Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 10 › Seite 299

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1860, Seite 299

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Indirecte Erklärung Löhe's über seine Stellung inner⸗
halb der lutherischen Kirche.

Löhe hat Anfang dieses Jahres eine Ansprache „an seine Freunde in Neuendettelsau“ als Manuscript drucken lassen. Daraus erfahren wir zuerst, daß diese seine Freunde schon seit den Jahren 1858 und 1859 sich während der Fastenzeit „zu besonderen Gebeten für die Nothdurft der Kirche und der ganzen Welt vereinigt“ haben und daß diese von denselben „angestellten Uebungen“ (Exercitien also!) ihnen so lieb und werth geworden seien, daß sie sich entschlossen hatten, sie in der Fastenzeit des Jahres 1860 zu wiederholen. Löhe fährt fort: „Bei unserem letzten Zusammensein habt Ihr begehrt, daß ich Euch für die diesjährigen Uebungen Eurer Andacht eine gewisse Regel vorschlagen und diejenigen Dinge bezeichnen möchte, welche nach meiner Meinung in diesem Jahre besonders ins Gebet einzunehmen und dem HErrn von uns vorzutragen wären, und nachdem ich mich im Voraus mit Euch über diese Punkte besprochen und geeinigt habe, bringe ich vielmehr Eure, als meine Meinung hiermit zu Papier, damit Ihr in Eurer erfaßten Andacht darauf Rücksicht nehmen könnt.“

Wir lassen nun, zur Orientirung unserer Leser über Löhe's gegenwärtige Stellung, die Behandlung von 12 Punkten folgen, in Betreff deren derselbe eine geregelte Gebetsübung vorschlägt.

I.

„Ihr wisset, daß wir in einer Zeit leben, in welcher es geht, wie der HErr gesagt hat, Matth. 24, 6—8: „Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen; es wird sich empören ein Volk über das andere und ein Königreich wider das andere.“ Indem man von dem Rechte der Nationen und Nationalitäten spricht, zündet man unter ihnen den Hader an und nimmt von der Welt den Frieden. Unter dem Aufruhr der Gedanken, welcher dadurch entsteht, sucht dann eine jede Nation und ein jeder Mensch das Seine, und was dem Scheine nach zur Steuer der Gerechtigkeit und des Friedens angeregt wird, dient in der Wahrheit dazu, daß die Ungerechtigkeit überhand nimmt und die Liebe erkaltet. So wird es dann offenbar, daß der Feind sein Netz ausgeworfen hat und die Völker, ihren zeitlichen Interessen leidenschaftlich zugewendet, aus dem Auge verlieren, was ihnen zum wahren Frieden dienen könnte. Darum lasset uns beten, daß aller böser Rath und Wille gebrochen und gehindert werde; daß ja nicht geschehe, was der Gott dieser Welt und seine Knechte meinen und wollen; daß den Nationen der Friede gestärkt und erhalten und denjenigen, die sie nach Gottes Willen zu leiten haben, gegeben werde heiliger Muth, guter Rath und gerechte Werke. Ob es aber ja im Rathe des HErrn läge, die abtrünnigen Völker auf den selbsterwählten Wegen in ihr Elend stürzen zu lassen, so möge der HErr uns auf unser Schreien geben, daß Seine Kirche, die von den Pforten der Hölle nicht soll überwunden werden, unter dem Tumult der zeitlichen Interessen dennoch blühe und zum Segen der armen verführten Menge ihr Werk auf

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Indirect Declaration by Löhe concerning His Position within
the Lutheran Church.

At the beginning of this year Löhe had an address "to his friends in Neuendettelsau" printed as a manuscript. From it we learn, first, that these his friends have already, since the years 1858 and 1859, united themselves during Lent "in special prayers for the need of the Church and of the whole world," and that these "exercises" (Exercitien, then!) instituted by them had become so dear and precious to them that they had resolved to repeat them in Lent of the year 1860. Löhe continues: "At our last gathering you asked that I propose to you a certain rule for this year's exercises of your devotion, and indicate those things which in my judgment ought this year especially to be taken up in prayer and laid before the Lord by us; and having beforehand discussed and agreed with you on these points, I now commit to paper rather your opinion than my own, so that you may take account of it in the devotion you have undertaken."

We now let follow, for the orientation of our readers concerning Löhe's present position, the treatment of 12 points, in respect of which he proposes a regulated exercise of prayer.

I.

"You know that we live in a time in which it goes as the Lord has said, Matthew 24:6-8: 'You shall hear of wars and rumors of wars; nation shall rise against nation, and kingdom against kingdom.' In speaking of the rights of nations and nationalities, men kindle strife among them and take peace from the world. Under the tumult of thoughts that thereby arises, every nation and every man then seeks his own, and what is put forward, in appearance, as a furtherance of justice and peace, in truth serves to make injustice increase and love grow cold. So it becomes plain that the enemy has cast out his net, and that the peoples, passionately given over to their temporal interests, lose sight of what could serve their true peace. Therefore let us pray that all evil counsel and will may be broken and hindered; that what the god of this world and his servants intend and will may not come to pass; that peace may be strengthened and preserved for the nations, and that holy courage, good counsel, and righteous works may be given to those who, by God's will, have to lead them. But should it indeed lie in the counsel of the Lord to let the apostate nations plunge into their misery on the ways of their own choosing, then may the Lord grant, at our crying, that His Church, which shall not be overcome by the gates of hell, may nevertheless flourish amid the tumult of temporal interests, and carry on its work