Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 7 › Seite 216
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juli 1864, Seite 216
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Rechtfertigung 32
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Zum Kirchenstreit der lutherischen Freikirche in Preußen.
Mit diesem Jahre rückt die Generalsynode heran, welche den schwebenden Kirchenstreit zu entscheiden haben wird, wenn sie es vermag. Ueber vier Jahre hat der Kampf schon gedauert, der vierte Theil der Pastoren ist darüber mit seinen Gemeinden zur Kirche hinausgedrängt und steht im feindlichen Gegensatze zu dem Breslauer Kirchenregiment, so daß die Abendmahlsgemeinschaft aufgehoben ist; und vielleicht noch mehr als ein Viertel schwankt ungewiß zwischen Gehen und Bleiben, macht sich aber schon auf einen traurigen Abschied gefaßt. Die Generalsynode wird unter diesen Umständen mit Spannung erwartet; ihre Entscheidung kann auf lange hin verhängnißvoll für die Kirche werden. Daher wird von beiden Seiten mit Macht gearbeitet, den verfochtenen Lehren oder Ansichten vorher Eingang zu verschaffen und so eine günstige Stellung zu gewinnen. Denn natürlich wird die Generalsynode keine Lehrentscheidung treffen dürfen, aber sie wird doch erklären müssen, welche Lehre die richtige lutherische ist, und vielleicht auch, welche dem gemäß zu gelten hat. Da das nach Stimmenmehrheit geschieht, so könnte unter Umständen der Minderheit nur Unterwerfung oder Austritt übrig bleiben.
Neben den beiden Conferenzen, welche zur gegenseitigen Verständigung und Bekämpfung gehalten sind, haben auch mehrere Streitschriften Hand an das Werk gelegt, von denen zwei früher angezeigt sind. Zwei andre sind nachgefolgt, die eine des Geh. Raths Dr. Huschke: „Die streitigen Lehren von der Kirche, dem Kirchenamt, dem Kirchenregiment und den Kirchenordnungen“ (Leipzig bei Dörfling und Franke), und die andre des Pastor Brunn in Nassau: „Einfältiges Bekenntniß in Sachen unseres Kirchenstreites, im Namen vieler abgelegt“ (Leipzig bei Naumann); jenes ein gelehrtes ausführliches Werk, dieses ein einfaches bescheidenes Zeugniß von nur 18 Seiten, gegen jenes gerichtet. Wie sich erwarten ließ, hat Dr. Huschke in seiner Schrift mit großem Scharfsinn ein Material gesammelt und verarbeitet, das auch denen von Nutzen sein kann, die seiner Meinung nicht sind. Das erkennt auch Brunn an, der namentlich rühmen muß, daß Dr. Huschke das Kirchenregiment und die Ordnungsgewalt über den Pastoren siegreich gegen Diedrich als lutherisch erwiesen hat.
Nachdem nun die Parteien sich ausgesprochen haben, wäre es von Interesse, ihr gegenseitiges Verhältniß kennen zu lernen. Das ist aber zur Zeit noch nicht möglich. Z. B. ist nicht zu bezweifeln, daß die Anschauung, welche Dr. Huschke dargelegt hat, nur seine Anschauung ist, und im ganzen Umfange von nur sehr wenigen möchte getheilt werden. Eben so bleiben wir in Zweifel, wie sich Lohmann und Brunn zueinander, und wie sich beide zu den übrigen ihrer Partei verhalten. Daß dasselbe bei der Diedrichschen Partei der Fall ist, oder daß sich hier sehr große Verschiedenheiten befinden, ist bekannt. Die ganze Streitmasse ist gewissermaßen noch in Gährung, und ein fester Niederschlag bildet sich erst allmählich.
Es ist immer mißlich, für solche Richtungen kurze Bezeichnungen zu wählen, die als Stichwörter den Nagel auf den Kopf treffen, nebenbei aber auch den Nagel krumm schlagen können. Wäre das nicht, so würd' ich Diedrich's Kirche eine Pastorenkirche, Brunn's eine Gemeindekirche und Huschkens eine bischöfliche oder Regiments-Kirche nennen, nämlich auf das Regiment gesehen. Was aber die beiden letztern anbetrifft, so will Huschke keine eigentlichen Bischöfe alten Stils. Er will nur das Regieramt des alten Bisthums kraft göttlichen Befehls in der Kirche festgehalten wissen; dies Regieramt ist aber der Sache nach bischöflich. Brunn dagegen will mit seiner Gemeindekirche weder ein oberstes Regiment beseitigen, das er für nothwendig hält, noch das Predigtamt um sein göttliches Recht bringen oder von der Gemeinde ausschließen. Er verlegt nur die Kirchengewalt in die Gemeinde der Gläubigen und betrachtet diese als den tragenden Grundstock und die Wurzel der sichtbaren Kirche. Da ihm nun die Kirchengewalt ursprünglich in der gläubigen Gemeinde ruht, so stellt er sich in entschiedenen Gegensatz gegen Huschke, welcher die Kirchengewalt ursprünglich in dem Regieramte ruhen läßt, so weit dieses mit Verfassung, Ordnung und Leitung der Kirche zu thun hat. Hier regiert das Amt die Kirche aus Gottes Befehl, dort regiert die gläubige Gemeinde durch ein von ihr selbst gesetztes und besetztes Amt.
