Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 10 › Seite 308
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1860, Seite 308
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308 Indirecte Erklärung Löhe's über seine Stellung innerhalb der luth. Kirche.
bolen richtig erkannt und mit Recht verworfen worden sind. Wir sind also*) mit der Kirche völlig eins. Dennoch aber gibt es in der Auffassung der Lehre und bei der Bestimmung der Grenzen zwischen uns und anderen, noch viele unerledigte Punkte, und sehr oft kann Gerechtigkeit und Billigkeit in verschiedener Weise gehandhabt werden. Da ist es denn unser Sinn und unsere Absicht, nach allen Seiten hin so zu verfahren, daß wir die Zeiten unterscheiden, die Gaben beachten, welche der HErr zu verschiedenen Zeiten den verschiedenen Kirchen geschenkt hat, und überhaupt alle und jede Umstände in Erwägung ziehen, unter welchen die verschiedenen Kirchen entstanden und sich ausgebildet haben, und uns durch keinen in den Zeiten des ersten Kampfes und Streites an's Licht getretenen Vorgang, durch keine Parteistellung bestimmen lassen, die Norm des göttlichen Wortes zu beugen oder zu brechen. Es mag andern gerade das Gegentheil scheinen, das begreifen wir wohl, aber es ist nichtsdestoweniger also, daß wir Nüchternheit und Mäßigung, wie sie so oft der heilige Paulus rühmt und anempfiehlt, zum Ziel unseres kirchlichen Verhaltens genommen haben. Eben weil wir festen Grund unter unseren Füßen haben, und uns nicht mehr wiegen und wägen lassen von jeglichem Wind der Lehre, Schalkheit der Menschen und Täuscherei, eben deshalb können wir ruhig nach allen Seiten schauen und den Maßstab des göttlichen Wortes anlegen. Eben weil wir uns von allen andern Confessionen geschieden wissen, können wir nach den Einheitsgründen forschen, gerechter und billiger, als andere sein. Gerade weil unser Besitz schon so groß ist, brauchen wir andere weder zu beneiden, noch zu verlästern, können wir das Gute anerkennen, das sie haben, und uns dasselbige aneignen, wenn es der Mühe werth ist, es zu thun. Es ist allerdings richtig, daß es nach den Umständen, in denen wir leben, nicht so gar einfach ist, unsere Richtung zu verfolgen, es ist eine schwere und eben deshalb auch eine gefährliche Sache**), so gewiß es ist, daß wir ein gutes Beispiel gäben, wenn wir thun könnten, was wir wollen und ohne Zweifel auch sollen. Daher ist es unter uns auch schon ein stehendes Gebet geworden: „Gieb mir, o Herr, daß ich kann, was ich soll, und soll, was ich kann.“ Möchten sich viele unter uns zu solchem Gebet vereinen, und für alle, die unserer Richtung angehören, recht fleißig um die Gabe des rechten Maßes, der wahren Gerechtigkeit und Billigkeit in Anwendung unseres obersten Grundsatzes, der Schriftmäßigkeit! beten. Einer zerfahrenen, in zahllosen Meinungen auseinandergehenden Zeit, die Selbstständigkeit und Originalität in einem maßlosen Behaupten menschlichen Meinung sucht, wäre, wenn wir es erbitten könnten, eine sehr nöthige und segensreiche Gabe von dem HErrn geschenkt, wenn sich unsere Richtung stärken, Zahl und Kraft derjenigen wachsen könnte, die auf festen
*) Es ist in der That naiv, dem Leser zuzumuthen, daß er ebenso schließe. L. u. W.
**) Das predigt also doch Löhe sein Gewissen! O, wenn er doch demselben treu folgte! L. u. W.
English translation AI translation
308 Indirect Declaration by Löhe concerning His Position within the Lutheran Church.
...symbols have been rightly recognized and justly rejected. We are therefore*) fully at one with the church. Nevertheless, there still remain, in the grasp of the doctrine and in the fixing of the boundaries between us and others, many unresolved points, and very often justice and fairness can be handled in different ways. Our mind and intention are, then, to proceed in this matter, on every side, so that we distinguish the times, take note of the gifts which the Lord has given to the various churches at various times, and generally take into consideration all and every circumstance under which the various churches arose and formed themselves, and let ourselves be determined by no precedent that came to light in the times of the first conflict and strife, and by no party allegiance, to bend or break the norm of the divine Word. It may seem to others to be exactly the opposite — we well understand that — but it is nonetheless so, that we have taken sobriety and moderation, such as the holy Paul so often commends and recommends, as the goal of our churchly conduct. Precisely because we have firm ground under our feet, and no longer let ourselves be swayed and weighed by every wind of doctrine, by the roguery of men and by deception, precisely for that reason we can look calmly on every side and apply the standard of the divine Word. Precisely because we know ourselves separated from all other confessions, we can search out the grounds of unity, and be more just and fair than others. Precisely because our possession is already so great, we need neither envy others nor slander them; we can acknowledge the good that they have, and make it our own, if it is worth the trouble to do so. It is indeed true that, given the circumstances in which we live, it is not at all simple to pursue our tendency; it is a difficult and, precisely for that reason, also a dangerous matter,**) as surely as it is true that we would give a good example if we could do what we will and doubtless also ought. Hence it has already become, among us, a standing prayer: "Give me, O Lord, that I can do what I should, and should do what I can." Would that many among us might unite in such a prayer, and pray earnestly, for all who belong to our tendency, for the gift of the right measure, of true justice and fairness in the application of our supreme principle, of conformity to Scripture! To an age torn apart, going off into countless opinions, that seeks independence and originality in an unbounded assertion of human opinion, it would be, could we but obtain it, a very needful and blessed gift granted by the Lord, if our tendency could grow stronger, and the number and strength of those could increase who stand on firm
*) It is indeed naive to expect the reader to draw the same conclusion. L. u. W.
**) So, after all, Löhe's conscience preaches this too! Would that he followed it faithfully! L. u. W.