Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 7 › Seite 213
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Juli 1858, Seite 213
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Beruf des Paſtors · Beruf des Paſtors.—Verſetzung. —— 20 · Paſtor · Synode
Von der Beförderung der Pastoren. 213
insbesondere schmecken. So haben auch einige Kirchen einen so reichlichen
Ueberfluß an Lehrenden, daß sie die Entfernung eines einzigen ohne offenbare
Gefahr gleichmüthig ertragen. Andere haben an verdienstvollen und tüchtigen
Männern einen traurigen Mangel und sind in solcher Armuth und
Dürftigkeit, daß, wenn jene weggehen, sogleich alles Unglück zu fürchten ist.
Es giebt solche, welche längst die schönste Blüthe und Kraft nicht blos der
reinen Lehre, sondern auch der kirchlichen Zucht in Bezug auf Ordnung und
Aufsicht erlangt haben. Andere dagegen sind erst einzurichten und entbehren
diesen gerechten Schmuck oder bedürfen wenigstens einen großen Zuwachs
desselben. Man sieht ferner solche, welche Willen und Freudigkeit haben, ihre
Prediger zu behalten und Fähigkeit, sie zu erhalten, andern fehlt entweder
beides oder eins von beiden. Auch finden sich einige, welche dem größten und
vorzüglichsten Theile ihrer Glieder nach willig sind und auf das Wort ihrer
Pastoren hören, andere setzen den Unrath der gottlosesten Säue von der
Heerde Epikur's in die Welt, von denen keine Bekehrung zu hoffen steht, welche
Gott verwerfen, das Wort für nichts achten, die Sacramente gering schätzen,
die Prediger verachten, der Unzucht dienen, dem Trunk sich ergeben, nach
Wucher und Raub trachten und auf jeden gräulichen und abscheulichen Frevel
sinnen und denken. Von den erstern ist nicht sowohl die Rede als von
den letztern.
Wenn daher ein Beruf in jeder Hinsicht auf rechtmäßige und daher gottgefällige
Weise kommt, durch diejenigen, welchen das Berufungsrecht zusteht,
und gottesfürchtige und gelehrte Männer nach den inbrünstigsten Gebeten
dazu rathen: so sollte man denselben Beruf, namentlich, wenn er wider alle
Hoffnung und Erwartung ausgestellt worden ist, nicht ohne Bedacht ablehnen,
namentlich wenn auch das beobachtet worden ist, was den Vorstehern *)
der Kirche, die zu berufen haben, obliegt.
Denn diesen muß 1. am Herzen liegen, daß sie niemand versetzen, ohne
vorher pflichtgemäß erwogen zu haben, ob für das Wohl der berufenden Gemeinde
nicht in anderer Weise gesorgt werden könne; denn es darf keine
Heerde um ihren Hirten betrogen werden, wenn auf irgend welche Weise der
ihres Pastors beraubten Gemeinde Hülfe geschafft werden kann. Es ist eine
bedenkliche Sache und nicht ohne hinreichenden Grund zu versuchen, daß ein
Pastor von seiner Gemeinde geschieden werde. Ich gestehe zu, daß das allgemeine
Beste der Kirche dem besondern vorgeht, aber nur, wenn es die unvermeidliche
Nothwendigkeit fordert.
2) Die Versetzenden müssen dafür Sorge tragen, daß die Gemeinde,
*) Der Verfasser hat die Verhältnisse der deutschen Staatskirchen im Auge, wo die
Versetzung und Beförderung der Prediger in den Händen der landesherrlichen Consistorien
ist. Da hier die Macht der deutschen Consistorien in den Händen der beiden Stände liegt,
aus welchen hier lediglich die Kirche, mit Ausschluß des obrigkeitlichen Standes, besteht,
nämlich Prediger und Zuhörer, so mögen diese die folgenden Worte treuer
Ermahnung beherzigen. Der Uebersetzer.
English translation AI translation
On the Advancement of Pastors. 213
in particular. So too some churches have so abundant a surplus of teachers
that they bear the loss of a single one, without evident danger, with
equanimity. Others suffer a sorry want of deserving and capable men and are
in such poverty and need that, should those men leave, every misfortune is
at once to be feared. There are some that have long since attained the
fairest bloom and vigor, not only of pure doctrine, but also of church
discipline with respect to order and oversight. Others, by contrast, are
only now being set in order and lack this rightful ornament, or at least
need a great increase of it. One sees, further, some that have the will and
readiness to keep their preachers, and the means to maintain them; others
lack either both or one of the two. There are also some which, as to the
greater and better part of their members, are willing and give ear to the
word of their pastors; others cast forth into the world the filth of the
most godless swine of Epicurus's herd, from whom no conversion is to be
hoped, who reject God, count the Word as nothing, hold the sacraments in
low esteem, despise their preachers, give themselves to fornication,
surrender themselves to drink, hanker after usury and plunder, and
contrive and devise every abominable and detestable outrage. It is not so
much of the former that we speak here as of the latter.
When, therefore, a call comes in every respect in a lawful and thus
God-pleasing manner, through those to whom the right of calling belongs,
and godfearing and learned men, after the most fervent prayers, advise
accepting it: then one should not decline that same call without due
consideration — especially when it has been extended against all hope and
expectation — especially when what is incumbent on the overseers *) of the
church whose office it is to call has also been observed.
For these must, first, take it to heart that they transfer no one without
first having duly weighed whether the welfare of the calling congregation
could not be provided for in some other way; for no flock ought to be
defrauded of its shepherd if help can be procured for a congregation
bereft of its pastor by any means whatsoever. It is a serious matter, and
one not to be attempted without sufficient cause, that a pastor be parted
from his congregation. I grant that the general good of the church takes
precedence over the particular, but only when unavoidable necessity
demands it.
2) Those making the transfer must take care that the congregation,
*) The author has in view the conditions of the German state churches,
where the transfer and advancement of preachers lies in the hands of the
territorial consistories. Since here the power of the German consistories
lies in the hands of the two estates of which alone the church here
consists, the civil estate being excluded — namely, preachers and hearers
— may these lay to heart the following words of faithful admonition.
The Translator.