Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 11 › Seite 331

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — November 1860, Seite 331

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wucher

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Fünfzehn Thesen über den Wucher. 331

von Seiten des Wucherers nur aus dem Mehr der gleichen Sache
gewonnen wird und er etwas von des Nächsten Eigenthum
in Besitz nimmt, wofür er von seinem Eigenthume nichts dem Anderen
überläßt. Das Leihen auf Wucher kann also in Wahrheit
nicht als erlaubter Kauf und Verkauf angesehen werden.

VII. Die Wahrheit und also das Moralgesetz verbietet das Leihen auf Wucher für einen erlaubten Zinskauf oder für einen Kauf wiederkäuflicher Zinsen anzusehen.

Beweis: Es gehört zum Wesen des Zinskaufes oder des Kaufes wiederkäuflicher Zinsen, daß 1., der Zins ein Zins (census) sei, d. i. Abgabe für die Benützung fremden Gutes, das entweder fruchtbarer Natur ist, oder durch Abnützung seinen Werth verliert; nicht aber Zinsen (usuræ, fœnus, τοκοι); 2., daß der Zinskäufer das Capital, womit er jenes Gut und zugleich den Zins für dessen Benützung gekauft hat, nie von dem Verkäufer zurückfordern darf, während es dem Verkäufer freisteht, den Kauf durch Zurückzahlung des Capitals rückgängig zu machen. Zum Wesen des Leihens auf Wucher aber gehört, daß der Wucherer das Recht behält, einmal, den ursprünglichen Werth des Ueberlassenen zurückzufordern, sodann, einen Theil des dem Nächsten für dessen Mühe und Arbeit von Gott ertheilten Segens als eine Sache, die dem Verleiher von Rechtswegen zugehört, zu fordern, während doch die geforderte Sache weder aus dem Gelde des Verleihers, wie etwa aus einem Acker hervorwächst, und so als Accessorium gelten könnte, noch auch etwas von dem Fleiße des Wucherers am Capitale haften bleibt, das in Gemeinschaft mit dem des Schuldners gemeinsam einen Segen erlangt hätte, der nach Billigkeit zu theilen wäre. Daraus geht auch hervor, daß, wo jene beiden Bedingungen fehlen, der wiederkäufliche Zins reiner Wucher ist.

VIII. Das Moralgesetz verbietet, das Leihen auf Wucher für einen erlaubten Miethcontract zu halten.

Beweis: Es gehört zum Wesen eines Miethcontractes, der bewegliche Gegenstände zum Objecte hat, daß die vermiethete Sache des Vermiethers Eigenthum bleibt, und da dieselbe Sache ihre Eigenschaften, um welcher willen sie gemiethet wird, nicht unveränderlich behält, so ist ein Ersatz für die in der Benützung dem Eigenthümer verloren gehenden nutzbaren Eigenschaften von Seiten des Miethers, der sie zu seinem Nutzen verwendet, billig. Zum Wesen des Leihens auf Wucher jedoch gehört, daß die ausgeliehene Sache des Schuldners Eigenthum wird und ihre Abnützung nie des Verleihers Vermögen vermindern darf, weshalb von Ersatz hier nicht die Rede sein kann. Es ist also eine Forderung auf Grund der Benützung einer Sache, die unter der

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Fifteen Theses on Usury. 331

on the part of the usurer is gained solely from the surplus of the same
kind of thing, and he takes into his possession something of his
neighbor's property, for which he grants the other nothing of his own
property in return. Lending at usury can therefore in truth not be
regarded as a permissible sale and purchase.

VII. Truth, and therefore the moral law, forbids regarding lending at usury as a permissible purchase of interest, or as a purchase of redeemable interest.

Proof: It belongs to the essence of the purchase of interest, or of the purchase of redeemable interest, first, that the interest be a rent (census), that is, a payment for the use of another's property, which is either of a fruit-bearing nature or loses its value through wear; but not interest (usuræ, fœnus, τόκοι); second, that the purchaser of the interest may never reclaim from the seller the capital with which he purchased that property together with the interest on its use, whereas it remains open to the seller to undo the purchase by repaying the capital. But it belongs to the essence of lending at usury that the usurer retains the right, first, to reclaim the original value of what he transferred, and further, to demand, as a thing belonging to the lender by right, a portion of the blessing which God has bestowed on the neighbor for his effort and labor — even though the thing demanded neither grows out of the lender's money, as it might out of a field, and so could be reckoned an accessory, nor does anything of the usurer's own industry remain attached to the capital, which, held in common with that of the debtor, might have earned a blessing to be divided in fairness. From this it also follows that, where those two conditions are lacking, redeemable interest is pure usury.

VIII. The moral law forbids holding lending at usury to be a permissible contract of lease.

Proof: It belongs to the essence of a contract of lease, which has movable objects for its object, that the leased thing remains the lessor's property; and since that same thing does not retain unchanged the useful qualities for the sake of which it was leased, it is equitable that the lessee, who employs it for his own benefit, make compensation for the useful qualities lost to the owner through use. But it belongs to the essence of lending at usury that the thing lent becomes the debtor's property, and its wear must never diminish the lender's estate — wherefore there can be no question of compensation here. It is, then, a claim on the ground of the use of a thing, which under the