Collection › Lehre und Wehre (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 1 › Seite 29
Lehre und Wehre St. Louis, Missouri — Januar 1863, Seite 29
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Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 29
tagen ist er ein Hund von demselben Gemüth und Benehmen wie andere Thiere, aber am Sonntag kommen seine Eigenthümlichkeiten und sektirerischen Vorurtheile zum Vorschein. Ungleich der Krähe kann er nämlich zählen und weiß, wann Sonntag ist. Dann ist er nicht wie an andern Tagen. Er geht keinem Kurzweil nach. Er pflegt keine Gesellschaft noch vertrauten Umgang. Er sagt in Thaten lauter denn in Worten dem eitlen und hündischen Geschlechte: „„sechs Tage sollst du spielen und alle deine Spiele thun.““ Die Familie besteht aus lauter Presbyterianern, aber der Hund ist ein Methodist. Sonntag Morgens begleitet er die Familie zur Kirche, verläßt sie an der Thüre der Kirche, die sie besucht, und geht dann seinen einsamen ungebahnten Weg, bis er zu der etwas ferner liegenden Kirche kommt. Hat er diese Kirche erreicht, so geht er die Treppe hinauf und hat einen besonderen Platz, da er sich hinsetzt; und wenn ein Eindringling sich an seine Stätte wagt, so kann keine Schöne oder Modedame, die (mit ihrem Kleid) den Kirchengang kehrend einherschreitet, und einen gemeinen Mann in ihrem eleganten Stuhle findet, entschiedenere Anzeigen ihres Verdrusses und Mißfallens geben als dieser Hund. Ist ihm Platz gemacht, so wohnt er anständig dem Gottesdienst bei und zollt dem Worte der Schrift eine dogmatische Aufmerksamkeit. Jeden Sonntag kann man ihn auf seinem Weg zur Kirche sehen, das Wetter sei schlecht oder gut, und seine Bevorzugung einer bestimmten Denomination ist so wohl bekannt als die irgend eines feinen Herrn in der Stadt.““ — Fürwahr, es widert einen an, diese frömmelnde Hundegeschichte zu lesen, die eben so sehr dem puritanischen Geist entsprungen, als im Grunde, ohne daß man's in seiner Verdrehtheit auch nur ahnt, eine ganz schnöde Profanirung des Heiligen ist. — C.
II. Ausland.
Pfarrer Haag. Von dessen Umtrieben ist schon im Decemberheft berichtet worden. In Betreff desselben lesen wir in Ehlers' kirchlichem Zeitblatt vom 1. October v. J. Folgendes: „Wider Haag. Unter diesem Titel ist eine kleine Broschüre von Max Frommel, luth. Pastor zu Ispringen bei Pforzheim, erschienen (Karlsruhe 1862, in Commission bei Liesching in Stuttgart), in welcher der Verfasser das Treiben des Pastor Haag in den lutherischen Gemeinden in Baden aufdeckt und gebührender Maaßen züchtigt. — Wir empfehlen die Lesung dieser Broschüre allen denen, welche ein selbstständiges Urtheil in der Sache gewinnen wollen; denn dazu die Leser zu befähigen hat Pastor Frommel geschrieben. — Wir unsererseits waren schon vor Lesung der Broschüre von dem Unrechte des Past. Haag überzeugt und es nahm uns der Umstand, daß er sich vom O. K. C. losgesagt hat, keineswegs für ihn gefangen; denn wie Christus um Haß und Haders willen gepredigt werden kann (Phil. 1), so kann sich auch Jemand aus unreinen fleischlichen Gründen vom O. K. C. lossagen (und daß dies bei Haag der Fall gewesen, weis't Past. Frommel überzeugend nach.)““— — Gott steure und wehre allen denen, die Rotten anrichten, wie man leider von Haag sagen muß, daß er es thut! Er führe aber, wie alle, welche die Wege des Rechts und der Wahrheit verlassen haben, so auch Haag zur Buße.““
Protest gegen staatliche Einmischung in kirchliche Angelegenheiten. Die gesammte westfälische Provinzialsynode hat, nachdem die preußischen Landstände immer öfter kirchliche Angelegenheiten in den Kreis ihrer Vollmachten gezogen hatte, in ihrer Sitzung vom 9. Sept. v. J. den Beschluß gefaßt, „daß a. sie hiermit gegen jede Einmischung der Landesvertretung in die inneren kirchlichen Angelegenheiten und insbesondere in die Art und Weise, in welcher sich die evangelische Kirche ihr Regiment constituirt, als gegen eine unbefugte und verfassungswidrige Maßregel Verwahrung einlegt, und daß b. das Moderamen beauftragt werde, diese Verwahrung in geeigneter Weise zur Kenntniß Sr. Excellenz des Herrn Ministers für geistliche Angelegenheiten zu bringen.“ — Im 135. Paragraphen des preußischen Strafgesetzbuchs heißt es: „Wer eine der christlichen Kirchen oder eine andere mit Corporationsrechten im Staate bestehende Religionsgesellschaft, oder die Gegenstände ihrer Verehrung, ihre Lehren, Einrichtungen oder Gebräuche verspottet, oder in einer Weise darstellt, welche dieselbe dem Hasse oder der Verachtung aussetzt . . . wird mit Gefängniß bis zu drei Jahre bestraft.“ Auf Grund dieses Paragraphen sind
