Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 2 › Seite 60
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Februar 1859, Seite 60
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60 Fordert die Lehre von einer allgemeinen unsichtbaren Kirche Union?
Frieden von der Erde nehmen. Reden wir milde, so glaubt man uns nicht.
Die Treue gegen die Wahrheit schilt man Fanatismus, die Sprache der Liebe
Heuchelei. Was ist's nun? Wenn nur uns selber unser Gewissen Zeugniß
gibt, daß unser Reden und Thun aus der Wahrheit ist und nicht wider die
Liebe, so mögen wir es getrost Gott befehlen, welche Aufnahme er ihm berei⸗
ten wolle auf seinem Gang durch die Menschen."
Nun läßt Luthardt einen Auszug aus der Darmstädter Allg. K.⸗Z. fol⸗
gen, und fährt denn also fort:
„Nun, undeutlich ist das nicht geredet: dieser Ruhm wenigstens muß
dieser Expektoration gelassen werden. Und besonders säuberlich ist man nicht
verfahren mit dem Knaben Absalom. Man hat die Epitheta in einer Weise
gehäuft — ich bin ihnen durch Unterstreichen zu Hülfe gekommen — daß so
viel Pfeile ins Herz gestoßen wohl sollten todt machen können. Aber Scherz
bei Seite, eine solche Polemik ist in der That betrübend. Wenn der Bericht⸗
erstatter meint, uns dadurch zu reizen, auch heftig oder bitter oder ungerecht
zu werden: wahrlich, das soll ihm nicht gelingen. Aber auch ihn zu wider⸗
legen werde ich nicht versuchen. Unser Artikel möge sich selbst vertheidigen.
Wer sich die Mühe geben will ihn zu lesen, wird ohne Commentar zu beur⸗
theilen vermögen, auf welcher Seite Wahrheit und Liebe sei und auf welcher
nicht. Den Berichterstatter aber zu beschämen — und das wäre das Einzige
was ich wünschte — darf ich nicht hoffen. Mag er selbst zusehen, wie er seine
Sünde wider das achte Gebot vor Gott verantworte. Wer aber die Wahr⸗
heit lieb hat, wird ihre Stimme, so hoffe ich, aus unsern Worten wohl heraus
hören. Wäre solche Polemik der einzige Verkehr zwischen den verschiedenen
Lagern der Christenheit, dann möchte man wohl, des streitvollen Lebens auf
Erden müde, sein Haupt je eher je lieber zur Ruhe zu neigen begehren, um
einzugehen in das Land des Friedens. Gottlob, daß es noch einen andern
Verkehr gibt!
Nächst der fröhlichen Gewißheit der sündenvergebenden Gnade Gottes,
ist keine Freude größer auf Erden, als welche aus der Gemeinschaft der
Gläubigen erwächst. Wer den HErrn Jesum lieb hat, dem mag nichts Lie⸗
beres widerfahren, als ihm zu begegnen in seinen Heiligen, in denen er eine
Gestalt gewonnen hat mannigfaltiger Weise. Gott sei Dank, daß wir das
wissen und erfahren dürfen, daß er seine Kinder hat in allen Kirchen und
unter allen Zungen! Wir wollen es gern bekennen, daß der Streit der Kir⸗
chen uns das manchmal zu sehr vergessen läßt und die Liebe erkalten. Wem
widerfährt das nicht? Wir haben Alle dawider zu streiten, gewiß die nicht
zum mindesten, welche sich der Liebe vor den Andern rühmen. Möge der
HErr uns Allen stets die Augen offen erhalten, „daß wir auf Erden erkennen
seinen Weg,“ und unsere Herzen weit, ihn zu begrüßen in allen Gestalten, in
denen er uns begegnet. Es gibt eine Gemeinde der Gläubigen auf Erden,
welche ist das Volk der Christen hin und her, die Braut des HErrn, die Ge⸗
liebte, die eine rechte Kirche in allen Kirchen ist; es gibt eine Gemeinschaft des
Glaubens und der Liebe, die im HErrn auch diejenigen verbindet, welche auf
English translation AI translation
60 Does the Doctrine of a General Invisible Church Require Union?
take the peace from the earth. If we speak gently, we are not believed.
Faithfulness to the truth is called fanaticism; the language of love,
hypocrisy. What then? If only our own conscience bears us witness that
our speaking and doing spring from the truth and are not against love, we
may confidently commit to God what reception he will prepare for it on
its way among men."
Now Luthardt lets an extract from the Darmstadt General Church Gazette
follow, and then continues as follows:
"Now, this at least is not spoken unclearly: this much credit at
least must be granted to this expectoration. And one has not proceeded
very delicately with the boy Absalom. The epithets have been heaped up in
such a way — I have come to their aid by underlining them — that so many
arrows driven into the heart might well be enough to kill. But joking
aside, such polemic is in truth distressing. If the reporter means to
provoke us by it, to make us also violent or bitter or unjust: truly,
that shall not succeed with him. But I shall not attempt to refute him
either. Let our article defend itself. Whoever will take the trouble to
read it will be able to judge, without commentary, on which side truth
and love lie, and on which they do not. But to put the reporter to shame
— which would be the only thing I could wish — I dare not hope for. Let
him see to it himself how he will answer before God for his sin against
the eighth commandment. But whoever loves the truth will, I hope, hear
its voice well enough out of our words. If such polemic were the only
intercourse between the different camps of Christendom, then one might
well wish, weary of the strife-filled life on earth, to bow one's head to
rest sooner rather than later, so as to enter into the land of peace.
Thank God that there is still another kind of intercourse!
Next to the joyful certainty of the sin-forgiving grace of God, there
is no greater joy on earth than that which grows out of the fellowship of
believers. Whoever loves the Lord Jesus can have nothing dearer befall him
than to meet him in his saints, in whom he has taken form in manifold
ways. Thank God that we may know and experience that he has his children
in all churches and among all tongues! We will gladly confess that the
strife of the churches sometimes makes us forget this too much, and lets
love grow cold. Who does not experience that? We must all strive against
it, certainly not least those who boast of love above others. May the
Lord keep all our eyes ever open, "that we may know his way on earth,"
and our hearts wide, to greet him in all the forms in which he meets us.
There is a congregation of believers on earth, which is the people of
Christians here and there, the bride of the Lord, the beloved, which is
the one true church within all the churches; there is a fellowship of
faith and of love, which in the Lord also binds together those who upon