Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 5 › Seite 160

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Mai 1857, Seite 160

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160 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches.

hiesigen Kirche zurückkehren. Wir trösten uns damit, daß Gemeinschaft des heil. Abend⸗
mahls noch eine engere ist, als die der Taufe. Erstere haben wir mit allen bekenntnißtreuen
lutherischen Kirchen unseres Vaterlandes; mit der lutherischen Kirche in Preußen stehen wir
auch in Ordinationsgemeinschaft. Unter die Leitung des hochw. O.⸗K. C. haben wir uns
bisher aus mancherlei Gründen noch nicht gestellt, vorzüglich weil noch keine Veranlassung
dazu vorhanden war, und weil unsere hiesige Stellung dadurch noch schwerer werden würde,
zumal es schon übel vermerkt ist, daß wir uns 1852 an die Generalsynode gewandt hatten.
Außerdem sind uns etliche Puncte Eurer Kirchenverfassung nicht recht, und — was uns wich⸗
tiger als dies ist — wir möchten den Grundsatz practisch durchführen, die Einigkeit der Kirche
nicht im Regiment, sondern im Bekenntniß zu haben. Und im Glauben und Blut Christi
sind wir ja Gottlob völlig eins. Das muß jetzt genug sein.

Berlin. So schreibt die Dorfkirchenzeitung: Wir schließen mit einer fröhlichen Zei⸗
tung aus Berlin, die alle Leser zu innigem Dank gegen GOtt erwecken möge. Die luthe⸗
rische Gemeinde hat kürzlich eine schöne Richtfeier beim Bau ihrer Kirche gehalten. So der
HErr hilft, soll im Laufe des nächsten Jahres ebenso die Kirchweih folgen. Den letzten
Sonntag des Kirchenjahres hat aber GOtt der Gemeinde zum besondern Festtag gemacht:
Herr Missionsinspector Haag (früher Prediger in Baden) wurde nebst 4 Zöglingen des
unirten Missionshauses in unsere Kirche aufgenommen. Wie mächtig und treu ist der HErr,
der die Seinen nicht läßt! Dem Pastor Haag sind die Glieder seiner frühern Gemeinde in
Baden auf diesem Wege bereits vorangegangen (worüber wir gern von dorther berichten
hörten). Dieser Austritt aber ist ein lautes Zeugniß zumal für Berlin, wo eben eine Ver⸗
sammlung der Obersten aus der preußischen Union tagt (dazu Einer aus dem lutherischen
Hamburg), um die Schäden der Landeskirche zu besehen. Da hat der HErr nicht unterlassen,
einen Fingerzeig zu geben, was heilen kann, wo weder Kraut noch Pflaster heilt, näm-
lich ehrliche Umkehr zu Seinem Wort und dessen vollem Bekenntniß, wie es die lutherische
Kirche bekennt. Ach, daß auch sie nicht länger klagen müßten mit Jer. 51, 9! Wie ver⸗
zweifelt der Schaden sein muß, kann man täglich aus den Klagen unirter Blätter erfahren.

Der unirte Solmsische Missionsverein. So berichtet der „Freimund“:
Im Großherzogthum Hessen liegen nahe zusammen das Fürstenthum Solms-Lich, ein Theil
des Fürstenthums Solms-Braunfels und die Grafschaft Solms-Laubach. Die Fürsten zu
Solms-Lich sind reformirt geworden. Es gelang ihnen aber nur, zwei Dorfgemeinden von
dem reinen Glauben abzulenken. Den Braunfelsern gelang ihr übles Vorhaben überall,
bis auf das Dorf Röthges, welches die reformirten Pfarrer einer Tradition nach standhaft
vertrieb und deshalb heute noch der lutherischen Pfarrei Wetterfeld affiliirt ist. Laubach ist
der reinen Lehre zugethan. Es machte nun vor Kurzem ein Pfarrer den Vorschlag, einen
Solmsischen Missionsverein zu gründen, um auf diese Weise auch die Pfarrer und die Ge⸗
meinden zur Missionsthätigkeit anzuregen, welche sich derselben seither enthalten hätten. Das
fand vielen Beifall. Eine große Versammlung wurde in Lich gehalten. Da aber fügte es
sich, daß einer der geladenen Pfarrer etwa also sagte: Wenn er sich auch herzlich über die
neuerwachende Liebe zur Mission freue, die er hier wahrnehme, so könne er doch dem beab⸗
sichtigten Verein nicht beitreten, weil er bereits Mitglied des lutherischen Missionsvereins sei.
Auch sei er überzeugt, daß sich ein so tiefer Spalt durch die ganze Lehre der beiden Kirchen
ziehe, daß derselbe durch einen unirten Missionsverein nicht ausgefüllt werden könne. Dem
stimmten einige der Anwesenden bei. Und obwohl nun die Statuten trotzdem vorgelegt, be⸗
rathen und durch Abstimmung von der großen Mehrzahl der zahlreichen Versammlung an⸗
genommen wurden, so fiel doch die ganze Sache in derselben Versammlung zuletzt wieder in
nichts zusammen, indem jene wenigen fest standen und jedermann zuletzt einsah, daß das Vor⸗
haben ein vergebliches sei.

Es ist dies der dritte mir bekannte unirte Missionsverein in Hessen⸗Darmstadt, der ver⸗
sucht, gegründet und fallen gelassen wird. Und obwohl einer derselben sich weit ausbreitete,
auch der allgemein hessische genannt wurde, so sind doch mehrere seiner Vorsteher ausgetreten,
um Mitglieder des lutherischen Missionsvereins zu werden. Ein Theil seiner Mitglieder
machte es ebenso. Ein anderer Theil hat sich von ihm losgesagt, um angeblich einen auf
der (gut lutherischen) Agende von 1724 basirenden Missionsverein zu gründen, der aber —
nicht lutherisch sein soll. Derselbe weissagt also bei solcher Begriffsverwirrung auch kein lan⸗
ges Bestehen.

