Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 1 › Seite 31

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1862, Seite 31

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Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 31

kannte am letzten Tage deutlich, was ich gleich anfangs gefürchtet hatte, daß die Commission die Aufgabe habe, aus der Zahl Fünf eine gerade Zahl zu machen, ohne davon oder dazu zu thun. Ich höre, daß unter Ehlers Mitwirkung schon die Bildung einer zweiten Synode in Angriff genommen ist, der möglicher Weise später eine dritte nachfolgt. Wenn das an sich unter den obwaltenden Umständen kein Unglück ist, so ist es doch ein Unglück, sobald aus den Synoden Heerlager werden, die mit feurigen Kugeln auseinander schießen, wozu die Stückgießereien schon hergestellt sind.“ „Ein jeglich Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andere.“ „Es wird aber uneins, wenn Uneinigkeit in der Lehre entsteht. Alle Verfassungskünste, mit denen man sich eine Reihe von Jahren so lebhaft getragen hat, helfen nichts, wenn man in der Lehre zwiespältig ist; und alle Versuche, regimentliche und andere Autoritäten oder Gewalten zu schaffen, erweisen sich als ohnmächtig, weil man nicht den letzten Schritt thun darf, ihnen wie in der römischen Kirche endgültige Lehrentscheidungen zu übertragen. Das hab' ich schon vorher gewußt, das hat sich mir aber aufs neue bestätigt. Professor Kahnis, der sich redlich für den Frieden bemühte, bat und ermahnte freilich, daß sich die abweichenden Anschauungen gegenseitig tragen möchten. Die Theologie sei kein Hund, der apportiert, darum müsse man ihr Freiheit lassen. Von der Linken war aber schon vordem geltend gemacht, daß man nur eben darum aus der Union ausgeschieden sei, weil man falsche Lehre nicht habe tragen können, daß man sie also um so weniger jetzt tragen dürfe, wenn man nicht den Austritt aus der Union nachträglich wieder verurtheilen wolle. Wenn nun auch der vorliegende Streit dem Kampf gegen die Union nicht gleichgestellt werden darf, so hat doch die lutherische Freikirche in Preußen eine Geschichte, und was da gepflanzt und gestaltet ist, wirkt mit einer gewissen Nothwendigkeit fort und wird sich auch in diesem Streite schließlich geltend machen. Sie hat am wenigsten die Aufgabe, Fortschritte und Neubildungen in der Lehre zu versuchen; jeder bedeutende Versuch der Art bedroht sie auch mit der Gefahr einer Spaltung.“

Pfarrer Löhe's Erklärung, bezüglich der Vereinigung des Seminars Fort Wayne mit dem in St. Louis. Eine solche findet sich in den „Kirchlichen Mittheilungen aus und über Nord⸗America“ vom Monat October v. J. Herr Pfarrer Löhe schreibt: „Ueber die Art und Weise der Kundgabe wollen wir kein Wort verlieren; auch begehren wir den Beschluß nicht anzutasten, nicht bloß weil die Synode Missouri über das ihr eigenthümlich übergebene Seminar verfügen kann, ohne auf unsere Einsprache Rücksicht zu nehmen, sondern auch, weil zwischen ihr und uns so wenige Beziehungen bestehen, daß wir kaum Hoffnung haben, unsere treue Meinung mit einigem Erfolge äußern zu können.“ Nach einer geschichtlichen Darstellung der Entstehung und des Fortbestandes des Fort Wayner Seminars, schließt sodann Herr Pfarrer Löhe, wie folgt: „Sowie man nun anfangs das theologische Seminar mit dem Nothhelferseminare vereinigen wollte, so hat man nach vierzehnjährigem Bestand des Seminars Fort Wayne beschlossen, die Nothhelfer⸗Anstalt mit der theologischen zu vereinen, sie zu dem Zwecke nach St. Louis zu versetzen. Daß jetzt weniger Gefahr des Verschlingens sein werde, als 1846, 47, können wir unseres Orts uns nicht überreden. Mag der Wille, die Scheidung aufrecht zu erhalten, auch noch so groß sein, dennoch könnte man sich Gründe genug denken, kraft welcher man die Wahrscheinlichkeit behaupten könnte, daß die Scheidung unter den Verhältnissen von St. Louis wie von selbst hinfallen werde, daß wohl kein Seminar bleiben werde, was es gewesen, am wenigsten das Nothhelfer⸗Seminar. Es wird denselben Lehrern schwer werden, in doppelter, verschiedener Weise zu lehren; die theologisirende Eigenthümlichkeit der Synode Missouri wird vielleicht hervortreten, ganz ungesucht, aber kräftig u. s. w. Dagegen aber, wie gegen jede Alteration der Idee des von uns gestifteten Seminars müssen wir in Kraft des Stiftungsbriefes protestiren. Wir können es nicht verwehren, daß sich die Synode in die Gefahr begibt, unsere Stiftung zu alteriren; wenn sie aber in der Gefahr zu einem, von ihr selbst nicht gewollten Ergebniß kommt, so wird es zugleich Unrecht und Schade sein. Unrecht wird es sein, weil es wider die Stiftung sein wird, nicht bloß wider die Stifter, Schade, weil bei dem großen Territorium der Synode zwei Seminare auf alle Fälle, namentlich für die Zukunft, nützlicher sein werden, als eins. Zu große Centralisation arbeitet am Ende selber gegen das Centrum. Schon aus dem

