Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 5 › Seite 131

Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Mai 1857, Seite 131

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Zu der Lehre von der Gnadenwahl und einigen damit zusammenhängenden ꝛc. 131

bleibende Zwiespalt, die feindselige Entfremdung von dem göttlichen Gesetze, das außerhalb der mosaischen Kunde in einem sittlichen Urtheil begriffen ist, welches dem Heiden durch das angeborne Innewerden und allgemeine, wiewohl der Fälschung ausgesetzte Anerkennung des Wahren und Guten*) aufgenöthigt wird, und durch gelöst sein wollende, die Lebensäußerungen nach einem Normalzustand regelnde und einschränkende Aufgaben fordernd gegenüber tritt, erweist die Ohnmacht und Insolvenz der Creatur. Das Wort der Offenbarung gibt den einigen Aufschluß über die Ursache alles solchen Elends, das die unsterbliche Seele über das Grab hinaus einer rächenden Vergeltung anheimfallen läßt. Daher Ps. 51, 7 fg. sich in dem tiefen Schmerz des reuigen Bekenners zugleich die Empfindung ausspricht, daß der Quell und die Wurzel seiner wirklichen Sünde, die von den Eltern angeerbte und empfangene Schuld, in welcher die Kinder gleichwohl mit gesündigt haben, als etwas einmal jetzt Vorhandenes und außerhalb des Bereichs des freien Willens in einem Jeden Liegendes, der göttlichen Barmherzigkeit den Anspruch an den Unheiligen nicht benehme. Wo dieses Alles nicht der Fall ist, da muß, nachdem die Ueberlie⸗

es wollen, auf ein Subordinationsverhältniß aller eignen Interessen unter höhere Bedingungen hinzuweisen, dadurch wir dann in unserm Bewußtsein die Idee eines schlechthin nothwendigen Anfängers und Urhebers der Dinge ausdehnen müssen auf eine Alles leitende höchste Weisheit und Liebe, auf die Regierung auch des Geistigsten in uns durch ein ethisches Soll, jener Idee die Herrschaft einzuräumen und zwar also, daß sie die selbstischen Triebe, Neigungen und Begehren durchbreche. Weil nun aber in der seelischen Freiheit des Menschen die Möglichkeit gegeben war und zur Wirklichkeit geworden ist, durch sein persönliches Ich wie Stellung zur Welt Impulse wider das Gewissen zu empfangen und auf diese mit allen übrigen Kräften einzugehn: so ist er gar wohl im Stande, das ihm lästige unmittelbare Gefühl, durch welches auf die von da aus bewegende Macht des Gewissens hingedeutet wird, zu übertäuben und es abzustumpfen. Ebenso kann er, veranlaßt durch das seiner Alles durchdringenden Ueberordnung beraubte Treiben desselben, aber unrecht geleitet durch ein Bestehen von Schwäche umschleierter Erkenntniß und falschem Urtheil des Verstandes (1 Cor. 8, 7) in Zweifel und irrigen Anstoß gerathen, der, so lange es bei der Verworrenheit über den Inhalt des Gewissens bleibt, nicht die Gefahr der Verstockung hat.

*) Anm. Unter dem Wahren und Guten verstehen wir, wenn wir einmal zu der Idee einer allbefassenden Realität gelangt sind, ein derselben, unserm Verhältnisse gegen sie und Anderes neben uns, somit der menschlichen Vollkommenheit wesentlich Gemäßes. Wahrheit drückt die Relation eines und desselben Seins zu einem Verstand, Güte zu einem Willen, mit welchem es verglichen wird, Vollkommenheit gegen die Summe der durch dasselbe möglichen Wirkungen aus. (Schönheit ist die Uebereinstimmung des Idealen und Individualen in der Erscheinung, der sinnlichen Form. —) Das Wesen des Gewissens ist bei dem Kinde, dem Heiden, dem Christen ein und dasselbe; es kommt nicht sowohl auf die Reife des Bewußtseins, (wornach die Deutlichkeit des wesentlichen Inhalts der Begriffe sich bestimmt,) sondern die Empfänglichkeit desselben für jenes, das in ihm seine Erscheinung hat, hierbei an; davon hängt die Macht der Wirkung im Gefühle ab, das nur irrig wird, wenn es ein mittelbares ist, (vgl. Luther zu 1 Mos. 6, 21. Th. I. S. 65,) und zwar wegen des verderbten menschlichen Gesammtzustandes. Das durch dergleichen verdunkelte Licht der Erkenntniß unsrer selbst, d. h. die Verdunkelung der Sünde in uns dadurch, daß die innere geistige Empfindung von derselben vermittelst des Gewissens, nicht beachtet und gepflegt, immer mehr sich verlor, sollte von dem Gesetz der Schrift wieder hell, die Sünde hell, die Sprache des Gewissens wieder hell gemacht werden. Siehe unten Seite 134 das Citat aus Augustin ꝛc.

