Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 10 › Seite 307

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — October 1860, Seite 307

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Indirecte Erklärung Löhe's über seine Stellung innerhalb der luth. Kirche.                                                    307

symbolisch von der früheren Zeit nichts festgesetzt wurde.*) Der Erfolg ist, daß statt der Einigkeit desto größere Uneinigkeit entsteht, und daß die Kirche in Parteien auseinander geht, weil sie Symbol und Theologie verwechselte und nicht erkannte, wie viel für die Einheit darauf ankommt, der Mannigfaltigkeit, der Freiheit, ja der Schwachheit Rechnung zu tragen. Lasset uns beten, lieben Brüder, daß sich die Kinder Gottes gegenseitig tragen können, einander im Frieden vorangehen und aufeinander im Frieden warten, nicht zu viel von einander fordern, friedlich von einander lernen, gegenseitig an einander klug werden und sich reinigen und daß also durch die unvermeidlichen Richtungen die Sammlung der Wasser vor Fäulniß bewahrt werde, die Kirche ohne gegenseitiges Verlästern den Weg der Vollendung gehe und aus der Unvollkommenheit, die die Richtungen gebiert, Förderung zur wahren Einigkeit gewinne.“

X.

„Auch wir verfolgen eine Richtung: unser ganzer Sinn geht dahin, Schriftmäßigkeit in allen Fragen der Lehre und des Lebens zum obersten Grundsatz zu machen, gegen alle Erscheinungen im kirchlichen Leben aber die Gerechtigkeit zu üben, welche aus dem obersten Grundsatz fließt. Man kann uns wohl sagen, diesen obersten Grundsatz habe die ganze Kirche; und was könnten wir gegen eine solche Behauptung einwenden? Eine Richtung in der Kirche würde aufhören, eine bloße Richtung zu sein, wenn ihre obersten Grundsätze nicht mit der Kirche stimmten. Der Unterschied zwischen uns und anderen besteht daher nur in der verschiedenen Anwendung, die wir von dem gemeinsamen Grundsatz machen. Während unsere Brüder so oft mit allem zufrieden sind, was die Reformation gebracht hat, und mit allem unzufrieden, was sich bei anderen Confessionen findet, wagen wir es, bei der Anwendung unseres obersten Grundsatzes, auch die Reformation und die Kirche derselben zu prüfen, noch vorhandene Schwächen und Mängel zu bekennen und, wenn es sein muß, anzugreifen;**) und ebenso es ohne Umschweif zu bekennen, wenn sich bei anderen Confessionen irgend etwas findet, worin man ihnen Recht geben muß, wenn unser oberster Grundsatz vorurtheilslos geübt werden soll. Auf dem Wege des eigenen Forschens sind wir gottlob dahingekommen, alle symbolischen Entscheidungen der lutherischen Kirche als schriftmäßig zu erkennen und darum hangen wir ihnen an. Ebenso erkennen wir auch, daß die Unterscheidungslehren anderer Confessionen von den Sym⸗

*) Solche Leute sind uns unbekannt, denn die jetzt brennenden Fragen, die man offene zu nennen beliebt, sind längst in den Symbolen beantwortet. Uebrigens wäre es ganz in der Ordnung, wenn man Einheit auch in dem herzustellen bemüht wäre, worüber „symbolisch von der früheren Zeit nichts festgesetzt wurde.“ Sonst müßten die Symbole schon alle göttlichen Wahrheiten enthalten und man dürfte nie durch immer neue Symbole die nothleidende Glaubens⸗ und Bekenntnißeinigkeit zu wahren gesucht haben. L. u. W.
**) Löhe verdient sich wenigstens damit unsern Dank, daß er den Zwiespalt, in den er mit unserer Kirche gerathen ist, ohne Hehl bekennt. L. u. W.

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Indirect Declaration by Löhe concerning His Position within the Lutheran Church.                                                    307

...nothing was symbolically established from an earlier time.*) The result is that instead of unity, all the greater disunity arises, and that the church falls apart into parties, because it confused symbol and theology, and did not recognize how much for unity depends on giving due weight to manifoldness, to freedom, indeed to weakness. Let us pray, dear brethren, that the children of God may bear with one another, go before one another in peace and wait for one another in peace, not demand too much of one another, learn from one another peaceably, grow wise toward one another mutually and purify themselves, and that thus, through the unavoidable tendencies, the gathering of the waters may be kept from putrefaction, that the church may go the way of perfection without mutual slander, and that out of the imperfection which the tendencies bring forth, advancement toward true unity may be gained."

X.

"We too pursue a tendency: our whole intent is directed toward making conformity to Scripture, in all questions of doctrine and of life, our supreme principle, and toward exercising, against every phenomenon in church life, the justice that flows from that supreme principle. One may well say to us that the whole church has this supreme principle; and what could we object to such an assertion? A tendency within the church would cease to be a mere tendency if its supreme principles did not agree with the church. The difference between us and others therefore consists only in the different application which we make of the common principle. Whereas our brethren are so often satisfied with everything the Reformation has brought, and dissatisfied with everything found among other confessions, we venture, in applying our supreme principle, to examine the Reformation and its church as well, to confess weaknesses and defects still present and, if it must be, to attack them;**) and equally to confess without evasion when something is found among other confessions in which one must grant them to be right, if our supreme principle is to be practiced without prejudice. On the path of our own inquiry we have, thank God, come to recognize all the symbolical decisions of the Lutheran Church as conformable to Scripture, and therefore we cling to them. Likewise we also recognize that the distinguishing doctrines of other confessions from the sym—

*) Such people are unknown to us, for the questions now burning, which one is pleased to call open, have long since been answered in the symbols. Moreover, it would be perfectly in order if one also endeavored to establish unity in that concerning which "nothing was symbolically established from an earlier time." Otherwise the symbols would already have to contain all divine truths, and one would never be permitted, through ever-new symbols, to have sought to preserve the sorely tried unity of faith and confession. L. u. W.
**) Löhe at least deserves our thanks for this much, that he confesses without concealment the rift into which he has fallen with our church. L. u. W.