Der lutherische Missionsverein dagegen besteht, hat seine geordnete Gliederung und
wächst durch Gottes Gnade nach innen und nach außen.

Sollten nun die unirt Gesinnten nicht bald daraus klug werden? Ein reformirter Geist⸗
licher warf dem genannten treuen lutherischen Pfarrer vor, er habe die Sache verpfuscht.
Und als dieser sich gegen diesen Ausdruck verwahrte, weil er nie ein Pfuscher gewesen sei, so
meinte jener: „Ja, Sie! Sie haben die ganze Sache verbittert!“ Verbittern ist ein hessi⸗
scher Provinzialismus und heißt etwa so viel, als Anschläge zunichte machen, wie Husai 2
Sam. 15, 34. geboten wurde. Wenn aber ein einfaches Zeugniß eine sonst so schöne und
gute Sache verbittern kann, so muß diese doch an einem mächtigen Fehler leiden, wie etwa
ein schöner Bau, der bald zusammen fiele, weil er auf Heu und Stoppeln errichtet ist.

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160 Church-Current-Events.

return to the fellowship of the local church. We comfort ourselves with
this, that fellowship in the Holy Supper is a still closer thing than that
of baptism. The former we have with all confessionally faithful
Lutheran churches of our fatherland; with the Lutheran church in
Prussia we also stand in fellowship of ordination. Under the direction
of the reverend O.-K.C. we have not so far, for various reasons, placed
ourselves, chiefly because there has as yet been no occasion for it, and
because our position here would thereby become still more difficult,
especially since it has already been held against us that we turned to
the General Synod in 1852. Besides, several points of your church
constitution do not sit right with us, and — what is more important to
us than this — we would like to carry out in practice the principle of
having the unity of the church not in government but in confession.
And in the faith and blood of Christ we are, thank God, fully one. That
must suffice for now.

Berlin. So writes the Dorfkirchenzeitung: We close with a joyful piece
of news from Berlin, which may move all readers to heartfelt
thanksgiving toward God. The Lutheran congregation has recently held
a fine topping-out ceremony in the building of its church. If the Lord
grants it, the consecration is likewise to follow in the course of next
year. But on the last Sunday of the church year God made a special
festival day for the congregation: Mission Inspector Haag (formerly a
preacher in Baden) was received into our church along with 4 pupils
of the united mission house. How mighty and faithful is the Lord, who
does not forsake His own! The members of Pastor Haag's former
congregation in Baden had already gone before him on this path (of
which we gladly heard reports from there). This withdrawal, however,
is a loud testimony especially for Berlin, where just now an assembly of
the leaders of the Prussian Union is meeting (together with one from
Lutheran Hamburg) to examine the ills of the state church. There the
Lord has not failed to give a sign of what can heal where neither herb
nor poultice heals, namely, honest return to His Word and its full
confession, as the Lutheran church confesses it. Ah, that they too might
no longer have to lament with Jer. 51:9! How desperate the harm must
be one can learn daily from the complaints of the Union papers.

The united Solms mission society. So reports the "Freimund": In the
Grand Duchy of Hesse there lie close together the Principality of
Solms-Lich, part of the Principality of Solms-Braunfels, and the County
of Solms-Laubach. The princes of Solms-Lich have become Reformed.
They succeeded, however, only in turning two village congregations
away from the pure faith. The Braunfels line succeeded in their evil
undertaking everywhere except in the village of Röthges, which,
according to tradition, steadfastly drove off the Reformed pastors and
therefore is still today affiliated with the Lutheran parish of Wetterfeld.
Laubach is devoted to the pure doctrine. Recently a pastor made the
proposal to found a Solms mission society, so as in this way also to
stir up to mission activity the pastors and congregations that had
hitherto abstained from it. This found much approval. A large assembly
was held in Lich. But it then happened that one of the invited pastors
said something like this: that although he too heartily rejoiced over the
newly awakening love for missions which he perceived here, he could
not join the intended society, because he was already a member of the
Lutheran mission society. He was also convinced that so deep a rift
runs through the whole doctrine of the two churches that it could not
be filled up by a united mission society. To this some of those present
assented. And although the statutes were nevertheless presented,
debated, and adopted by a vote of the great majority of the numerous
assembly, the whole matter in the end again collapsed into nothing in
that same assembly, in that those few held firm and everyone in the
end realized that the undertaking was a vain one.

This is the third united mission society known to me in Hesse-
Darmstadt that is attempted, founded, and let fall. And although one of
them spread widely and was even called the general Hessian society,
several of its leaders have nevertheless withdrawn to become members
of the Lutheran mission society. Part of its membership did likewise.
Another part has broken away from it in order, allegedly, to found a
mission society based on the (good Lutheran) liturgy of 1724, which,
however, is not supposed to be Lutheran. This one, then, given such
confusion of concepts, likewise promises no long existence.

The Lutheran mission society, on the other hand, stands firm, has its
orderly organization, and grows by God's grace both inwardly and
outwardly.

Should not those of a union mind now soon grow wise from this? A
Reformed clergyman charged the aforementioned faithful Lutheran
pastor with having bungled the matter. And when he defended himself
against this expression, because he had never been a bungler, the
other said: "Yes, you! You have embittered the whole matter!" To
embitter is a Hessian provincialism meaning roughly to bring plans to
nothing, as Hushai was bidden to do in 2 Sam. 15:34. But if a simple
testimony can embitter a matter otherwise so fine and good, then that
matter must indeed suffer from some serious flaw, like a fine building
that would soon collapse because it was built on hay and stubble.