeine ſo geſunken wäre,
ſo wollte er lieber ſeinen Stock und ſeine
Bibel nehmen und davon gehen. — Beſon⸗
ders als wir, ich und etliche Andere, ihm gründ⸗
lich, aber mit aller Beſcheidenheit, unſere Beden—

ken gegen den vorgelegten Bauplan darlegten.

und dies nicht ohne Einfluß auf Andere zu ſein
ſchien, ſtieg der Zorn des Herrn Paſtors auf's
Aeußerſte und wir wurden bitter behandelt.
Schreiend rief er aus: Es iſt euer ſchändlicher
Unglaube! Ihr Menſchen ſeid ſo verſtockt, wie

Pharao, werdet auch wie derſelbe zur Hölle fah⸗

ren u. ſ. w.—Ferner ſagte P. Grabau: Um die—
ſen gottloſen Menſchen (uns nämlich, die wir
unſer Bedenken gründlich geäußert hatten) zu
zeigen, daß der größte Theil der Anweſenden nicht
in ſolchem Unglauben ſteckt, ſo wollen wir ein—
mal eine Umfrage thun. Darauf wandte er ſich
an ungefähr zwölf ihm nächſtſitzende Glieder und
fragte, wie viel ein Jeder zur Sache geben woll—
te. Da nun die Antworten zur Zufriedenheit
ausfielen (gewiß nur aus Furcht), ſo rief er wie—
der uns zu: Nun, ihr gottloſen Wuſchen, ſchämt
ihr euch noch nicht? Hier habe ich nur Wenige
gefragt, und iſt kein Einziger, der nicht ſein Op—
fer bringen will; wollet ihr noch nicht umkehren
und Buße thun? Darauf antwortete ich: Um ein
ſolches Verſprechen kann ich nicht viel geben.
(Ich ſah nämlich die Art und Weiſe, wie P.
Grabau die Antwort aus den Gefragten heraus
gepreßt hatte; dazu bemerkte ich zwei unter ih—
nen, die früher bei der Schuldentilgung nicht ge—
than hatten, was ſie zu thun ſchuldig waren.)
Auf dieſe meine Antwort forderte P. Grabau in
ſcandalöſer Weiſe die Gemeine auf, zu ſagen, ob ich
nicht damit die ganze Gemeine beleidigt hätte?
Ein Theil der Gemeine ſchrie: Ja, Ja! der an⸗
dere Theil: Nein, Nein! Ich erklärte darauf, daß
ich nur diejenigen damit gemeint haben wollte,

die bisher ihre Schuldigkeit an der Kirche nicht.

gethan hätten. Da nun ein 9 großer Tumult
entſtand, ſo entfernten ſich Mehrere und wir
ebenfalls; aus dem Wlen aber wurde nichts.
Das Nächſte war, daß ich in Kirchenzucht
genommen wurde; ich hatte daher bald bei Hrn.
P. Grabau zur Bermahnung zu erſcheinen. Bei
dieſen ſogenaunten Vermahnungen behandelte er
mich ſehr ſchnöde und ſprach mir geradezu die
Kindſchaft Gottes ab, ſammt aller Hoffnung auf
das ewige Leben; darum müſſe man einen ſol⸗
chen Menſchen vom Leibe Chriſti abſchneiden. —
Darauf erwiederte ich: Ich müſſe zur Ehre und
zum Danke meines Heilandes bekennen, daß ich
das Zeugniß des heil. Geiſtes in meinem Herzen
hätte, daß ich ein Kind Gottes ſei; und dieſen

Troſt ſollte mir kein Teufel rauben, ſo wenig

als er.