Auf diesem Grunde gehen die beiden Anschauungen völlig auseinander, und zwar so, daß man ihre völlig verschiedene Natur erkennt. Brunn ist das erste die gläubige Gemeinde, welche sich in zweiter Linie zu einer sichtbaren Kirche und zu
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On the Church Conflict of the Lutheran Free Church in Prussia.
This year brings the approach of the General Synod, which will have to decide the pending church conflict — if it is able to. The struggle has already lasted over four years; a quarter of the pastors have thereby been pushed with their congregations out of the church and stand in hostile opposition to the Breslau church government, so that altar fellowship has been suspended; and perhaps more than another quarter wavers uncertainly between staying and leaving, but is already bracing itself for a sad parting. Under these circumstances the General Synod is awaited with tension; its decision may become fateful for the church for a long time to come. Both sides are therefore working with all their might to gain prior acceptance for the doctrines or views they champion, and so to win a favorable position. For naturally the General Synod will not be permitted to render a doctrinal decision, but it will nevertheless have to declare which doctrine is the correct Lutheran one, and perhaps also which is to hold good accordingly. Since this happens by majority vote, under some circumstances nothing might remain to the minority but submission or withdrawal.
Besides the two conferences held for mutual understanding and contention, several polemical writings, too, have set their hand to the work, two of which have been noticed earlier. Two others have now followed: one by the Privy Councillor Dr. Huschke, "The Disputed Doctrines Concerning the Church, the Church Office, Church Government, and Church Orders" (Leipzig, Dörfling and Franke), and the other by Pastor Brunn in Nassau, "A Simple Confession in the Matter of Our Church Conflict, Laid Down in the Name of Many" (Leipzig, Naumann); the former a learned, detailed work, the latter a simple, modest testimony of only 18 pages, directed against the former. As was to be expected, Dr. Huschke has, in his work, gathered and worked up material with great acuity that can be of use even to those who do not share his opinion. Brunn, too, acknowledges this, and must in particular praise the fact that Dr. Huschke has victoriously demonstrated, against Diedrich, that church government and the ordering authority over the pastors are Lutheran.
Now that the parties have spoken their minds, it would be of interest to become acquainted with their mutual relationship. But that is not yet possible at this time. For example, there is no doubt that the view which Dr. Huschke has set forth is only his own view, and would probably be shared, in its full extent, by only very few. Likewise we remain in doubt as to how Lohmann and Brunn stand toward each other, and how both relate to the rest of their party. That the same is the case with the Diedrich party, or that very great differences are to be found there, is well known. The whole mass of the controversy is, so to speak, still in ferment, and a firm precipitate is only gradually forming.
It is always risky to choose short designations for such tendencies that, as catchwords, hit the nail on the head, but that can, incidentally, also bend the nail crooked. Were that not so, I would call Diedrich's church a pastors'-church, Brunn's a congregation-church, and Huschke's an episcopal or government-church — namely, with an eye to church government. But as for the latter two, Huschke wants no actual bishops of the old style. He wants only the governing office of the old bishopric, by virtue of divine command, to be firmly maintained in the church; this governing office, however, is, as a matter of substance, episcopal. Brunn, on the other hand, with his congregation-church, wishes neither to abolish a supreme government, which he holds to be necessary, nor to deprive the preaching office of its divine right or exclude it from the congregation. He merely locates church power in the congregation of believers, and regards this as the sustaining foundation and root of the visible church. Since, then, church power originally rests for him in the believing congregation, he places himself in decided opposition to Huschke, who lets church power rest originally in the governing office, insofar as this has to do with the constitution, order, and direction of the church. Here the office governs the church by God's command; there the believing congregation governs through an office instituted and filled by itself.
On this ground the two views diverge completely, and indeed in such a way that one recognizes their wholly different nature. For Brunn, the believing congregation is the first thing, which in the second instance forms itself into a visible church and into