Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 3 › Seite 69
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — März 1863, Seite 69
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Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 69
"störbarer Grundlage," sagt der Verfasser in der Vorrede, „muß die empirisch⸗philosophische Naturbetrachtung zu Resultaten kommen, welche mit Entschiedenheit jede Art von Supranaturalismus und Idealismus aus der Erklärung des natürlichen Geschehens verbannen und sich dieses letztere als gänzlich unabhängig von dem Zuthun irgend welcher äußeren, außer den Dingen stehenden Gewalten vorstellen. Der endliche Sieg dieser real⸗philosophischen Erkenntniß über ihre Gegner scheint uns nicht zweifelhaft zu sein. Die Kraft ihrer Beweise besteht in Thatsachen, nicht in unverständlichen oder nichtssagenden Redensarten. Gegen Thatsachen aber läßt sich auf die Dauer nicht ankämpfen, nicht „„wider den Stachel lecken.““ Wir halten darum für nöthig, dieses Kapitel wörtlich und vollständig hier mitzutheilen, um so mehr, weil wir bei der Beurtheilung des Prinzips des Materialismus leicht in den Verdacht gerathen können, durch Auslassung wichtiger Stellen entweder den Sinn entstellt, oder doch eine klare Einsicht unmöglich gemacht zu haben. Nur zu vorläufiger Uebersicht des Ganzen schicken wir die darin enthaltene Argumentation, in die kürzeste Form zusammengefaßt, voraus. Es ist folgende: Kraft ist Eigenschaft des Stoffes. Da nun zur Erschaffung der Welt Kraft nöthig gewesen wäre, Kraft aber nur Eigenschaft des Stoffes ist, so hätte der Stoff vor seiner Erschaffung dagewesen sein müssen. Da dies absurd ist, so folgt, die Welt ist nicht geschaffen, der Stoff ist ewig, und es konnte und kann nichts existiren als Stoff mit der ihm von Ewigkeit innewohnenden Eigenschaft der Kraft.
Durch das Motto: „Tres physici, duo athei,“ unter drei Naturforschern zwei Atheisten, werden wir sogleich daran gemahnt, daß wir es hier mit der Weisheit der Gottlosen zu thun haben. Es giebt jedoch noch, laut dieses Mottos, Naturkundige, welche bei Erforschung der Natur dem Finger Gottes begegnen, und es ist nicht ein wesentlicher Bestandtheil der Naturwissenschaft, bei den unerforschlichen Geheimnissen der Natur tölpelhaft auszurufen: das macht sich halt so von selber! Ueberdies wird der verständige Mann, der soviel Welt⸗ und Menschenkenntniß sich erworben hat, um zu wissen, daß in jeder Kunst, in jeder Wissenschaft, in jeder Beschäftigung der Menschen die Zahl der Pfuscher größer ist, als die der echten Meister, Künstler und Weisen, sich nicht durch Majoritäten imponiren lassen. Doch zur Sache selbst.
„„Die Kraft ist kein stoßender Gott, kein von der stofflichen Grundlage getrenntes Wesen der Dinge. Sie ist des Stoffes unzertrennliche, ihm von Ewigkeit innewohnende Eigenschaft.““ — „Eine Kraft, die nicht an den Stoff gebunden wäre, die frei über dem Stoffe schwebte, ist eine ganz leere Vorstellung. Dem Stickstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, dem Schwefel und Phosphor wohnen ihre Eigenschaften von Ewigkeit bei.“ (Moleschott.) — „„Geht man auf den Grund, so erkennt man bald, das es weder Kräfte noch Materie giebt. Beides sind von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommene Abstractionen der Dinge, wie sie sind. Sie ergänzen einander und sie setzen einander voraus. Vereinzelt haben sie keinen Bestand ꝛc.“ — „„Die Materie ist nicht wie ein Fuhrwerk, davor die
English translation AI translation
Materialism, or the So-Called Results of Modern Natural Science. 69
"...structible foundation," says the author in the preface, "the empirico-philosophical view of nature must arrive at conclusions which, with decisiveness, banish every kind of supranaturalism and idealism from the explanation of natural occurrence, and represent this latter as wholly independent of the intervention of any external powers standing outside things. The final victory of this real-philosophical insight over its opponents seems to us beyond doubt. The strength of its proofs lies in facts, not in unintelligible or meaningless phrases. Against facts one cannot in the long run contend, cannot 'kick against the goad.'" We therefore consider it necessary to communicate this chapter word for word and in full, all the more because in judging the principle of materialism we might easily fall under suspicion of having, by omitting important passages, either distorted the sense or made a clear understanding impossible. Merely to give a preliminary overview of the whole, we set forth in advance, in its briefest form, the argument it contains. It is as follows: Force is a property of matter. Now since force would have been necessary for the creation of the world, but force is only a property of matter, matter would have had to exist before its own creation. Since this is absurd, it follows that the world is not created, that matter is eternal, and that nothing could or can exist except matter, with the property of force inherent in it from eternity.
By the motto, "Tres physici, duo athei" — among three natural scientists, two atheists — we are at once reminded that here we are dealing with the wisdom of the godless. Yet there are, according to this very motto, natural scientists who, in investigating nature, encounter the finger of God, and it is not an essential part of natural science to cry out clumsily at nature's unfathomable mysteries: "it simply happens that way of itself!" Moreover, the sensible man who has acquired so much knowledge of the world and of men as to know that in every art, every science, every occupation of men the number of bunglers is greater than that of the true masters, artists, and sages, will not let himself be swayed by majorities. But to the matter itself.
"Force is no thrusting god, no being of things separate from the material foundation. It is the inseparable property of matter, inherent in it from eternity." — "A force that were not bound to matter, that floated free above matter, is a wholly empty notion. To nitrogen, carbon, hydrogen, and oxygen, to sulphur and phosphorus, their properties belong from eternity." (Moleschott.) — "If one goes to the bottom of the matter, one soon recognizes that there is neither force nor matter. Both are abstractions of things as they are, taken up from different points of view. They complement one another and they presuppose one another. Taken separately they have no subsistence, etc." — "Matter is not like a cart, before which the