Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 3, Nummer 4 › Seite 105
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — April 1857, Seite 105
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Der Rumor über die neuesten Oberconsistorialgeneralien in Bayern. 105
los bleiben soll, die Vollmacht der Absolution zur Folge!“ Da erhebt sich nun freilich der Dünkel seiner Unwissenheit bis zum Lächerlichen. Er meint, ein lutherischer Pfarrer bekomme die Vollmacht zur Privatabsolution erst von der Genehmigung der Gemeinde. Wo hat er wohl das gelernt?
Während nun das Geplänkel der mancherlei Blätter und Blättlein gegen die Generalien des Oberconsistoriums in beschriebener Weise vor sich ging und immer mehr zunahm, trat der „Fränkische Curier“ mit einer „Protestation“ auf, die ich am besten durch die mehrbelobte Allgemeine Zeitung (gewiß eine unparteiische Zeugin!!) characterisiren lasse. „Man höre!“ ruft sie in ihrer 313. Nummer vom 7. Nov. aus. Nun wir hören, und sie fährt fort:
Nach einer phrasenreichen Einleitung, die musivisch aus allerlei Büchern zusammengeklaubt scheint — die Stelle vom dreißigjährigen Krieg ist aus der deutschen Geschichte Wolfgang Menzels abgeschrieben — heißt es wörtlich: „Wir halten die Grundsätze fest, welche der Protestantismus hervorrief, und welche die edelsten Menschenfreunde, die größten Denker der letzten Jahrhunderte zur Geltung gebracht haben, und zwar: 1) daß der Glaube vollkommen frei sei, d. h. daß jeder nur das für wahr zu halten hat, was er nach erhaltener Belehrung und eigener Einsicht für wahr halten kann; 2) daß keine Zwangsgewalt in Glaubenssachen. bestehen darf, d. h. daß niemand berechtigt erscheint, einem andern seine Meinungen als die allein richtigen aufzudringen; 3) daß unsern Geistlichen bloß das Predigtamt obliegt, die Verkündigung der Größe der Schöpfung, der Lehren der Weisheit und Tugend, der Liebe und Gerechtigkeit gegen alle Menschen, Lehren, welche die Kraft der Gesetze verstärken, die Handlungen leiten, die dem Auge des Gesetzgebers, dem Arm des Richters entgehen, und Trost geben bei den Mühseligkeiten des Lebens: daß sie aber in keiner Art berechtigt sind, sich göttliche, richterliche oder strafende Gewalten anzumaßen; 4) daß die Neigungen, welche der Schöpfer in den Menschen, wie in alle Geschöpfe der Erde, gelegt hat, und ohne welche die Schöpfung nicht bestehen kann, wohl durch Anordnungen der bürgerlichen Gewalt geregelt werden können, nicht aber ins Gebiet der Religion, und noch weniger unter die Herrschaft der Geistlichkeit, gehören; 5) daß die Lehre vom Teufel, von bösen Geistern, von einer zürnenden, Erniedrigung, Rache, Mord fordernden Gottheit und von einer durch und durch verdorbenen Menschennatur ebensowenig für unsere Zeit paßt, als so manche gedankenarme, einseitige, in barbarischer Wortsetzung gegebene Lieder und Sprüche vergangener Jahrhunderte; 6) daß jeder Autoritätenglaube zu verwerfen ist, da es keinen Menschen gibt, der sein Siegel einem Jahrhundert, viel weniger kommenden Jahrhunderten aufzudrücken berechtigt ist, da andere Zeiten andere Sitten und Einsichten bringen, und es für uns nicht maßgebend sein kann, was der oder jener dachte, sondern was wir, gemäß unsern jetzigen Erfahrungen und Kenntnissen, zu denken vermögen.“ — Nun wahrhaftig! das ist eine Artikulation, zu deren Unterzeichnung das Taufwasser als geradezu überflüssig erscheint, denn jeder halbwegs wohl⸗
English translation AI translation
The uproar over the most recent Superior Consistory generalia in Bavaria. 105
remain without effect, entail the authority of absolution!" There the presumption of his ignorance now indeed rises to the point of the ridiculous. He thinks that a Lutheran pastor receives the authority for private absolution only from the approval of the congregation. Wherever did he learn that?
While now the skirmishing of the various papers and little papers against the generalia of the Superior Consistory went on in the manner described and increased more and more, the "Fränkische Curier" came forward with a "Protestation," which I had best characterize through the much-praised Allgemeine Zeitung (certainly an impartial witness!!). "Hear this!" it exclaims in its issue no. 313 of Nov. 7. Well, we are listening, and it continues:
After a phrase-laden introduction, which seems patched together, mosaic-like, out of all sorts of books — the passage about the Thirty Years' War is copied from Wolfgang Menzel's German history — it says verbatim: "We hold fast to the principles which Protestantism called forth, and which the noblest friends of mankind, the greatest thinkers of recent centuries, have brought to prevail, namely: 1) that faith be wholly free, that is, that everyone is bound to hold for true only that which, after receiving instruction and by his own insight, he can hold for true; 2) that no coercive power may exist in matters of faith, that is, that no one is entitled to force his opinions upon another as the only correct ones; 3) that our clergy are charged with nothing but the preaching office — the proclamation of the greatness of creation, of the teachings of wisdom and virtue, of love and justice toward all men, teachings which strengthen the force of the laws, which guide actions that escape the eye of the lawgiver and the arm of the judge, and which give comfort amid the hardships of life — but that they are entitled in no way to arrogate to themselves divine, judicial, or punitive powers; 4) that the inclinations which the Creator has placed in men, as in all creatures of the earth, and without which creation could not exist, may indeed be regulated by ordinances of the civil power, but do not belong in the domain of religion, and still less under the dominion of the clergy; 5) that the doctrine of the devil, of evil spirits, of a wrathful deity demanding humiliation, vengeance, and death, and of a human nature thoroughly corrupted, fits our time as little as do so many thought-poor, one-sided hymns and sayings of past centuries, given in barbaric wording; 6) that every belief in authority is to be rejected, since there is no man who is entitled to stamp his seal upon a century, still less upon centuries to come, since other times bring other customs and insights, and since what is decisive for us cannot be what this man or that thought, but rather what we, in accordance with our present experiences and knowledge, are able to think." — Now truly! this is an article of faith to whose signing baptismal water would appear positively superfluous, for every halfway well-