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Church and Contemporary History. 29
...days he is a dog of the same temperament and behavior as other animals, but on Sunday his peculiarities and sectarian prejudices come to light. Unlike the crow, he can count, and knows when it is Sunday. Then he is not as he is on other days. He pursues no pastime. He keeps no company, nor familiar intercourse. He says in deeds, louder than in words, to the vain and doggish race: „„six days shalt thou play, and do all thy games.““ The family consists entirely of Presbyterians, but the dog is a Methodist. Sunday mornings he accompanies the family to church, leaves them at the door of the church they attend, and then goes his own solitary, untrodden way, until he reaches a somewhat more distant church. Having reached this church, he goes up the steps and has a particular place where he sits down; and if an intruder dares approach his seat, no beauty or fashionable lady, who (with her gown) sweeps down the church aisle and finds a common man in her elegant pew, can give more decided signs of her displeasure and disapproval than this dog. Once he is given his place, he attends the service properly and pays the word of Scripture a dogmatic attention. Every Sunday one can see him on his way to church, whatever the weather, good or bad, and his preference for a particular denomination is as well known as that of any fine gentleman in town.““ — Truly, it disgusts one to read this sanctimonious dog story, which springs as much from the Puritan spirit as it is, at bottom — without the writer, in his perversity, even suspecting it — an utterly base profanation of what is holy. — C.
II. Abroad.
Pastor Haag. His intrigues have already been reported in the December issue. Concerning him we read the following in Ehlers' Kirchliches Zeitblatt of October 1 of last year: „Against Haag. Under this title a small pamphlet by Max Frommel, Lutheran pastor at Ispringen near Pforzheim, has appeared (Karlsruhe 1862, on commission with Liesching in Stuttgart), in which the author exposes the doings of Pastor Haag in the Lutheran congregations of Baden and chastises them as they deserve. — We recommend the reading of this pamphlet to all who wish to form an independent judgment in the matter; for it was to enable readers to do so that Pastor Frommel wrote it. — For our part, we were convinced of Pastor Haag's wrongdoing even before reading the pamphlet, and the fact that he has renounced the O. K. C. did not in the least win him our sympathy; for just as Christ can be preached out of envy and strife (Phil. 1), so too can someone renounce the O. K. C. from impure, fleshly motives (and that this was the case with Haag, Pastor Frommel proves convincingly.)““— — May God restrain and ward off all those who stir up factions, as one must unfortunately say Haag does! But may he, like all who have forsaken the ways of righteousness and truth, likewise be led to repentance.““
Protest against state interference in church affairs. The entire Westphalian Provincial Synod, after the Prussian provincial estates had increasingly drawn church matters into the scope of their authority, resolved in its session of September 9 of last year, „that a. it hereby lodges, against every interference by the provincial representative body in the internal affairs of the church and especially in the manner in which the Evangelical Church constitutes its own governance, a protest as against an unauthorized and unconstitutional measure; and that b. the Moderamen be instructed to bring this protest, in suitable form, to the attention of His Excellency the Minister for Ecclesiastical Affairs.“ — Paragraph 135 of the Prussian Penal Code reads: „Whoever mocks one of the Christian churches, or another religious society possessing corporate rights in the state, or the objects of its veneration, its doctrines, institutions, or customs, or portrays it in a manner exposing it to hatred or contempt . . . shall be punished with imprisonment of up to three years.“ On the strength of this paragraph