Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 4 › Seite 101
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1857, Seite 101
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Der Rumor über die neuesten Oberconsistorialgeneralien in Bayern. 101
des Decanats aber, wo es die Kürze der Zeit verstattet, die Sache sofort dem Consistorium zur Entscheidung vorzulegen ꝛc. —
Das sind die neuesten Generalien unseres bayerischen Oberconsistoriums, über die so großer Rumor sich allenthalben erhoben hat. Ich hätte sie gerne vollständig abdrucken lassen, wenn es mir nicht an Platz dazu fehlte; indessen der Kern und die Hauptsache von jedem ist hier treulich gegeben, daß jedermann Sinn und Meinung derselben wohl erkennen kann. Und ich bin überzeugt, daß alle regelmäßigen Leser meines Blattes sich ihres Inhalts eben sowohl, als des treuen Ernstes, des echt evangelischen Geistes und besonders des milden Sinnes, der sich darin allenthalben ausspricht, von Herzen freuen werden. Damit mir aber ja keiner den letztern Punct übersehe, so habe ich die Stellen, aus denen jener milde Geist besonders hervorleuchtet, mit gesperrter Schrift setzen lassen (denn in den Generalien selbst ist nichts unterstrichen). Es hat wohl mancher, der das Geschrei und die Lästerungen darüber vernommen, aber den Inhalt der betreffenden Generalien nicht näher erfahren hat, wunder geglaubt, welch greuliche Dinge drin stünden, und wird sich jetzt um so mehr verwundern, wie man solchen Lärm darüber aufschlagen könne. Vielleicht aber ists ihm auch gegangen, wie mir, daß ihn das nicht im Geringsten wunder nahm, denn ich weiß leider und hab' es schon oft gesagt öffentlich und sonderlich: mit dem Geschlechte dieser Zeit steht es im Allgemeinen so, daß es Zucht hasset, und daß sein Sinn ist: wir wollen ein zuchtloser Haufe sein. Das ist nun bei dieser Gelegenheit offenbar worden vor allen, die noch Augen haben zu sehen.
Die Oberconsistorialgeneralien enthalten nichts, was nicht schon bei der vorigen Generalsynode besprochen und von derselben beantragt worden wäre, wovon auch jedermann Kenntniß haben konnte, weil die Generalsynode aus ihren Verhandlungen und Beschlüssen kein Geheimniß machte; im Gegentheil, sie erhielten in der damals bestehenden „Evangelisch⸗lutherischen Kirchenzeitung“ von Dr. Wiener ausführliche Veröffentlichung. Allein wer von den Leuten, die jetzt auf einmal als gewaltige „Protestanten“ und Eiferer für die „evangelisch⸗lutherische Kirche“ auftreten, bekümmerte sich damals um diese Angelegenheiten? sie mochten weder davon hören, noch lesen, noch reden. Darum wars ihnen wie ein Blitz aus heiterm Himmel, als ihnen ein Hamburger Zeitungsschreiber ein Licht darüber aufsteckte, in welcher Gefahr sie schwebten und von wannen ihnen solche Gefahr drohe. Ein edles Organ, wohlbekannt von 1848 bis 49 her, der „Fränkische Curier“ aus Nürnberg blies zum ersten Allarm und — die ganze „fromme“ Stadt Nürnberg gerieth in die Höhe und in die Hitze und entflammte also von protestantischem Eifer, daß alle Bierhäuser davon summten und brummten, schallten und lallten und die Wirthe kaum Bier genug herbeischleppen konnten, um dem Feuer nur einigermaßen zu wehren. Aber das konnte nicht hindern, daß die Funken nicht weit umher sprühten und auch unsere gute, sonst so „langweilige“ Stadt Augeburg ergriffen, ja selbst viele Köpfe in München, dem Sitze des königl.
English translation AI translation
The uproar over the most recent Superior Consistory generalia in Bavaria. 101
of the deanery, however, where the shortness of time allows, to lay the matter at once before the Consistory for decision, etc. —
These are the most recent generalia of our Bavarian Superior Consistory, over which so great an uproar has arisen everywhere. I would gladly have had them printed in full, had I not lacked the space for it; nevertheless the core and the main point of each has been faithfully given here, so that everyone can well recognize their sense and meaning. And I am convinced that all the regular readers of my paper will rejoice from the heart over their content as much as over the faithful earnestness, the genuinely evangelical spirit, and especially the mild disposition that expresses itself throughout them. So that no one may overlook this last point, I have had the passages set in spaced type from which that mild spirit especially shines forth (for in the generalia themselves nothing is underlined). No doubt many a one who heard the outcry and the slanders about them, but did not learn the content of the generalia in question more closely, believed in wonder what dreadful things must be in them, and will now marvel all the more at how such an uproar could be raised over them. But perhaps it went with him, as it did with me, that it did not surprise him in the least, for I know, alas, and have already often said publicly and specifically: with the generation of this age it stands, in general, thus, that it hates discipline, and that its disposition is: we will be an undisciplined mob. This has now become manifest on this occasion before all who still have eyes to see.
The Superior Consistory generalia contain nothing that was not already discussed at the previous General Synod and moved by it, of which everyone could also have had knowledge, because the General Synod made no secret of its proceedings and resolutions; on the contrary, they received, in the "Evangelical Lutheran Church Gazette" then existing, edited by Dr. Wiener, a thorough publication. But which of the people who now suddenly step forward as mighty "Protestants" and zealots for the "evangelical Lutheran church" concerned themselves at that time with these matters? They wished neither to hear of it, nor to read of it, nor to speak of it. Therefore it came upon them like a bolt from a clear sky, when a Hamburg newspaper writer lit a light for them on the danger in which they were hovering and from whence such danger threatened them. A noble organ, well known from 1848 to '49, the "Fränkische Curier" from Nuremberg, sounded the first alarm, and — the whole "pious" city of Nuremberg rose up in heat and fervor and so kindled with Protestant zeal that all the beer-houses hummed and rumbled with it, resounded and babbled, and the innkeepers could scarcely haul in enough beer to ward off the fire even somewhat. But that could not prevent the sparks from spraying far and wide and catching even our good, otherwise so "tedious" city of Augsburg, indeed even many minds in Munich, the seat of the royal