Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 4 › Seite 109
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1857, Seite 109
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Der Rumor über die neuesten Oberconsistorialgeneralien in Bayern. 109
der II. Verfassungsbeilage „Glaubensgesetze mit äußerm Zwang geltend zu machen?“ Die Einsicht in die Generalien muß jeden überzeugen, daß davon äußerm Zwang überall nicht die Rede ist, vielmehr immer und immer wieder eingeschärft wird, der bessern Ordnung, die angestrebt wird, durch mehrfältige Belehrung und Aufklärung über dieselbe Eingang zu verschaffen. Wo liegt denn nun die Verletzung der Gewissensfreiheit, über welche die Adresse sich so schwer beklagt? Aus der Verfassungsurkunde und aus den „Gesetzen unserer Kirche“ (das heißt, oder soll heißen: aus den Bekenntnißschriften unserer Kirche) ist nachgewiesenermaßen nichts der Art zu erweisen; aber wir hätten gleich die Worte der Adresse näher ins Auge fassen und nicht gleich bei dem ersten stehen bleiben sollen, so hätten wir viel schneller Aufschluß bekommen, denn auf jenes erste Wort „Gewissensfreiheit“ folgt sogleich: „Freiheit der Meinungsäußerung!“ das ist die nähere Erklärung zur „Gewissensfreiheit,“ und diese Erklärung ist auch ganz richtig; denn unter Glaubens⸗ und Gewissensfreiheit kann nicht die Freiheit verstanden sein, in meinem Herzen zu glauben und zu denken, was ich nach bestem Wissen und Gewissen für wahr und recht halte (denn diese Freiheit braucht mir keine Verfassungsurkunde zu garantiren, Gedanken sind von jeher „zollfrei“ gewesen), sondern die Freiheit muß es sein, meine Glaubensmeinung auch zu äußern, zu bekennen und ihr gemäß handeln“ und wandeln zu dürfen. Aber wo ist nun in den Oberconsistorialgeneralien die „Freiheit der Meinungsäußerung“ beeinträchtigt? Wir werden nicht lange zu suchen brauchen; unsere „Protestanten“ können nichts anderes damit meinen, als daß das Generale über die „Ordnung des Beichtstuhls“ bestimmt, daß „öffentliche und unbußfertige Sünder, die — seelsorgerlicher und beichtväterlicher Ermahnung ungeachtet — ihre Sünden nicht bereuen, noch sich bessern wollen, von der Absolution und Communion mit aller christlichen Milde abzumahnen und zurückzuweisen“ seien; desgleichen daß das Generale, „Sicherstellung des geistlichen Amtes gegen ungebührliche Zumuthungen“ betreffend, die Norm aufstellt: „Lästerern und offenbaren Verächtern der Kirche, d. i. solchen Personen, welche seelsorgerlicher Unterweisung und wiederholter Vermahnung ungeachtet, ihre Feindschaft gegen die Kirche durch Spott und Hohn über kirchliche Lehre und Bekenntniß offen an den Tag legen, oder welche sich der Theilnahme an den Gnadenmitteln, jeder Vermahnung zum Trotze, geflissentlich und beharrlich entziehen und in Unbußfertigkeit versterben, ist bei dem Begräbnisse die Ehre der Begleitung des Leichenzuges durch den Geistlichen und der kirchliche Segen zu versagen“ (auch sollen dieselben nach Ziffer 1 nicht als Taufpathen angenommen werden). So verlangen also diese „Protestanten“ eine Freiheit des Hohnes und Spottes und der Lästerung gegen die eigene Kirche, der sich diese in keiner Weise erwehren dürfe! Sie stellen eine Bekämpfung solcher Zügellosigkeit mit den rein kirchlichen, seelsorgerlichen Waffen der Belehrung, Vermahnung und endlichen Ausschließung aus der Kirche als eine Verfassungsverletzung dar, während das Preßgesetz solche
English translation AI translation
The uproar over the most recent Superior Consistory generalia in Bavaria. 109
of Appendix II to the constitution, "laws of faith with external compulsion"? A careful reading of the generalia must convince anyone that there is nowhere any talk at all of external compulsion; rather, it is impressed again and again that entry for the better order that is being striven for is to be procured through repeated instruction and enlightenment concerning it. Where then lies the violation of freedom of conscience, of which the address complains so grievously? From the constitutional charter and from the "laws of our church" (that is, or should mean: from the confessional writings of our church), nothing of the kind is demonstrably to be shown; but had we looked more closely at the words of the address, and not stopped short at the first one, we would have arrived at the explanation much more quickly, for upon that first word "freedom of conscience" there follows immediately: "freedom of expression of opinion!" that is the closer explanation of "freedom of conscience," and this explanation is also entirely correct; for by freedom of faith and of conscience cannot be meant the freedom to believe and think, in my own heart, whatever I hold to be true and right according to my best knowledge and conscience (for this freedom needs no constitutional charter to guarantee it to me; thoughts have from time immemorial been "duty-free"), but rather the freedom must consist in being permitted also to express my conviction of faith, to confess it, and to act and walk in accordance with it. But where now, in the Superior Consistory generalia, is "freedom of expression of opinion" infringed? We shall not need to search long; our "Protestants" can mean nothing else by it than that the generale concerning the "order of the confessional" determines that "public and impenitent sinners, who — notwithstanding pastoral and confessorial admonition — do not repent of their sins nor wish to amend, are to be warned away from and refused absolution and communion with all Christian gentleness"; likewise that the generale concerning the "safeguarding of the ministerial office against unseemly demands" sets up the norm: "To blasphemers and open despisers of the church, that is, to such persons as, notwithstanding pastoral instruction and repeated admonition, openly display their enmity against the church through mockery and derision of church doctrine and confession, or who, in defiance of every admonition, deliberately and persistently withdraw from participation in the means of grace and die impenitent, the honor of accompaniment of the funeral procession by the clergyman and the church's blessing shall be denied at burial" (moreover these same persons shall, according to point 1, not be accepted as godparents at baptism). Thus these "Protestants" demand a freedom of mockery and derision and slander against their own church, against which the church may in no way defend itself! They present a defense against such licentiousness, using the purely churchly, pastoral weapons of instruction, admonition, and eventual exclusion from the church, as a violation of the constitution, whereas the press law forbids such