Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 12 › Seite 377
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — December 1862, Seite 377
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Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 377
erhabenen Confession einverleibt sind, ist sie bestimmt, die in der Lehre orthodoxeste, im
Gottesdienst eifrigste, im praktischen (Christenthum) heiligste, in der Erfahrung geistlichste,
in Unternehmungen rührigste und in Wohlthätigkeit freigebigste lutherische Kirche zu werden,
die die Welt jemals in irgend einem Zeitalter oder in irgend einem Lande gesehen hat.“
In einem anderen Artikel derselben Nummer „Unsere Kirche“ heißt es ferner: „Unsere
europäischen Brüder müssen natürlich auf einige Jahre Predigt in ihrer eigenen Sprache
haben, aber je eher sie die englische adoptiren, je besser für sie und ihre Kinder. Die Geschichte
unserer Kirche in den östlichen Staaten hat klärlich gezeigt, wie wichtig es sei, das
Englische zu adoptiren. Mit der Adoption der Sprache folgt die Adoption der Formen
und Gebräuche und Sitten des amerikanischen Volkes. Die Kirchen, welche hier etablirt
werden, sollten auch der Kirche in Amerika gleichförmig gemacht werden. Alle europäischen
Kirchen sollten, wie sich von selbst versteht, sich mit unserer Generalsynode verbinden. Wenn
das nicht geschieht, werden wir nach einiger Zeit so viele lutherische Kirchen hier haben, als
es Nationalitäten gibt. Ist etwas in der Generalsynode nicht recht, so mögen unsere europäischen
Brüder hineinkommen und dieses Unrecht uns bessern helfen.“ (Natürlich meint
der Schreiber, daß der Gedanke, es sei „etwas nicht recht“ in der Generalsynode, eine pure
Einbildung der Europäer sei; aber, denkt er, möchten sie immerhin mit Reformationsgelüsten
kommen, so sei zu hoffen, daß sie bald erkennen würden, es sei vielmehr bei ihnen
„etwas nicht“ recht gewesen, und daß sie sich daher selbst reformiren würden). „Wir
sollten nur Eine lutherische Kirche in Amerika haben und wir sollten alle im Stande sein,
dieselbe „„unsere Kirche““ zu nennen.“ (Wie wahr! Wer ist aber Schuld daran, daß
dies nicht der Fall ist? Die, welche bei der Lehre unserer Kirche bleiben, oder die, welche
davon abzugehen Freiheit haben wollen?) „Wir sollten nur Eine Confession, Einen Katechismus
und Ein Gesangbuch je in einer Sprache haben und es sollte nur Eine lutherische
Kirche in der Welt geben.“ (Es gibt auch nur Eine! — Der Herr Schreiber meint wohl,
es sollten alle die, welche sich lutherisch nennen, sich auch als einen zusammengehörenden
Körper erkennen und diese Einheit möglichst darstellen). „Als erleuchtete Lutheraner sollten
wir unseren Brüdern gestatten, für sich selbst zu denken und einander dieselbe Freiheit gestatten,
die wir selbst beanspruchen.“ (Hier tritt die amerisanisch⸗lutherische d. i. unionistische
Theologie zu Tage, die zwar Ein Bekenntniß, aber Glaubensfreiheit wider das Bekenntniß
will.) „Indem unser Bekenntniß der Bibel untergeordnet werden muß, laßt uns
„„Einigkeit in Wesentlichem, Freiheit in unwesentlichem und Liebe in allen Dingen““
haben. Dann würde unsere Kirche bald „„schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne,
schrecklich wie die Heeresspitzen““ sein.“ (Das alte Lied: Laßt uns äußerlich uns uniren
zu Einer Kirche, so werden wir unseren vielen Feinden gegenüber unüberwindlich sein. Was
ist das aber? — Fleisch zu seinem Arm machen!)
Politik auf der Kanzel. Dieses Thema noch einmal zu berühren, bewegt
uns ein Artikel in dem Lutheran and Missionary von Philadelphia in der Nummer
vom 20. Nov. Darin heißt es u. A.: „Wir halten dafür, daß die Kanzel zu viel Frieden
gehalten hat während dieses Kampfes, welcher nicht nur unser eignes Land, sondern die
Welt erschüttert. Waren die Propheten des Alterthums scheu vor Politik? Gingen sie
den großen bürgerlichen Fragen ihrer Zeit und ihres Landes aus dem Wege? Zeigt nicht
jedes Blatt ihrer Schriften sie in dem Charakter warmer Patrioten, deren himmlische Inspiration
ihre Vaterlandsliebe erhöhte? Sie waren nicht Parteigänger, aber politische
Prediger. Ihre Schriften kommen herab zu uns noch voll Lebensfeuer. Nun denn, wenn
das Schicksal von Millionen Menschen nicht allein in unserem eigenen Vaterlande, sondern
auf dem Erdkreis von den furchtbaren Ereignissen abhängt, die zur Entscheidung zu bringen
unserem Volke sich aufdrängt, so glauben wir, die Kanzel kann nicht mit Recht stillschweigen.