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Church and Contemporary History. 31

I recognized clearly on the last day what I had feared from the very beginning, that the commission's task was to make an even number out of the number five, without taking away or adding to it. I hear that under Ehlers's cooperation the formation of a second synod is already under way, which a third may perhaps follow later. If that in itself, under the prevailing circumstances, is no misfortune, it is nonetheless a misfortune as soon as camps of war arise out of the synods, firing off fiery balls at one another, for which the foundries are already prepared." "Every kingdom divided against itself shall be brought to desolation, and a house divided against a house falleth." "But it becomes divided when disunity arises in doctrine. All the arts of constitution-making that one has so eagerly carried on for a series of years help nothing if one is at variance in doctrine; and all attempts to create governmental or other authorities or powers prove powerless, because one may not take the last step of transferring to them, as in the Roman church, final decisions in doctrine. That I already knew before, but it has been confirmed to me anew. Professor Kahnis, who honestly labored for peace, asked and admonished indeed that the divergent views should bear with one another. Theology, he said, is no dog that fetches on command, and therefore one must give it freedom. The left had, however, already before this urged that the very reason they had separated from the Union was that they could not bear false doctrine, and that they could therefore all the less bear it now, unless they wished afterward to condemn their own withdrawal from the Union. Now even though the present dispute may not be equated with the struggle against the Union, still the Lutheran free church in Prussia has a history, and what has been planted and shaped there works on with a certain necessity and will ultimately assert itself in this dispute too. It has least of all the task of attempting advances and new formations in doctrine; every significant attempt of that kind threatens it also with the danger of a split."

Pastor Löhe's declaration concerning the union of the Fort Wayne seminary with the one in St. Louis. Such a declaration is found in the "Kirchliche Mittheilungen aus und über Nord-America" for the month of October of last year. Pastor Löhe writes: "We will waste no word on the manner in which this was announced; nor do we wish to challenge the resolution itself, not only because the Missouri Synod may dispose of the seminary entrusted to it as its own property, without regard to our objection, but also because so few relations exist between it and us that we can scarcely hope to express our honest opinion with any success." After a historical account of the origin and continued existence of the Fort Wayne seminary, Pastor Löhe then closes as follows: "Just as at first there was an intention to unite the theological seminary with the practical (Nothhelfer) seminary, so now, after the Fort Wayne seminary has stood for fourteen years, it has been resolved to unite the practical institute with the theological one, transferring it for that purpose to St. Louis. That there is now less danger of its being swallowed up than in 1846, '47, we for our part cannot persuade ourselves. However great the will to maintain the separation may be, one could still think of grounds enough on which to maintain the probability that, under the conditions prevailing in St. Louis, the separation will collapse of itself, that probably neither seminary will remain what it has been, least of all the practical seminary. It will be hard for the same teachers to teach in a twofold, differing manner; the theologizing peculiarity of the Missouri Synod will perhaps assert itself, quite unsought, but forcefully, and so forth. Against this, however, as against every alteration of the idea of the seminary founded by us, we must protest by virtue of the founding charter. We cannot prevent the Synod from exposing itself to the danger of altering our foundation; but if in that danger it arrives at a result it did not itself intend, that will be at once a wrong and a harm. It will be a wrong, because it will be against the foundation, not merely against the founders; a harm, because, given the great extent of the Synod's territory, two seminaries will in any case, especially for the future, be more useful than one. Excessive centralization in the end works against the very center it serves. Already from what