# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S204 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nominatio fit, die Gläubigen ſind), welche hier kurch reines, katholiſches Glaubensbekenntniß ſich offenbart, denn ohne Vorhandenſein einer Kirche, einer Verſammlung von Gläubigen, rürden Chriſti Sacramente, wie Sein Wort, ja gar nicht angenommen und bekannt und Seiner Einſetzung gemäß gehandelt: ſo iſt Chriſtus auch überhaupt nur da mit Seiner perſönlichen Gnadengegenwart, wo ſeine Ver— htißung geglaubt wird, man alſo das Evange⸗ lium und damit die Vergebung der Sünden hat und beſitzt, und dieſe Güter im Wort und Sa⸗ rament durch das Amt, das Er gegeben, aus⸗ theilt. Ein furchtbarer Irrthum iſt es, den Grabau ausſpricht, wenn er S. 75 ſagt: Das Predigt⸗ und Schlüſſelamt werde aus Chriſti Wort und Mund in eines Hirten und Lehrers Mund gelegt durch das Mittel des ordentlichen trufs—alſo doch vermittelſt der Kirche —ob— ſchon nicht blos unter den Berufenden Un⸗ gläubige, ſondern auch alle Berufen⸗ den ihrer Perſon halben ungläu⸗ big und Heuchler wären und gar ltine geiſtlichen Prieſter. Der ordent⸗ liche Beruf in der Kirche nach Aehnlichkeit und Ordnung des Evangelii ſchöpfet allerdings das mi aus dem Wort des Mundes Chriſti und kefiehlt es der Perſon, die berufen wird; aber das it ja eben die Kirche, welche das thnt, denn oh⸗ ne unſichtbare keine ſichtbare. Die Perſonen thun Nichts dazu, aber Chriſtus gibt Sich und Seine Güter nur den Gläubigen. Wohl richtet ſch die verſammelte Kirche nur in Chriſti geof— ſenbarten Wilken und gnädige Verheißung, wie Grabau bemerkt; aber kann dieſes ſich Richten denn geſchehen, ohne allein durch den vorherge— henden wahren Glauben? Nicht einmal, wenn, vie bei den Papiſten, ein blos hiſtoriſcher Glau— be als zureichend behauptet wird; denn dieſer hat keine Verleugnung des eignen Willens zur ſolge. Das Amt des Wortes iſt allerdings ins Wort des Mundes Chriſti ſelbſt gebunden, muß zuch daraus nothwendig fließen, wenn es ir— gendwo einer Perſon anbefohlen werden ſoll; uber dieſes Wort, dieſe Stimme des Evange⸗ liums, hat eben auf Erden durch Chriſtum und in Ihm nur die rechtgläubige Kirche. —Kann kenn Jemand ein Prediger werden, ohne daß er nicht vorher in der Taufe ein geiſtlicher Prieſter Agtworden iſt? Iſt alſo nicht der gemeine Chri— ſenſtand über der Prediger Stand, und in Chri— Iio die wirkende Urſache des letztern? Das Wi— netheil, einen Stand aus dieſem zu machen, der tiſſer ſei denn jener, ſagt Luther in feiner Aus— lgung des 117. Pſalms, das iſt verkehrt Ding ind Chriſtus verleugnet und verflucht; ſie ſol⸗ kn dienen und helfen zum Chriſtenſtand, wie ie Schulen, Hauszucht und weltliches Regi— mart, ſammt allen andern Ercaturen; aber beſ⸗ ſir oder höher, denn Chriſtenſtand, ſollen ſie icht fein; der Chriſtenſtand ſoll über Alkes und Ules ſchweben, wie der Himmek über der Erde; Inn es iſt (als der urſprünglichſte) Chriſti Ctand ſelbſt und Gottes eigen Werk. Nnd wie das wolle verſtanden haben, zeigt er in ſeinen törterungen gegen Dr. Eck von der Gewalt des Papſtes 1519, da er ſpricht: „Alſo hat der Glaube Alles bei ſich, was auf den Glauben folgt, Schlüſſel, Sacrament, Gewalt und alles Andere.