Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 11 › Seite 332

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — November 1860, Seite 332

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wucher

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332 Fünfzehn Thesen über den Wucher.

Bedingung des Ueberlassens einer ihr gleichen des Schuldners
Eigenthum geworden ist, eine unbillige, da die zwischen dem Leihen
und Erstatten liegende Zeit nicht des Verleihers Eigenthum
ist, daß er für den Verbrauch derselben Ersatz fordern dürfte,
auch ein Vortheil nur dann rechtmäßig ist, wenn er gegenseitig
ist, also in der verschiedenen Beschaffenheit der vermietheten
Sache und des Miethgeldes seinen Grund hat; ferner der Wucherer
in der Erhaltung des Ausgeliehenen weder Mühe noch
Kosten hat, da dieses des Schuldners Eigenthum geworden ist;
kurz, da eine solche Forderung einen Zins dafür auflegt, daß der
Eigenthümer sein Eigenthum benützt. Da es nun eine Unwahrheit
ist, wenn das Leihen auf Wucher für einen von ihm wesentlich
verschiedenen Miethcontract ausgegeben wird, so ist dies
auch vom Moralgesetz verboten.

IX. Es ist wider das Moralgesetz, Wucherzinsen als verdienten Lohn für geleisteten Dienst zu halten.

Beweis: Es gehört zum Wesen einer solchen Dienstleistung, die nicht Vollbringung dessen ist, was Andere nach gewissen Rechten fordern können, oder wodurch man sich Anderen gefällig erweisen will, sondern wodurch ein bestimmter Lohn rechtlich erworben wird, daß sie Arbeit sei, d. i. dauernde angestrengte Anwendung der Körper⸗ oder Geisteskräfte zu einem bestimmten Zwecke. Da nun Gott geordnet hat, daß der Mensch im Schweiß seines Angesichts sein Brod esse, so ist es billig und recht, daß der Arbeiter von dem, zu dessen Nutzen er arbeitet, die nöthigen Mittel zum Leben erhalte als Ersatz für die aufgewendete Kraft. Da nun aber das Ausleihen eines Capitals keine dauernde angestrengte Anwendung der Körper⸗ oder Geisteskräfte erfordert, für welche billiger Weise ein Lohn gefordert werden könnte, überdies das Mehr oder Weniger des über das Ausgeliehene Ausbedungenen nie nach der größeren oder geringeren Aufwendung der Kraft, die das Ausleihen erforderte, berechnet wird, so wäre es nur ein lügenhafter Vorwand, die Zinsen als Lohn für geleistete Dienste zu fassen.

X. Das Moralgesetz verbietet, Wucherzinsen als billige Belohnung der erwiesenen Gefälligkeit des Leihens anzusehen.

Beweis: Da die erwiesene Gefälligkeit des Leihens keine Arbeit ist, welche einen bestimmten Ersatz für die aufgewendete Kraft aus dem Gute des Anderen nach Gerechtigkeit und Billigkeit fordern könnte, so müßte der Entgelt allein für die freundliche Gesinnung gefordert werden. Da ferner die freundliche Gesinnung kein verkäufliches Gut ist, das der Eine an den Andern gegen Ersatz abtreten könnte, so kann die Billigkeit des Entgeltes nur in der Idee der Vergeltung ihren Grund haben. Diese nun fordert, daß Gleiches mit Gleichem ver⸗

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332 Fifteen Theses on Usury.

condition of surrendering one equal to it has become the debtor's
property, is inequitable, since the time lying between the lending
and the repaying is not the lender's property, such that he might
demand compensation for its consumption; also because an advantage
is rightful only when it is reciprocal — that is, when it has its
ground in the differing character of the leased thing and of the
rental money; further, because the usurer has neither trouble nor
expense in preserving the thing lent, since it has become the
debtor's property; in short, because such a claim imposes a payment
for the mere fact that the owner uses his own property. Since, then,
it is an untruth to represent lending at usury as being a contract
of lease essentially different from it, this too is forbidden by the
moral law.

IX. It is against the moral law to regard usurious interest as wages earned for service rendered.

Proof: It belongs to the essence of such a service — one that is not the performance of what others may demand by a certain right, nor that by which one seeks to oblige another, but that by which a definite wage is lawfully earned — that it be labor, that is, the sustained, strenuous exertion of bodily or mental powers toward a fixed end. Since God has ordained that man shall eat his bread in the sweat of his face, it is fair and right that the laborer receive from him for whose benefit he labors the means necessary for life, as compensation for the strength expended. But since the lending out of a capital sum requires no sustained, strenuous exertion of bodily or mental powers for which a wage might fairly be demanded, and since, moreover, the greater or lesser amount stipulated above the sum lent is never reckoned according to the greater or lesser exertion of strength that the lending required, it would be nothing but a mendacious pretext to construe interest as wages for services rendered.

X. The moral law forbids regarding usurious interest as a fair reward for the favor shown in lending.

Proof: Since the favor shown in lending is not labor that could, by justice and equity, demand a definite compensation for expended strength out of the other's goods, the recompense would have to be demanded solely for the friendly disposition. And since, further, a friendly disposition is no salable good that the one could make over to the other for compensation, the fairness of any recompense can have its ground only in the idea of requital. This now demands that like be re-