Später mußte ich noch mehrere Male vor P.
Grabau und ſeinen Vorſtehern (12—13 an der
Zahl) erſcheinen. Der Zweck aller dieſer Con—
ferenz⸗Vermahnungen, ſollte nach Hrn. P. Gra⸗
bau's Vorgeben ſein, mich zur Erkenntniß und

zum Bekenntniß zu bringen, daß ich mich mit'
meiner Aeußerung in der Gemtineverſammlung
an der ganzen Gemeine verſündigt hät⸗

bau erſuchte, doch mit meiner Erklärung zufrie—

te. Da nun doch ein oder der andere Vorſteher
bei dieſen inquiſitoriſchen Treibereien Herrn P.
Grabau nicht immer Recht ſprechen wollte, ſo
entſtand oft ein wahrer Scandal. Ich wurde
nun zuletzt des Streitens müde, und, um nicht
hartnäckig zu erſcheinen, erklärte ich: Obwohl ich
nicht einſehen könnte, daß ich mich von wegen
dieſer Aeußerung an der ganzen Gemeinde

verſündigt hätte, ſo wollte ich doch um des
Friedens willen zugeben, daß ich damit zu weit

gegangen ſei und erklärte mich bereit, die gemach⸗
te Aeußerung zurückzunehmen und bat um Got⸗
tes Willen, nicht weiter in mich zu dringen, daß
ich wider mein Gewiſſen handeln ſollte.

Als nun darauf ein Vorſteher Hrn. P. Gra—

den zu ſein, antwortete er: Nein, mit nichten
können wir damit zufrieden ſein! Geſetzt auch,
dieſer Menſch ſähe dieſe Eünde ein und wir kä⸗
men hierin zum Frieden, ſo muß er erſt noch ſei—
ne Miſſouriſche Schwärmerei einſehen und ſonſt
diel mehr. (Was zaber das für Schwärmerei ſein
ſollte, wollte er mir nicht ſagen.) Ich erklärte
darauf, daß ich nun völlig überzeugt ſei, daß ſei—
ne Abſicht nur wäre, mich aus der Gemeine zu
entfernenz er möge nun thun, wie er zu thun ge—
dächte.

So wurde ich denn öffentlich in den Bann

gethan und zwar mit ſolchen haßſprühenden
Worten, daß Jedermann leicht erkennen konnte,
daß dieſer Bann offenbar aus perſönlichem Haß
vollzogen wurde. Obgleich jedem Chriſten da-
bei geboten wurde, den gottloſen Menſchen zꝛ
meiden, ihm nichts Liebes und Gutes zu erwei—
ſen; auch nicht zu ihm zu gehen, noch ihn in's
Haus aufzunehmen, ſo wurde dies Gebot doch
nur äußerſt wenig, ja faſt gar nicht beachtet. —
Alle aufrichtige und der Sache kundige Leilte
wiſſen wohl, daß ich nicht als „öffentlicher und
unbußfertiger Sünder,“ wie der Catechismus
will, ausgeſchloſſen bin, ſondern um der von
Herrn Paſtor Grabau erdichteten
Sünden willen.

Jeder unpartheiiſche Leſer kann daraus erken⸗
nen, wozu P. Grabau den Bann gebraucht;
nämlich als eine Keule, womit er diejenigen mo—
raliſch todtſchlägt und dadurch unſchädlich zut
machen ſucht, die ihm in ſeinem hierarchiſchen
Treiben mit Recht widerſtehen. Alſo ganz ähn—
lich, wie es die römiſche Kirche allezeit gemacht
hat.

Ich bin deshalb auch nicht der Einzige, den
ſolches Loos betroffen haͤt, es ſind Mehrere. Un—

liebes Kind, hier iſt ein Bußprediger, ein Buß—

ter Andern hat P. Grabau einen ganz unbeſchol—
tenen chriſtlichen Bruder, Namens Balentin
Brück, darum gebannt, weil derſelbe den Paſtor
Grabau wegen ſeines unchriſtlichen Verfahrens
gegen mich zur Rede ſtellte und ihn deshalb ver—
mahnte. Freilich werden in Verlauf des Bann—
prozeſſes gewöhnlich noch andere Sünden ange⸗
dichtet, welche dann bei Vollziehung des Ban⸗
nes der, mit der Sache unbekannten Gemeine,
angegeben werden, die deshalb, wenn ſie abgele⸗
ſen werden, oft ganz lächerlich lauten.