“ Mit dieſem Donnerwort ſtößt er Grabau's ganze mühſam aufgebaute Rechtferti⸗ gung ſeiner Irrlehre über den Haufen und macht ſie mit einem Male zu Schanden, denn es iſt auf Gottes ewigen Spruch gegründet, daß die Chriſten die Herren der Welt ſeien durch den Glauben, denn es ſei Alles, Alles ohne Aus⸗ nahme ihnen, Kor. I, 3, 22; nur durch die Liebe diene jeder dem Andern, und alſo auch die Pre⸗ diger durch ordentlichen Beruf. Vgl. die ſchla— genden Worte eines Chemnitz in ſeinem Examen concil. Trid. II. can. 10. wie J. Gerh. loce. th. VI. p. 47 sg. (Es iſt eine auffallende Thatſache, daß dieſelben Einwendungen gegen die lutheriſche Lehre in dieſen Punkten bei einem Grabau von Neuem, (wie früher bei den Puſe⸗ yiten,) ſich finden, welche bereits Männer, wie die ebengenannten, ſiegreich gegen einen Bellar⸗ min und ſeine Vorgänger und unwiderleglich zurückgewieſen haben.) Wohl verläßt ſich der Glaube auf die Zuſage ſeines Gottes und ſiehet in ihr den gegenwärti— gen Chriſtum; die gläubige Kirche richtet ſich in das Wort ſeines Mundes und ſuchet nichts in ihrem eignen Glauben, ſondern ihr Glaube ſucht Alles in dem Evangelio; aber wollte ſie ſich erſt in ſeinem Namen verſammeln und dann glau— ben: ſo verſammelte ſie ſich ja erſt in Ihrem eigenen ſündigen, ja des Teufels Namen, denn den Namen Jeſu hätte ſie noch gar nicht er— kannt. Es geht eben aus Glauben in Glau⸗ ben. Wenn ſich eiliche im Namen des Herrn verſammeln, ſo thun ſie es, weil ſie an Ihn, Sein Wort, Seinen Befehl, Seine Zuſage und Verheißung glauben, und in ſolcher gläubigen Verſammlung iſt Chriſtus gegenwärtig mit Seiner ganzen Macht und Gnade. Alles, Alles, was im Namen Jeſu geſchieht, das Beten, das Gerechtwerden in dem Namen des Herrn Jeſu, das Empfangen der Taufe zur Se— ligkeit in dem Namen des dreieinigen Gottes Alles ſetzt den Glauben voraus; ohne Glau— ben iſt Chriſtus nur gegenwärtig wie bei aller Creatur, die in Ih in lebt, webt und beſteht, bei den Teu⸗ feln in der Hölle; und wenn die Gläu⸗ bigen ſich verſammeln, Grabau sber und Ande— re ſind, ohne Glauben darneben unterlaufend, mit zugegen, ſo können ſie zvar durch Wirkung des Worts, da Gott Gnade gibt, und gläubigen Gebets zu der Gemeine derer, die da ſelig wer— den, auch herzukommen und ſich beſſern, ſie würden aber von vorn herein zu ganz andern Dingen ſich eingefunden haben, wenn nicht jene im Glauben ſich Verſammeln⸗ den unſichtbar den überwiegenden Einfluß äußerten auf das allge⸗ meine Bewußtſein von Jugendauf; und ſo lange ſie ſelbſt uoch nicht wahrhaftig gläubig geworden ſind, iſt Chriſtus mit Gnaden auch nicht für ſie vorhanden, wenn ſie auch alle Prediger wären; ſie ſind in ihrem eigenen verdammlichen Namen dort geweſen, nicht