Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 3 › Seite 95
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1864, Seite 95
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Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 95
dem Gesangbuche hier dem Spotte preisgegeben werden. Münchmeyer: Die Lieder seien niemals im Hause gesungen; das sei eine offenbare Unwahrheit. Der Präsident untersagt den Ausdruck und bittet den Antragsteller, fortzufahren. Uhlhorn, Münchmeyer, Durlach, Niemann, Probst, Lührs, Münkel, Ernst, Arnemann, Stracke, Seffer, Hardeland, Jacobi, Dankwerts verlassen den Sitzungssaal. — Dieselben treten wieder ein. Münkel verliest folgende von ihnen unterzeichnete Verwahrung, der sich viele im Saale verbliebene Geistliche anschließen: „„Wir unterzeichneten Mitglieder der Vorsynode legen Verwahrung dagegen ein, daß Lieder, in welchen unsere Gemeinden im öffentlichen Gottesdienste zu Gott beten, in den Verhandlungen der Vorsynode als solche bezeichnet werden dürfen, welche Spott erregen.““ Volkmar: Er habe nie gesagt, die Lieder müssen, d. h. sie können nicht anders, als in der Schule Spott erregen.“
Hessen. Folgendes lesen wir im Freimund vom 24. Decbr. v. J.: Im Großherzogthum Hessen lebt ein Professor, Namens Schwabe. Dieser Mann war Pfarrer und hatte das Evangelium lieb. Ja es war ihm ein Anliegen, daß es sollte weiter verbreitet werden. Er beschäftigte sich mit besonderer Vorliebe mit den alten Liedern unserer Kirche. Er wollte den kirchlich theilnahmlosen Laien mehr Theilnahme an der Kirche beibringen und vereinigte sich mit einigen gleichgesinnten Geistlichen zu einer Evangelischen Conferenz und gründete die Evangelischen Blätter. Conferenz und Blätter sollten die Kirche befördern und unterstützen. Und wohin ist dieser Mann mit seinem Blatte gekommen? Gerade so weit, wie der Pfälzer Courier und die badische Landeszeitung. Wie diese, folgt der Redacteur der Evangelischen Blätter dem Kirchenregimente Schritt für Schritt. Jede Verordnung, jede Besetzung einer Stelle sogar, jede Handlung des Kirchenregiments wird der Kritik unterzogen, wobei das wichtigste ist, ob es den Blättern zusagt oder nicht. Schwabe ist jetzt Professor. Da gebehrdet er sich dem Kirchenregimente gegenüber, wie ein Schulmeister gegen den Schüler. Hat das Kirchenregiment einen Menschen nach Schwabes Sinn an eine Stelle gesetzt, so wird es gelobt. Ist der Beförderte orthodox, so ist ein Unglück los. Oft gemahnen den Leser die einzelnen Artikel, als ob sie von stellenhungrigen Candidaten verfaßt wären, die mehr daran denken, eine Stelle zu haben, als der Stelle zu warten, die mehr denken an das Scheeren der Wolle, als an die rechte Weide der Schafe. Das Geschelte gleicht dem Klaffen eines sibirischen Wolfes, der im Winterhunger den Raub wittert. Aber das Unwesen geht noch weiter. Wenn eine Stelle frei wird, und ein Lutheraner meldet sich bei dem Landesherrn um diese, so wird dieser von den Evangelischen Blättern angebellt, wie der Bettler vom wüthenden Kettenhunde. Man weiß gar nicht, woher sie erfahren, daß diese oder jene Meldung geschehen ist, so hat schon das Gebelle begonnen. Und noch schlimmer ist es. Selbst die schwersten Sünden gegen das achte Gebot erlaubt man sich. Weil einige Patrone in Hessen auf lutherische Stellen solche Bewerber präsentirt haben, welche die lutherischen Bekenntnisse in Wahrheit bekennen, so sollen diese eine Art Bund haben und sich verpflichtet haben, nur Orthodoxe anzustellen. Evangelisch heißen die Blätter, sie handeln aber nicht evangelisch. Da ist kein Evangelium und kein evangelisches Wesen. Da ist eitel Hoffart, Geiz, Hader, Zwietracht, Zank, Mord, Haß, Bitterkeit, Lästerreden, Schalksauge.