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On the Doctrine of the Election of Grace and Some Matters Connected Therewith, etc. 131

...abiding division, the hostile estrangement from the divine law — which, apart from the Mosaic revelation, is comprised in a moral judgment forced upon the heathen through an innate awareness and a general, though counterfeit-liable, recognition of the True and the Good*) — and which confronts him, demanding tasks that seek release and yet regulate and restrict the expressions of life according to a normal standard — proves the powerlessness and insolvency of the creature. The Word of Revelation alone gives disclosure concerning the cause of all such misery, which lets the immortal soul, beyond the grave, fall subject to an avenging retribution. Hence in Psalm 51:7f. there is expressed, in the deep pain of the penitent confessor, at the same time the sense that the source and root of his actual sin — the guilt inherited and received from his parents, in which the children have nevertheless likewise sinned — being something now, once for all, present and lying in each person outside the reach of the free will, does not thereby take from divine mercy its claim upon the unholy one. Where all this is not the case, then, once the tradition...

...it wishing to point to a relationship of subordination of all one's own interests under higher conditions, whereby we must then, in our consciousness, extend the idea of an absolutely necessary originator and author of things to an all-guiding highest wisdom and love — granting dominion, in the governance also of what is most spiritual in us through an ethical "ought," to that idea, in such a way, namely, that it breaks through the selfish drives, inclinations, and desires. But because, in the soul's freedom, the possibility was given to man, and has become actuality, of receiving, through his personal I as well as through his position toward the world, impulses against the conscience, and of engaging with these with all his remaining powers, he is quite well able to deaden and blunt the immediate feeling, troublesome to him, by which the power of conscience moving from that source is pointed to. Likewise he can, prompted by that same drive of it, now deprived of its all-pervading supremacy, but wrongly guided by a persistence of knowledge veiled in weakness and a false judgment of the understanding (1 Corinthians 8:7), fall into doubt and mistaken offense — which, so long as it remains at mere confusion concerning the content of conscience, does not carry the danger of hardening.

*) Note. By the True and the Good we understand, once we have arrived at the idea of an all-encompassing reality, something essentially conformable to that reality — to our relation toward it and toward what else exists alongside us, and thus to human perfection. Truth expresses the relation of one and the same being to an understanding; goodness, its relation to a will with which it is compared; perfection, its relation to the sum of the effects possible through that same being. (Beauty is the correspondence of the ideal and the individual in appearance, in sensible form.—) The essence of conscience is one and the same in the child, the heathen, and the Christian; what matters here is not so much the maturity of consciousness (according to which the distinctness of the essential content of the concepts is determined), but rather that consciousness's receptivity for that which has its appearance in it; on this depends the power of the effect within feeling, which becomes erroneous only when it is a mediated one (cf. Luther on Genesis 6:21, part I, p. 65) — namely because of the corrupted condition of mankind as a whole. The light of the knowledge of ourselves, darkened by such things — that is, the darkening of sin within us, in that the inner spiritual perception of it, mediated through the conscience, being neither heeded nor cultivated, was ever more lost — was, by the Law of Scripture, to be made clear again: sin made clear, the language of conscience made clear again. See below, page 134, the citation from Augustine, etc.