Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 3 › Seite 73
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1863, Seite 73
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Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 73
Im Gegentheil, sie wird gerade so bleiben, wie sie ist. Denn soll sie zerfallen, so müssen „die kleinsten Theilchen, aus welchem ein Körper besteht," genöthigt werden, den Ort, den sie soeben einnahmen, zu verändern und mit einem andern Ort zu vertauschen. Dazu wäre schlechterdings Kraft erforderlich. Ist also keine Kraft vorhanden, so wird sicherlich jedes Theilchen ruhig in seinem Ort verharren. Nun aber sollen die kleinsten Theilchen, wenn sie keine Kraft besitzen, nicht blos zerfallen, sondern dann sollen sie die höchste denkbare, ganz unermeßliche Kraft besitzen, gegen welche die Wucht des größten Hammers, die verzehrende Kraft des intensivsten Feuers für nichts geachtet werden muß, die Kraft nämlich: sich selbst, die unsterblichen und ewigen Atome, in Nichts zu verwandeln, ihre Qualität, ihr Sein, ihr Alles zu zerstören. Und sie besitzen dann nicht nur diese Kraft, sie versetzen sie auch in die energischeste Thätigkeit: die Zerstörung geschieht wirklich und augenblicklich! Dieselbe Schlußfolgerung wird nochmals wiederholt. Denken wir uns die kleinsten Theilchen eines Urstoffes kraftlos, „so müssen sie sich selbst aufheben und spurlos im Weltenraume verschwimmen." Man mag daraus erkennen, wie nöthig es war, daß der Verfasser gleich auf der Rückseite des Titels seines Werkes die Worte Ludwig Feuerbach's als Motto voranstellte: „Es ist ein specifisches Kennzeichen eines Philosophen, kein Professor der Philosophie zu sein." Die materialistische Philosophie fordert eine ganz andere Art philosophischen Denkens, als man von einem Professor der Philosophie erwartet. — Wir kommen nun zu dem Beweise, auf welchem alles Vorhergehende und Nachfolgende ruht. Dr. Büchner fährt fort: „Ebenso leer und haltlos ist der Begriff einer Kraft ohne Stoff. Indem es ein ausnahmloses Gesetz ist, daß eine Kraft nur an einem Stoff in die Erscheinung treten kann, folgt daraus, daß Kraft nichts weiter sein kann und nicht anders definirt werden darf, denn als eine Eigenschaft der Materie, als eine „„unzertrennliche, ihr von Ewigkeit inwohnende Eigenschaft.""
Das ist denn jene „unzerstörbare Grundlage." Sie ist freilich so unzerstörbar, wie die Narrheit, von welcher Salomo in seinen Sprüchen 27, 22. sagt: Wenn du den Narren im Mörser zerstießest mit dem Stämpfel wie Grütze, so ließe doch seine Narrheit nicht von ihm. Wir antworten folgendes: 1. Leer und haltlos ist der Begriff einer Kraft nur dann, wenn derselbe sich nicht auf ein reales Wesen bezieht, welches als der Besitzer der Kraft angesehen wird, und welches thätig ist, wenn ein Geschehen eintritt, da uns nur dies veranlaßt von Kraft zu reden. Daß aber dieses reale Wesen nothwendiger Weise Stoff sein muß, ist leere und haltlose Behauptung. 2. Jeder, welcher beachtet, was in seinem eigenen Geiste vorgeht, muß einen Wechsel der Gedanken und Vorstellungen in sich wahrnehmen. Hier findet ein wirkliches Geschehen statt, der Art, daß Gedanken sich miteinander verbinden, sich von einander sondern, ein Gedanke den andern hervorruft oder niederdrückt u. dergl. Wenn wir darum überhaupt da Kräfte voraussetzen, wo etwas geschieht, — und das Wort Kraft hat in der Naturwissenschaft keinen
English translation AI translation
Materialism, or the So-Called Results of Modern Natural Science. 73
On the contrary, it will remain exactly as it is. For if it were to disintegrate, then "the smallest particles of which a body consists" would have to be compelled to leave the place they presently occupy and exchange it for another place. For that, force would absolutely be required. If, then, no force is present, every particle will certainly remain quietly in its place. But now the smallest particles, when they possess no force, are supposed not merely to disintegrate — rather they are then supposed to possess the highest conceivable, utterly immeasurable force, against which the force of the greatest hammer, the consuming power of the most intense fire, must be reckoned as nothing: namely the force to transform themselves — the immortal and eternal atoms — into nothing, to destroy their quality, their being, their all. And they possess this force not only, they also put it into the most energetic activity: the destruction actually and instantaneously takes place! The same conclusion is repeated once more. If we imagine the smallest particles of a primal substance as forceless, "then they must abolish themselves and vanish without a trace into empty space." One may gather from this how necessary it was that the author, right on the back of his title page, set as motto the words of Ludwig Feuerbach: "It is a specific mark of a philosopher not to be a professor of philosophy." Materialist philosophy demands an altogether different kind of philosophical thinking than one expects of a professor of philosophy. — We now come to the proof on which everything preceding and following rests. Dr. Büchner continues: "Equally empty and untenable is the concept of a force without matter. Since it is an exceptionless law that a force can only manifest itself in a substance, it follows that force can be nothing else, and may not be defined otherwise, than as a property of matter, as an "inseparable property inherent in it from eternity.""
That, then, is that "indestructible foundation." It is, to be sure, just as indestructible as the folly of which Solomon says in his Proverbs 27:22: Though thou shouldest bray a fool in a mortar among wheat with a pestle, yet will not his foolishness depart from him. We answer as follows: 1. The concept of a force is empty and untenable only when it does not refer to a real being that is regarded as the possessor of the force and that is active when an event occurs — since it is only this that leads us to speak of force at all. But that this real being must necessarily be matter is an empty and untenable assertion. 2. Everyone who observes what goes on in his own mind must perceive a succession of thoughts and ideas within himself. Here a real event takes place, of such a kind that thoughts combine with one another, separate from one another, one thought calling forth or suppressing another, and the like. If, then, we generally presuppose forces wherever something happens — and the word force has, in natural science, no