Feldcaplan. Als im December v. J. der Ausmarsch von 6000 Mann sächsischer Truppen nach Holstein beschlossen war, wurde sofort der Hülfsprediger J. F. Pötzschke zu Stollberg zum Feldprediger designirt, welcher denn auch alsobald mit den Truppen abging. Es dürfte namentlich unter den gegenwärtigen Umständen interessant sein, zu erfahren, wie die Stellung eines Feldpredigers in einem lutherischen Lande, wie Sachsen, gegenwärtig beschaffen ist. Hierüber theilt das Sächs. Kirchen- und Schulblatt vom 7. Jan. Folgendes mit: Der evangelische Feldprediger hat nach dem Dienstreglement für die sächsische Armee den Rang eines Oberlieutenants, empfängt zum Ausrüstungsaufwande 50 Thlr. Unterstützung, ferner 50 Thlr. monatlichen Gehalt, Naturalverpflegung gleich den Offizieren seines Ranges und auf dem Marsche freies Fortkommen in einer Commissariats-Chaise. Auch wird ihm auf seinen Wunsch ein Soldat als Diener beigegeben, dem er jedoch eine Löhnungszulage von 1 Thlr. 10 Ngr. monatlich zu gewähren hat. Tritt das Contingent auf den Friedensfuß, so erhält er bis zu seiner Wiederverwendung im Civilstande Wartegeld. Bei Eintritt der Invalidität während des Feldzuges ist ihm ein entsprechender Ruhegehalt, im Todesfalle der Wittwe und den Kindern Pension nach Vorschrift des Civilstaatsdienergesetzes zu gewähren. Die vasa sacra, Kirchenbücher und Agenden sind aus dem Kriegsministerium verabreicht worden. Die Verpflichtung Pötzschkes ist durch den Sup. Schneider in Stollberg erfolgt. In seiner Vocation wird er „im Namen der heil. Dreieinigkeit dergestalt zu dem Amte berufen, daß er darin einen göttlichen Ruf erkennen und demgemäß den seiner Seelsorge anvertrauten Truppen das reine unverfälschte Wort Gottes, wie es in der heil. Schrift Alten und Neuen Testamentes enthalten und in der ungeänderten Augsb. Confession vom Jahr 1530, sowie in den übrigen symbolischen Büchern der ev.-luth. Kirche dargestellt und wiederholt ist, auslegen und predigen, die hochw. Sacramente nach der Einsetzung unseres HErrn JEsu Christi und nach der in hiesigen Landen geltenden Kirchenordnung verwalten,
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Church-Related Contemporary Affairs. 95
hymnbook are here exposed to ridicule. Münchmeyer: these hymns are never sung in the home; that is a plain untruth. The president forbids the expression and asks the speaker to continue. Uhlhorn, Münchmeyer, Durlach, Niemann, Probst, Lührs, Münkel, Ernst, Arnemann, Stracke, Seffer, Hardeland, Jacobi, and Dankwerts leave the assembly hall. — The same return again. Münkel reads out a protest signed by them, to which many clergy remaining in the hall attach themselves: "We, the undersigned members of the pre-synod, enter our protest against the fact that hymns, in which our congregations pray to God in public worship, may be described, in the proceedings of the pre-synod, as hymns that provoke ridicule." Volkmar: He never said that the hymns must, i.e., that they cannot help but, provoke ridicule in school."
Hesse. We read the following in the Freimund of December 24 of last year: In the Grand Duchy of Hesse there lives a professor by the name of Schwabe. This man was a pastor and loved the gospel. Indeed, it was a matter close to his heart that it should be further spread. He occupied himself with special fondness for the old hymns of our church. He wanted to bring more participation in the church to laypeople who were otherwise indifferent to it, and joined with several like-minded clergymen to form an Evangelical Conference, and founded the Evangelische Blätter. The conference and the paper were meant to promote and support the church. And where has this man ended up with his paper? Exactly as far as the Pfälzer Courier and the Baden Landeszeitung. Like these, the editor of the Evangelische Blätter follows the church government step by step. Every ordinance, every appointment to a position, indeed every act of the church government, is subjected to criticism, the most important question being whether it suits the paper or not. Schwabe is now a professor. There he conducts himself toward the church government like a schoolmaster toward a pupil. If the church government appoints someone to a position to Schwabe's liking, it is praised. If the one promoted is orthodox, then there is an outcry. The individual articles often remind the reader as though they had been written by candidates hungry for a position, who think more about having a position than about tending to it, who think more about shearing the wool than about the proper pasturing of the sheep. The scolding resembles the yelping of a Siberian wolf that scents its prey in winter hunger. But the mischief goes further still. When a position becomes vacant and a Lutheran applies to the sovereign for it, he is barked at by the Evangelische Blätter, as a beggar is by a raging watchdog. One does not even know how they learn that this or that application has been made, yet the barking has already begun. And it is worse still. Even the gravest sins against the eighth commandment are permitted to themselves. Because some patrons in Hesse have presented to Lutheran positions candidates who truly confess the Lutheran confessions, these are alleged to have formed a kind of league and to have pledged themselves to appoint only the orthodox. The paper calls itself "Evangelical," but its actions are not evangelical. There is no gospel there, and no evangelical spirit. There is nothing but vain pride, greed, strife, discord, quarreling, murder, hatred, bitterness, slander, and an evil eye.
Field Chaplain. When, in December of last year, the march-out of 6,000 Saxon troops to Holstein was decided upon, the assistant preacher J. F. Pötzschke of Stollberg was immediately designated field preacher, and accordingly set out at once with the troops. It may be of particular interest, under present circumstances, to learn what the position of a field preacher in a Lutheran land such as Saxony is presently like. On this the Saxon Church and School Paper of January 7 reports the following: The Evangelical field preacher, according to the service regulations for the Saxon army, holds the rank of first lieutenant, receives 50 thalers in support for equipment expenses, further 50 thalers monthly salary, rations in kind equal to officers of his rank, and, on the march, free conveyance in a commissariat carriage. He is also, at his own request, assigned a soldier as servant, to whom, however, he must grant a wage supplement of 1 thaler 10 groschen monthly. Should the contingent be placed on a peace footing, he receives waiting-pay until his re-employment in civilian status. Should disability occur during the campaign, a corresponding pension is to be granted him, and, in the event of his death, a pension to his widow and children according to the provisions of the civil-servants' pension law. The sacred vessels, church registers, and service books have been issued from the War Ministry. Pötzschke's installation was carried out by Superintendent Schneider of Stollberg. In his call he is "in the name of the Holy Trinity, called to this office in such a way that he is to recognize therein a divine calling and accordingly to expound and preach to the troops entrusted to his pastoral care the pure, unadulterated Word of God, as it is contained in the Holy Scripture of the Old and New Testaments and as it is set forth and reaffirmed in the unaltered Augsburg Confession of the year 1530 and in the other symbolical books of the Evangelical Lutheran Church, and to administer the venerable sacraments according to the institution of our Lord Jesus Christ and according to the church order in force in these lands,