Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 4 › Seite 128
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1857, Seite 128
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128 Kirchlich-Zeitgeschichtliches.
gehorchen nicht im Stande sei, wollte er mich arretiren, wovon er nur durch meine Vorstellung abzubringen war, daß er dann ungesetzlich handle, ich ihm auch nicht folgen werde, weil er mir zu solcher Gewaltthat keinen höhern Befehl vorzeigen könne, wie er doch nach dem Gesetz müsse, und ohnedem seine Untergebenen, meine Pfarrkinder, Zeugniß ablegen könnten, daß ich keine verbrecherische Handlung begangen habe, auch für meine Person garantiren würden, wodurch eine Arretirung durchaus ungesetzlich werde. Nach langer Verhandlung, in welcher ich nicht wich, vereinigten wir uns dann im Frieden dahin, daß er an das Amt berichten solle, er habe mir die Taufe verboten, ich aber den Gehorsam verweigert, und so wollten wir abwarten, was daraus werde. Darauf taufte ich ungestört, und nun wollen wir abwarten, was wird. Gott der Herr wolle nur geben, daß dieser faule Friede einmal gebrochen werde, der nur so lange besteht, als es dem Bürgermeister oder unirten Pfarrer gefällt, denn auch in diesem Falle hätte der Bürgermeister geschwiegen, wenn nicht der unirte Pfarrer ihn aufgereizt und befohlen hätte, gegen mich einzuschreiten, wie er mir auch dessen Brief vorzeigte. Wir wollen lieber ehrlich streiten und leiden, denn so werden wir doch eher zu ehrlichem, offenen Frieden gelangen. (Pr. Kirchenblatt.)
Dänemark. Folgendes lesen wir im „Freimund“: In den „Erlebnissen eines Schleswig'schen Predigers in den Friedensjahren 1837—1850“ ꝛc. von Fr. Petersen findet sich nach W. Menzel's Literaturblatt folgende Schilderung kirchlicher Zustände in Dänemark mit einem nicht zu übersehenden Seitenblick auf Mecklenburg. Petersen schildert die dänische Geistlichkeit mit wenigen Ausnahmen als ein klägliches Mittelding zwischen englischem Hochkirchenthum und deutscher rationalistischer Seichtigkeit. Diese Geistlichkeit hat nämlich den Reichthum und den Hochmuth der bischöflichen Kirche, aber ohne Orthodoxie, und ist versunken in die tiefste Gemeinheit. Der Verfasser erzählt eine Menge sie betreffender Anecdoten. Die reichen dänischen Bischöfe und Pfarrer spielen Karte, tanzen, jagen, trinken und schwelgen ganz öffentlich; bei dem von den Geistlichen nicht mehr in Zucht gehaltenen gemeinen Volke findet sich auch, wie bei den höheren Ständen, Sinnlichkeit und Genußsucht weit verbreitet. „Die Unsittlichkeit, welche dort noch die Massen durchsäuert, welche namentlich die ehelichen Bande lockert, so daß ein sittliches, treues Ehepaar fast zu den Seltenheiten gerechnet werden kann, der niedrige Stand intellectueller Volksbildung, die offenkundige Genußsucht aller Stände, der dürftige Bestand des Unterrichts in den Volksschulen, der trockene Stand der Religionslehre in den Kirchen und andere Dinge waren mir nicht verborgen geblieben. In keinem Lande Europa's, mit Ausnahme von Mecklenburg, wo es noch schlechter steht, werden so viel uneheliche Kinder geboren, gibt es so viel Ehen, denen die eheliche Treue fehlt, als in Dänemark. Wenn der Oberkirchenrath Kliefoth zu Schwerin in seiner Synodalpredigt vom Jahre 1851 sagt, daß in Mecklenburg jedes vierte Kind ein uneheliches, jede zwölfte Ehe eine wilde, jeder hundertste Mensch ein inhaftirter Verbrecher sei; ferner, daß in einem Kreise von zwanzig Kirchen der Gottesdienst in einem Jahre 228 mal habe aus Mangel an Zuhörern ausgesetzt werden müssen, so findet sich die Parallele hievon nur in Dänemark wieder.“
Das Sächsische Kirchen⸗ und Schulblatt. Ein gewisser sächsischer Pastor M. Gehe, hat ein Schriftchen herausgegeben, in welchem er gegen die „Orthodoxen“ in Sachsen allerlei Klagen erhebt. Hierauf gibt das „Sächsische Kirchen- und Schulblatt“ eine kurze Erwiderung, worin es unter Anderem heißt: „Herr Gehe übertreibt auch darin, daß er uns der Hinneigung zur katholischen Hierarchie beschuldigt. Wenn dieser Vorwurf auf eine gewisse Lehre vom Amte wirklich anwendbar sein sollte, so hätte unser Gegner doch auch wissen sollen, daß Höfling, den man doch wohl nicht Herrn Gehe's Gesinnungsgenossen zählen wird, diese Lehre von der Kirche und Amt bekämpft hat und daß im sächs. Kirchen⸗ und Schulblatte, wenn wir nicht irren, diese Ansicht bestritten, jedenfalls aber in den Angelegenheiten der Buffalosynode eine gegen dieselbe gerichtete Anschauung von der Sache verfochten wurde. Ist es also nicht Uebertreibung, wenn Herr Gehe Ansichten einiger orthodoxen Theologen, die ausdrücklich von andern orthodoxen Theologen bestritten werden, uns allen in die Schuhe schiebt und daraus uns verdächtigende Folgerungen zieht.“ — In Deutschland müssen also unsere Brüder auch erfahren, was wir hier. Denn auch hier wird, namentlich von den Secten, alles das auf unsere Rechnung geschrieben, was sogenannte Altlutheraner lehren, selbst wenn es zu denjenigen Stücken gehört, die wir alles Ernstes bekämpfen.
