Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 11 › Seite 322
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — November 1861, Seite 322
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322 Referat vom Gesetz.
den Juden gegeben hat, ist daher Mangel an rechtem Verstand des Gesetzes; während die neutestamentliche Weise, in welcher der lutherische Katechismus die heil. zehen Gebote enthält, ein herrliches Zeugniß sind von der reinen Erkenntniß und dem tiefen Verstande Luthers und der lutherischen Kirche hiervon.
4. Weder die heil. zehen Gebote, noch irgend ein alttestamentliches Gesetz verbindet den Christen darum, weil dieselben von Gott durch Mosen geoffenbart sind, denn als ein geschriebenes Gesetz sind sie allein dem ausgesonderten Volke des alten Bundes, den Juden, auferlegt gewesen.
5. Was in den heil. zehen Geboten und in allen anderen im Alten Testamente enthaltenen Gesetzen zum natürlichen Gesetz gehöre, das zeigt erstlich Christus dadurch an, daß er spricht, in den zweien Geboten von der Liebe Gottes und des Nächsten hange das ganze Gesetz und die Propheten (Matth. 22, 36—40.), und in einer anderen Stelle, daß das Gesetz und die Propheten das Wort sei: „Alles nun, was ihr wollet, das euch die Leute thun sollen, das thut ihr ihnen.“ Matth. 7, 12. Was also in dieses summarische und Hauptgebot gehört, das gehört auch nach Christi Offenbarung zu dem natürlichen alle Menschen auch im Neuen Testamente verbindenden Gesetz. Weil aber die bei der ersten Schöpfung dem menschlichen Herzen eingegrabene Schrift des Gesetzes nach dem Fall gar sehr verblichen ist und auch nach der Wiedergeburt und in der Erneuerung in dem Christen in diesem Leben nicht vollkommen wieder hergestellt wird, so haben wir zweitens, ob ein Gesetz im Alten Testamente zu dem Naturgesetz gehöre, auch daraus zu erkennen, ob Gott die Uebertretung desselben auch in den Heiden als Sünde und Greuel durch seine Propheten strafe; und endlich drittens, ob das Gesetz im Neuen Testamente als ein auch die Christen verbindendes wiederholt und bestätigt werde.
6. Zwar sind die gläubigen Christen, als solche und soweit sie das sind, nicht mehr unter dem Gesetz, sondern von allem Gesetze frei, denn, sagt der heil. Paulus, den Gerechten ist kein Gesetz gegeben; aber nicht also, daß sie frei wider den im Gesetz geoffenbarten ewigen heiligen Willen Gottes leben könnten oder wollten, sondern insofern, als sie, die Christus von dem Fluch und Zwang des Gesetzes erlöst hat, durch den Glauben und die Wiedergeburt sich selbst ein Gesetz geworden sind und daher das Gesetz nicht als Gesetz, sondern aus Trieb ihrer neuen Natur in freier Liebe halten und erfüllen, nicht weil sie sollen, sondern weil sie wollen, indem Gottes Wille ihr Wille geworden ist. Luther erklärt diese Freiheit mit folgendem schönen aus Paulus (Gal. 3, 23.) genommenen Gleichniß: „Wenn dich dein Herr im Kerker gefangen hätte und du aus der Maaßen ungerne darinnen wärest, möchte man dich zweierlei Weise daraus erlösen. Zum Ersten leiblich, daß der Herr den Kerker zerbräche und dich frei machte leiblich, ließt dich gehen, wo du hin wolltest. Zum andern, wenn er dir so viel Gutes im Kerker thäte, machet dir denselbigen lustig, lichte, weit und aufs allerreichste gezieret, daß kein königlich Gemach und Reich so gezieret wäre, und
English translation AI translation
322 Report on the Law.
given it to the Jews, is therefore a lack of the right understanding of the law; whereas the New Testament manner in which the Lutheran catechism contains the holy Ten Commandments is a glorious testimony to the pure knowledge and the deep understanding which Luther and the Lutheran Church have of this matter.
4. Neither the holy Ten Commandments nor any Old Testament law binds the Christian for the reason that they were revealed by God through Moses, for as a written law they were laid upon the segregated people of the old covenant, the Jews, alone.
5. What, within the holy Ten Commandments and within all the other laws contained in the Old Testament, belongs to the natural law, Christ shows first of all by saying that on the two commandments of love for God and for one's neighbor hang the whole Law and the Prophets (Matthew 22:36–40), and in another place, that the Law and the Prophets are summed up in the word: "Therefore all things whatsoever ye would that men should do to you, do ye even so to them." Matthew 7:12. Whatever, then, belongs to this summary and chief commandment also belongs, according to Christ's own revelation, to the natural law binding all men even in the New Testament. But because the writing of the law engraved on the human heart at the first creation has, after the Fall, become very much faded, and is not, even after regeneration and in the renewal wrought in the Christian, fully restored again in this life, we must, secondly, also recognize whether a law in the Old Testament belongs to the natural law from this: whether God, through his prophets, punishes the transgression of it also among the heathen as sin and abomination; and finally, thirdly, whether the law is repeated and confirmed in the New Testament as one that binds Christians as well.
6. It is true that believing Christians, as such and to the extent that they are such, are no longer under the Law but free from all law, for, says holy Paul, the law is not made for a righteous man; but not in such a way that they could or would live freely against the eternal, holy will of God revealed in the Law — rather, insofar as they, whom Christ has redeemed from the curse and compulsion of the Law, have through faith and regeneration themselves become a law unto themselves, and therefore keep and fulfill the Law not as law, but out of the impulse of their new nature, in free love — not because they must, but because they will, since God's will has become their will. Luther explains this freedom with the following beautiful parable, taken from Paul (Gal. 3:23): "If your lord had held you captive in a dungeon and you were exceedingly unwilling to be in it, one could redeem you from it in two ways. First, bodily — that the lord should break open the dungeon and set you free bodily, letting you go wherever you wished. Second, if he did so much good to you in the dungeon, making it pleasant, bright, spacious, and decorated in the most sumptuous manner, so that no royal chamber or palace was so adorned, and