in dem gnadenvollen Namen ihres Selig⸗ machers, obſchon ſie äußerlich die Ordnung des Gottesdienſtes ꝛc. mit gehalten haben. Freilich um dieſes letztern willen, —es bleibt nach Gra⸗ bau's Lehre nichts Anders übrig —meinen ſie, ſei Chriſtus gegenwärtig; das wäre aber ihnen nicht mehr und nicht minder nütze, als wenn ein Holzſtock unter ihnen ſich befände, ja viel⸗ mehr zum Fluche und Verderben. Der Glaube der Heiligen thut ſich kund, es kann nicht anders ſein, durch das Bekenntnif, und nach ſolchem Glauben beſtimmt ſich auch die göttliche Gabe. Soviel ich glaube, ſagt Luther, (und darum bekenne,) ſoviel habe ich. Eine jede Verſammlung, die zu dem Zwecke dem öffentlichen Bekenntniß nach geſchieht, daß das, was vorgenommen, zur Ehre Jeſu Chri⸗ ſti, des Heilandes aller Menſchen, gereiche, und alſo die Seligkeit, die leiblich geiſtige Wohlfahrt derer, um welcher willen Er Menſch geworden iſt, dadurch befördert werde, — eine jede ſolche Verſammlung geſchieht in Seinem Namen; denn in dieſem iſt das kündlich große gottſelige Ge⸗ heimniß verfaſſet und ſtrahlt geoffenbart die ganze Lieblichkeit und Fülle des allmächtigen Verſöhners als in einem Abglanz, wie in dem Namen Gottes überhaupt deſſelben verborgene Herrlichkeit gegen Seine hierzu fähigen Ge— ſchöpfe ſich zu erkennen gibt und alle Worte und Werke Jehovah's in ſich begreift. Wo nur 2 oder 3 in jenem Namen Verſammelte ſind, da vereinigt ſich der Himmel mit der Erde und eine Hütte Gottes wird bei den Menſchen auf⸗ gerichtet. Er wandelt mitten unter den golde— nen Leuchtern d. i. Seinen Gemeinden, obſchon das Unkraut von dem Weizen noch nicht geſon⸗ dert iſt, welches in der That Grabau nach der oben angeführten Aeußerung zu der ſichtbaren Kirche zu zählen ſcheint. Wir geben alſo mit Luthern dem Glauben allein die Ehre und ſagen: wenn kein Glaube in der Welt an das von Gott ſelbſt urſprüng⸗ lich unmittelbar geredete Wort geweſen wäre „und noch ſei, ſo würde auch keine Kirche und kein Amt vorhanden ſein; hingegen die Gra⸗ bauianer: wenn kein Amt und damit keine Kirche (alſo bloß äußerlich zufanmengehalkten, hervorgebracht durch geiſtigen Mechanismus, wie auch Grabau will, kein frrier Organis⸗ mus, der in lebendiger Einheit durch Ineinan⸗ derwirken ſich bethätigt,‚) wäre, ſo gäbe es auch keinen Glauben auf Erden. Wir leugnen das Zweite nicht, nur ſtellen wir das Erſte voran; gleichwie: ubi Spiritus Dei, ibi ecclesia — und dann erſt: ubi ecclesia, ibi Spiritus Dei; denn ſonſt würde das aus dem friſchen Hauch und Wehen des Geiſtes ſtammende innere Le⸗ ben in Werken des Geſetzes, denen es unterge⸗ ordnet ſein müßte, erſtarren. Und merkwürdi⸗ ger Weiſe ſoll unſere Lehre Grabau ſelbſt wi⸗ der ſeinen Willen beſtätigen, da er, um die ſei⸗ nige deſto ſicherer zu behaupten, eine Stelle Lu⸗ ther's Inform. Jahr. 1. S. 60 fg. anführt, wo ihm gerade auf's Entſchiedenſte widerſpro— chen wird, wenn es S. 61. unten heißt: Denn es müſſen ja Etliche ſein, die das Wort und