Soll dieses mächtige Werkzeug zum Guten stumm wie im Tode sein, wenn unser
Volk so viele moralische Unterweisung bedarf über die Pflichten, die es gegen die Menschheit,
gegen den Staat und einer gegen den andern hat?“ — Mit solchem Gerede meinen, leider!
amerikanische „Theologen“ das Politisiren auf der Kanzel vollkommen gerechtfertigt zu
haben; damit beweisen sie aber nur, wie wenig sie ihren Beruf erkennen. Ja, freilich soll
die Kanzel nicht stumm sein, wenn das ganze Land in solcher furchtbaren Gefahr ist, wie
English translation AI translation
Church and Contemporary History. 377
sublime confession are embodied, is destined to become the most
orthodox in doctrine, the most zealous in divine worship, the holiest in
practical (Christianity), the most spiritual in experience, the most active
in undertakings, and the most generous in charity, of any Lutheran
church that the world has ever seen in any age or in any land." In
another article in the same issue, "Our Church," it further says: "Our
European brethren must, of course, have preaching in their own
language for a few years, but the sooner they adopt the English, the
better for them and their children. The history of our church in the
eastern states has clearly shown how important it is to adopt English.
With the adoption of the language follows the adoption of the forms
and customs and manners of the American people. The churches which
are established here should also be made uniform with the church in
America. All the European churches should, as goes without saying,
unite with our General Synod. If that does not happen, we shall after a
while have as many Lutheran churches here as there are nationalities. If
something in the General Synod is not right, let our European brethren
come in and help us correct that wrong." (Naturally the writer means
that the notion that "something is not right" in the General Synod is a
pure delusion of the Europeans; but, he thinks, should they nonetheless
come with reforming ambitions, it is to be hoped they would soon
recognize that it was rather among themselves that "something" had
not been right, and that they would therefore reform themselves.) "We
should have only one Lutheran church in America, and we should all
be able to call it ''our church.''" (How true! But who is to blame that
this is not the case? Those who abide by the doctrine of our church, or
those who want the freedom to depart from it?) "We should have only
one confession, one catechism, and one hymnbook in each language,
and there should be only one Lutheran church in the world." (There is
indeed only one! — The gentleman writer no doubt means that all who
call themselves Lutheran should recognize themselves as one coherent
body and represent this unity as far as possible.) "As enlightened
Lutherans we should permit our brethren to think for themselves and
grant one another the same freedom that we ourselves claim." (Here
the American-Lutheran, that is, unionistic, theology comes to light,
which wants one confession, to be sure, but freedom of belief against
the confession.) "Since our confession must be subordinated to the
Bible, let us have ''unity in essentials, freedom in non-essentials, and
love in all things.''' Then our church would soon be ''fair as the moon,
clear as the sun, terrible as an army with banners.'" (The old song: let
us unite ourselves outwardly into one church, and we shall be
invincible against our many enemies. But what is that? — Making flesh
one's arm!)
Politics in the Pulpit. To touch on this subject once more, we are
moved by an article in the Lutheran and Missionary of Philadelphia, in
the issue of November 20. It says there, among other things: "We hold
that the pulpit has kept too much peace during this struggle, which
shakes not only our own land but the world. Were the prophets of
antiquity shy of politics? Did they avoid the great civic questions of
their time and their country? Does not every page of their writings
show them in the character of warm patriots, whose heavenly
inspiration heightened their love of country? They were not partisans,
but political preachers. Their writings come down to us still full of the
fire of life. Now then, when the fate of millions of human beings
depends, not only in our own fatherland but across the globe, on the
terrible events that press for decision upon our people, we believe the
pulpit cannot rightly keep silent. Shall this mighty instrument for good
be mute as in death, when our people need so much moral instruction
concerning the duties they have toward mankind, toward the state, and
one toward another?" — By such talk, alas, American "theologians"
think they have completely justified politicking in the pulpit; but by
this they only prove how little they recognize their calling. Yes, indeed,
the pulpit should not be silent when the whole land is in such fearful
danger as