Christian Phil. Heinr. Brandt, königl. bayr. Kirchenrath und gewesener Dekan zu Windsbach, ist laut einer im „Luth. Herold“ gemachten Mittheilung am 9. Jan. d. J. in einem Alter von 66 Jahren selig entschlafen. Sein Gedächtniß wird bei allen denen in Segen fortleben, welche ihn kannten. In der trübseligsten Zeit der völligen Herrschaft des Rationalismus in Deutschland war er ein ebenso treuer und unerschrockener, als gesegneter Zeuge des Evangeliums von dem Heil allein in Christo.
English translation AI translation
128 Ecclesiastical-Contemporary Affairs.
...able to obey, he wanted to arrest me, from which he was dissuaded only by my pointing out that he would then be acting unlawfully, that I would not follow him either, since he could show me no higher order for such an act of violence, as he would have to under the law, and that besides, his subordinates, my parishioners, could bear witness that I had committed no criminal act, and would also vouch for my person, whereby an arrest would become entirely unlawful. After a long negotiation, in which I did not yield, we then came to a peaceful agreement that he should report to the office that he had forbidden me the baptism, but that I had refused obedience, and that we would thus wait and see what would come of it. Thereupon I baptized undisturbed, and now we wait to see what will happen. May the Lord God grant only that this rotten peace be broken once and for all — a peace that lasts only as long as it pleases the mayor or the unionist pastor, for even in this case the mayor would have kept silent had not the unionist pastor incited him and ordered him to proceed against me, as he also showed me that man's letter. We would rather fight and suffer honestly, for in this way we shall the sooner attain to an honest, open peace." (Pr. Kirchenblatt.)
Denmark. We read the following in the "Freimund": In the "Experiences of a Schleswig Preacher in the Years of Peace 1837–1850," etc., by Fr. Petersen, there is found, according to W. Menzel's literary journal, the following description of ecclesiastical conditions in Denmark, with a side-glance at Mecklenburg not to be overlooked. Petersen describes the Danish clergy, with few exceptions, as a wretched mixture of English high-churchism and German rationalist shallowness. This clergy, namely, has the wealth and the arrogance of the episcopal church, but without orthodoxy, and has sunk into the deepest baseness. The author relates a great many anecdotes concerning them. The wealthy Danish bishops and pastors play cards, dance, hunt, drink, and carouse quite openly; and among the common people, no longer kept in check by the clergy, there is likewise found, as among the higher classes, sensuality and love of pleasure widely spread. "The immorality which still permeates the masses there, which in particular loosens the bonds of marriage, so that a moral, faithful married couple can almost be counted among the rarities; the low state of intellectual education among the people; the open love of pleasure of all classes; the meager state of instruction in the public schools; the dry state of religious teaching in the churches, and other things — none of this had remained hidden from me. In no country of Europe, with the exception of Mecklenburg, where things stand even worse, are so many illegitimate children born, are there so many marriages lacking marital fidelity, as in Denmark. When the Superior Consistorial Councillor Kliefoth of Schwerin says in his synodal sermon of the year 1851 that in Mecklenburg every fourth child is illegitimate, every twelfth marriage a wild [common-law] one, every hundredth person an imprisoned criminal; further, that in a district of twenty churches, worship had in one year had to be suspended 228 times for lack of hearers — then the parallel to this is found again only in Denmark."
The Saxon Church and School Gazette. A certain Saxon pastor, M. Gehe, has published a little pamphlet in which he raises all sorts of complaints against the "Orthodox" in Saxony. To this the "Saxon Church and School Gazette" gives a brief reply, in which it says, among other things: "Mr. Gehe also exaggerates in that he accuses us of an inclination toward the Catholic hierarchy. If this reproach were indeed applicable to a certain doctrine of the [ministerial] office, our opponent ought also to have known that Höfling — whom one would certainly not count among Mr. Gehe's like-minded fellows — has combated this doctrine of the church and the office, and that in the Saxon Church and School Gazette, if we are not mistaken, this view was disputed, and that in any case, in the affairs of the Buffalo Synod, an opinion of the matter directed against it was championed. Is it, then, not exaggeration when Mr. Gehe foists upon all of us the views of certain orthodox theologians, which are expressly disputed by other orthodox theologians, and draws from this conclusions casting suspicion upon us?" — In Germany, then, our brethren too must experience what we experience here. For here also, especially by the sects, everything is charged to our account that the so-called Old Lutherans teach, even when it belongs to those very points which we in all earnestness combat.
Christian Phil. Heinr. Brandt, royal Bavarian Church Councillor and former Dean at Windsbach, has, according to a report made in the "Luth. Herold," fallen asleep blessedly on the 9th of January of this year, at the age of 66. His memory will live on in blessing among all who knew him. In the most sorrowful time of the full dominion of rationalism in Germany, he was an equally faithful and undaunted, as well as blessed, witness of the Gospel of salvation in Christ alone.