Ebenſo hat P. Gr. einen alten ſechszigjähri⸗

ſeiner gefährlichen

gen Greis, der ein inniger Verehrer von ihm
war, darum in den Bann gethan, weil ſelbiger
den Herrn P. Grabau um ſeiner Seelen Selig⸗
keit willen ermahnte von ſeinem Treiben abzu⸗
ſtehen und namentlich zu erkennen, welche Ty⸗
rannei er an der Gemeine in Eden, bei Buffalo,
begangen. Als der alte Mann bei P. Grabau
war, ihn zu vermahnen, ſtand er auf und ſagte
zu ſeiner Frau in einem höhniſchen Tone und'
auf den alten Mann hindeutend: Sieh', mein

prediger aus der Hölle; höre ihn doch an, er Wi
uns ja etwas vorpredigen u. ſ. w.

Es iſt ſchauderhaft und für den, dem die eige⸗
ne Erfahrung mangelt, unglaublich, wie dieſer
Mann ſein Amt mißbraucht. So hatte er in
demſelben Jahre 1850 mit ſeiner Gemeine einen
Orgelſtreit. Es ſollte eine Orgel gekauft wer—
den und nachdem die Gemeine in Erfahrung
brachte, daß die Orgel, welche gekauft werden.
ſollte, fehlerhaft ſei, ſo wollte ſie ſie nicht kaufen;
Herr P. Grabau aber beſtand darauf, ſie müßte
gekauft werden, die Gemeine ſei ſolches ſchuldiz
zunthun, aus gewiſſen Verbindlichkeiten gegen
den Verkäufer, welches Alles aber ein falſches
Vorgeben war. Bei dieſer Gelegenheit verkün⸗
digte er l von der Kanzel, daß diejeni⸗
gen, welche ihm in der Orgelſache widerſtanden
hätten, Buße thun und ihre Sünden erkennen
müßten, wenn ſie zum heil. Abendmahl zugelaſſen;
werden ſollten. 2*

Es wird ſich freilich mancher Leſer wundern⸗
wie eine Wahruch Gemeine eine ſolche Tyran—
nei ſich gefallen läßt; allein dies kommt daher,
daß Herr P. Grabau ſeiner Gemeine längſt ein⸗
gepredigt hat, daß mur bei ihm und den Seinen
die wahre Kirche Jeſu ſei und ſonſt nirgends;
und in dieſem Irrthum liegt auch der größte
Dheil der Gemeine gefangen. Man fühlt das
tyranniſche Weſen wehl und die Glieder klagenk
auch gegenſeitig darüber; aber, ſprechen ſie: wo
ſollen wir hin, wir ſind um des Wortes Gottes
willen ausgewandert, unſere Kinder müſſen—
Schule haben und —zu den Miſſouriern können
wir auch nicht, die ſtehen auch falſch,“* ſo müſſen.
wir bleiben und warten, bis der Herr hilft. Ne⸗3
ben ſolchen klagenden und ſeufzenden Seelen ſind
freilich auch nicht wenige Heuchler, die zwar,
wenn ſie zuſammen kommen, über den Paſtor
losziehen, aber wenn ſie vor ſein Angeſicht kom⸗
men, ſich als gar „treue Kirchkinder“ zu ſtellen
wiſſen; und es iſt zu fürchten, daß um dieſer wil⸗
len die Gemeine noch lauge unter dieſer Knech⸗
ſchaft zu ſtehen haben möchte. Der Herr aber
der gnädig und barmherzig iſt, wolle nach Sei⸗
ner Verheißung ſich Seiner Heerde ſelbſt anneh⸗
men und vor allem den Hirten zur Erkenntniß
Irrwege bringen.

(Fortſetzung folgt.)

Daß die armen Leute dies glauben müſſen, iſt nicht zu
verwundern, denn Jahr aus Jahr ein wird in den Predigten
amaufpörlich über die „gottloſen Miſſourier“ geläſtert und
der „Lutheraner,“ das „gottloſe Blatt,“ wird zu leſen ver⸗
boten oder weuigſtens davor, als vor einem höchſt gefährlichen n
Blatte gewarnt. Gerare wie der Papſt mit den lurheriſchen.
Scßriften thut.

English translation

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